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07. März 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Zehlendorf) | 100 Jahre alte Siedlung der Moderne, stilistisches Potpourri, Fischtalpark und eine Statikerin

„Und aus der Erde schauet nur | Alleine noch Schneeglöckchen; | So kalt, so kalt ist noch die Flur, | Es friert im weißen Röckchen.“ (Theodor Storm) – Kalenderspruch des Tages

Iris entdeckte zufällig in der Berliner Woche eine kleine Notiz über mein Vorhaben, alle Straßen Berlins abzulaufen und machte gleich Nägel mit Köpfen. „Da ich sehr gerne neue Ecken Berlins kennen lerne, interessiert mich Ihr Vorhaben sehr. Ich war viele Jahre lang als Bauingenieurin in Berlin tätig“, schrieb sie mir in einer Mail. Heute ist es soweit, wir wollen zusammen den südlichen Abschnitt der Zehlendorfer Waldsiedlung erkunden und uns noch weiter Richtung Süden vorarbeiten. Wir treffen uns am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte und schon nach wenigen Sekunden ist klar, dass der Gesprächsfluss in den nächsten fünf Stunden nicht versiegen wird. Im Doppelpack sind wir heute auf keinen Fall zu überhören! Schnell sind wir im regen Austausch. Iris ist Statikerin und hat als Bau-Fachfrau einen ganz anderen Blick auf die Häuser als ich. Sie sieht sofort, ob Materialien und Farben harmonieren und kann deren Qualität beurteilen. Sie erkennt intuitiv das ungefähre Baujahr, sieht Bausünden, Stilbrüche oder auch Stilsicherheit und – was mich besonders fasziniert – in der unter Denkmalschutz stehenden Waldsiedlung den Architektenwechsel. Wenn ich überwältigt ausrufe: „Das ist aber auch ein wunderschönes Haus!“, klärt sie mich auf, was daran alles unstimmig ist. Sehe ich einen schönen Baum im Vorgarten, fragt sie sich, wieso sein Wurzelwerk noch nicht mit dem Gemäuer kollidiert ist. Doch meistens sind wir einer Meinung, ich meinem ästhetischen Empfinden folgend und Iris ihrem Sachverständnis. Die Herausforderung für mich besteht darin, neben all dem Input auch die Wegeführung im Auge zu behalten, damit keine Straße unbeschritten bleibt. Schon in der Wilskistraße höre ich mal kurz weg, um einen Blick auf meinen Plan zu werfen, was von einem Passanten bemerkt wird, der mit seinem Hund Gassi geht. „Kann ich helfen?“, fragt er und erhält umgehend von Iris die Information, dass wir hier unterwegs sind, um alle Straßen kennenzulernen. Er mustert mich aufmerksam. „Waren Sie im Fernsehen? Ich kenne Sie doch!“ Wow, ich bin berühmt! Angestachelt von Iris´ Fragen, erzählt er, wo er vorher gewohnt hat, seit wann er hier seine Heimat gefunden hat und wie wohl er sich fühlt in diesem Umfeld. Ein paar Meter weiter werkelt eine Frau auf ihrem Balkon. meine Begleiterin verwickelt auch sie in ein Gespräch, in dessen Verlauf sich herausstellt, dass der Mann mit Hund zu ihr gehört.

Wir bewegen uns heute im Dreieck Onkel-Tom-Straße, Argentinische Allee, Clayallee und beginnen mit dem südlichen Teil der Waldsiedlung mit Häusern von Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Die einzelnen Baugebiete dieses ersten Bauabschnitts wurden unter den Architekten verlost. Den größten Anteil hatte Bruno Taut (Chefarchitekt der GEHAG), aber alle Bauten zeichnen aufgeräumte Strukturen voller Klarheit und ohne Schnörkel aus (die am richtigen Platz aber sehr schön sein können!). Der Baumbestand war in die städtebauliche Konzeption einbezogen und auch die Wiesen vor den Häusern sind naturbelassene Waldflächen. Man läuft quasi durch Kiefernwald mit Bebauung.

Zu jedem Einfamilienhaus sowie zu jeder Erdgeschosswohnung gehört ein rund 200 m² großer Garten. Das sieht man sehr gut, wenn man der Straße Im Gestell durch eine Unterführung folgt (Architekt Hugo Häring) und dort einen direkten Einblick in die Gärten hat.

Wir erreichen den Schauplatz des Zehlendorfer Dächerkrieges, die Straße Am Fischtal, benannt nach der Talsenke der alten Feldmark Zehlendorf. Flachdach gegen Spitzdach – Moderne gegen Tradition stehen sich hier direkt gegenüber. Auf der einen Seite stand die gewerkschaftsnahe GEHAG unter Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg, die moderne, bezahlbare Wohnbauten mit Flachdächern plante und damit Teil der Siedlung „Onkel Toms Hütte“ war. Auf der gegenüberliegenden Seite errichtete die GAGFAH zeitgleich die konservative „Versuchssiedlung Am Fischtalgrund“ mit verpflichtenden Satteldächern, entworfen von Architekten wie Paul Schmitthenner, Hans Poelzig und unter der Leitung von Heinrich Tessenow. Die Dachformen standen für gegensätzliche Lebenshaltungen: Das Flachdach galt als Ausdruck urbaner Moderne und funktionaler Antworten auf Wohnungsnot, das Spitzdach als Symbol einer heimatlichen, dörflichen Tradition mit Schmuckelementen. Wir entdecken auch eine Berliner Gedenktafel für Ernst von Harnack.

In meinem vorherigen Bericht hatte ich das mir an diesem Tag empfohlene und gleich gelesene Buch „Der Duft der Kiefern“ von Bianca Schaalburg erwähnt. Die Berliner Autorin taucht in ihre Kindheit ein und stößt dabei auf Verdrängung und Lügen. Was hat ihr Großvater Heinrich, angeblich als Buchhalter bei der Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis gewusst? War er vielleicht selbst beteiligt? Es stellt sich die Frage nach der Mitschuld ihrer Familie. Sie erfährt nämlich, dass in deren Haus vorher jüdische Mitbürger lebten. Es befindet sich im Eisvogelweg 5 und liegt heute auf dem Weg. Davor erinnern Stolpersteine an die ermordeten ehemaligen Bewohner. Wenn man diese mit einer persönlichen Geschichte verbinden kann, berührt einen das Schicksal um so mehr:

Ohne die Begegnung mit dem Mann, der mir das Buch empfohlen hatte, wäre mir dieser besondere Ort vermutlich nicht aufgefallen. Wie gut es doch ist, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen! An solchen Gelegenheiten mangelt es heute nicht, Iris spricht alle an, die in unser Blickfeld geraten. Offen und sehr direkt. Ich würde das niemals wagen und hätte immer die Befürchtung, dass ich den Leuten „auf den Keks“ gehe. Völlig unbegründet, wie sich herausstellt. Alle reagieren ausgesprochen freundlich und zugewandt und würden uns vermutlich ihre Häuser auch von innen zeigen inklusive Kontostand und Steuererklärung, würden wir sie darum bitten. Hilfreich ist dabei natürlich der fachmännische Blick von Iris auf den Zustand der Bausubstanz, der sich als perfekter Gesprächseinstieg entpuppt. Die Angesprochenen freuen sich über das detaillierte Lob, aus dem die Fachfrau spricht und über das Mitgefühl angesichts besonders kniffliger, aber notwendiger Baumaßnahmen. Ich halte mich meist freundlich lächelnd raus und genieße meine Rolle als stille Beobachterin. So passieren wir noch den Salvisbergschen Anteil der Waldsiedlung inklusive liebesbedürftiger Katze…

…und gelangen über die Onkel-Tom-Straße zum Fischtalpark, der sich an die Waldsiedlung anschmiegt und ähnlich der Rehwiese im weiten Bogen kaum einsehbar randbebaut ist. Welch ein schönes Fleckchen Erde inklusive Fischtalteich. Man könnte auch denken, die Stadt verlassen zu haben.

Natürlich wird es nun von Tag zu Tag grüner und bunter, so dass die ersten Frühlingsboten für noch mehr Freude sorgen:

Den Park verlassend, erreichen wir die Waltraudstraße und diesen ungewöhnlichen Anblick:

Iris stellt fest, dass hier durchaus hochwertige Arbeit geleistet wurde und wir mutmaßen, dass Apartment-Wohnungen entstehen, sicher auch nicht für den kleinen Geldbeutel. Nun müssen wir aber eine Kaffeepause einlegen und wählen dafür die nahegelegene Truman-Plaza. Auf dem Weg dorthin kommen wir am U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim vorbei, der nach dem ehemaligen Krankenhaus gleich nebenan benannt wurde. Auf einer Gedenkstele findet man Informationen, die sehr nachdenklich stimmen und deutlich machen, dass es trotz aller noch vorhandenen Ungerechtigkeiten gegenüber Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen mittlerweile deutliche Fortschritte gibt. Vieles wäre heute so nicht mehr denkbar, z.B. der Begriff „Krüppelfürsorge“. 1905 wurde die orthopädische Klinik auf Initiative des Chirurgen Konrad Biesalski gegründet und maßgeblich von dem Industriellenpaar Oskar und Helene Pintsch finanziert und entwickelte sich zum Zentrum für die Behandlung und Ausbildung körperbehinderter Kinder und Jugendlicher mit zwangsweiser Heimunterbringung. Hier wurden medizinische Innovationen wie neue Wirbelsäulen‑ und neurochirurgische Verfahren erprobt, und der Arzt Kurt Huldschinsky entdeckte die heilende Wirkung von UV‑Licht gegen Rachitis. Das Heim verband medizinische Therapie, schulische Bildung und handwerkliche Ausbildung und gilt als Ursprung moderner Rehabilitation und Sonderpädagogik. Nach dem Krieg wurden hier u.a. auch die Opfer der Contergankatastrophe behandelt. Nach der Schließung im Jahr 2000 wurde das Gelände neu bebaut; der Name lebt heute in einem Verein und im Oskar‑Helene‑Park weiter.

Eine WhatsApp-Nachricht von Kriminalkommissar Anton mit dem von ihm erstellten Video aus dem Material unserer gemeinsamen Wanderung am 3. März bringt mich wieder auf andere Gedanken. Es ist sehr schön geworden, wie ich finde, auch Iris gefällt es gut:

Plötzlich ist es schon 13 Uhr und ich drängle zum Aufbruch, denn 3/4 unseres Tagesprogramms liegen noch vor uns! Auf dem Rückweg entdecken wir einen leider (oder zum Glück) geschlossenen Kulturkiosk. Da könnte man stundenlang stöbern!

Nun sind wir zurück in der Waltraudstraße und stellen fest, dass sie fast einer Open-Air-Ausstellung hochwertiger, besonderer und ästhetischer Landhausarchitektur ähnelt. Doch auch die Jutta-, Edith- Sophie-Charlotte-, Herta-, Katharinen-, Irmgard- und Biesalskistraße lassen sich nicht lumpen. Kaum haben wir den Anblick eines Schmuckstückes mit allen dazugehörigen bautechnischen Bewertungen seitens Iris verarbeitet, lockt schon das nächste mit seinen Eigenwilligkeiten, kleinen und größeren Schönheitsfehlern oder Alleinstellungsmerkmalen. Keins gleicht exakt dem anderen, Entstehungszeiten, Größe und Baustile variieren aufs Angenehmste.

Dieses Haus in der Edithstraße gefällt mir auch sehr gut, aber Iris hat daran so einiges auszusetzen – die vergitterten Fenster, das wuchtige Obergeschoss.

In der Hertastraße laufen wir an einem modernen Mehrfamilienhaus vorbei mit sehr großzügigen Terrassen. Auf einer Brüstung steht eine sich davon deutlich abhebende Skulptur, hinter den Fenstern erheben sich lebensgroße afrikanische Figuren. Meine Gedanken verlassen unzensiert meinen Mund: „Die Skulptur passt stilistisch gar nicht hierher. Vielleicht hat sie ja jemand geklaut!“

Kaum gesagt, sehe ich, dass direkt dahinter eine ältere Frau sitzt und die Sonne genießt. Erde, tu dich auf! Ich hoffe inständig, dass sie mich nicht gehört hat. Aber Iris hat über den Zaun rufend die Frau schon einem Fragen-Bombardement ausgesetzt, auf das sich diese bereitwillig einlässt bis hin zur Verwendung eines sehr großen Futterhäuschens, in dem sie neulich eine Ratte erwischte. Sie bekommt von Iris praktische Tipps, wie man das Häuschen rattensicher aufstellen könnte. Für mich ist das die Gelegenheit, auch mal was Nettes zum Gespräch beizutragen und ich erzähle von dem Eichhörnchen, das sich neulich bis in den 6. Stock auf meinen Balkon hochgearbeitet hatte. Ich bin rehabilitiert! Die Figur stellt übrigens den Stier dar, der Europa auf seinem Rücken führt.

In der Sophie-Charlotte-Straße steht ein Haus der Stiftung Pius XII. Sie setzt die Arbeit des Gründers Don Luigi Fraccari fort, eines katholischen Priesters, der hier ein Heim für seine italienischen Landsleute einrichtete. Heute werden hier junge Menschen auf dem Weg ins Leben begleitet, steht auf einer Tafel.

Nun sind wir im Bereich Schütz-, Milnowski-, Schweitzer-, Schmarje-, Pasewaldt- und Scharfe Straße angekommen und pendeln wie Pingpong-Bälle zwischen Onkel-Tom-Straße und Clayallee hin uns her. Die „Bauausstellung“ setzt sich aufs Angenehmste fort:

Die Villa für den Bildhauer Walter Schmarje wurde von Paul Mebes gebaut, wie auf einer Gedenktafel zu lesen ist. Lange war später ein Kindergarten in der Villa untergebracht, dann stand sie leer und wird nun von der Initiative für Hochbegabte e.V. genutzt.

Dann wartet eine Überraschung in vielerlei Hinsicht auf uns. Schon von Weitem können wir immer wieder den Blick auf eine „Püppi“, wie Iris scherzhaft sagt, erhaschen, die auf einer Kuppel balanciert. Schließlich stehen wir vor dem dazugehörigen – nun ja, „Haus“ wäre deutlich untertrieben – Palast.

Auf einem Monitor am Zaun erfahren wir mehr über das bewachte Gebäude. Es handelt sich um das Arabische Kulturhaus „Der Diwan“. Ich empfehle, den hier eingefügten Link zu öffnen, denn man erhält dort eine wunderbare Draufsicht auf das komplette Gelände. Hier werden die deutsche und arabische Kultur einander näher gebracht und Brücken zwischen Abendland und Morgenland gebaut. Ziel des Divan ist es, die arabische Kultur in den Bereichen Kunst, Musik, Literatur, Film, Performing Arts und Sprache für die deutsche Gesellschaft sichtbarer zu machen. Eröffnet wurde der Divan im Jahr 2017 vom damaligen Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und seinem katarischen Amtskollegen Mohammed Bin Abdulrahman Al Thani. Die Wahl des Namens wurde durch die berühmte Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ von Johann Wolfgang Goethe inspiriert.

Auch die Geschichte des Hauses ist lesenswert. Errichtet wurde die Villa zwischen 1904 und 1907 im neoklassizistischen Stil für den Verleger Franz Calé und stand dort fast allein auf weiter Flur. Ab 1912/13 nutzte der deutsche Plantagenbesitzer Enrique Herman das Haus als Generalkonsulat von Guatemala. 1930 wechselte die Villa erneut den Eigentümer und wurde später von der deutschen Kriegsmarine übernommen. 1997 erwarb das Emirat Katar die denkmalgeschützte Villa samt Garten, zunächst mit der Absicht, hier ein Botschaftsgebäude einzurichten. Über viele Jahre blieb das Haus jedoch ungenutzt und verfiel. Erst ab 2015 begann eine umfassende Sanierung nach den Vorgaben des Denkmalschutzes, die 2017 abgeschlossen wurde. Das Kulturprogramm ist sehr spannend und umfangreich, teils in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek und demnächst kann man dort sogar Osterkarten basteln.

Eine weitere Überraschung ist das Stück Original-Mauer hinter dem Zaun, was man an einem solchen Ort eher nicht vermutet.

Die seltsamen Orte setzen sich fort mit dem Sitz des Corps Vandalia-Teutonia in der Riemeisterstraße 4. Schon der Name klingt nach „Hau drauf!“. Während wir spekulieren, was sich hinter den Mauern wohl so zutragen mag, kommen wie bestellt zwei junge Menschen – eine Frau und ein Mann – auf uns zu, um genau durch dieses Tor zu gehen.

Iris lässt die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt, um mehr zu erfahren über die studentische Verbindung. Wir erfahren, dass sich mittlerweile auch Frauen in solchen Gemeinschaften zusammenfinden, dann aber eben ausschließlich Studentinnen. Beide sind sehr gut drauf und wir tauschen uns aus über Sinn und Unsinn des Schmisses, auf den man ja früher so stolz war. Der junge Mann findet diese Tradition gut und wird sich vermutlich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wie sagte man früher so schön: Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Nun nähern wir uns dem letzten Abschnitt, auf dem zwei Kirchen am Wegesrand stehen. Die moderne Evangelisch-Lutherische St.-Mariengemeinde und die in meinen Augen wesentlich schönere Katholische Kirche Herz Jesu – St. Otto, beide in der Riemeisterstraße gelegen. Letztere hält ihre Tür für uns offen und strahlt eine Eleganz und Ruhe aus, die zum Verweilen einlädt.

In der Auslage im Vorraum finden wir eine Einladung zum Männer-Nachtpilgern. Was für eine schöne Idee! Aber für manche Frauen vermutlich ein Albtraum, wenn nachts Männer gleich gruppenweise um die Häuser schleichen. Auf Instagram gab es nämlich einen Kommentar zu meinem Projekt, in dem eine Frau große Bedenken äußerte. Es wäre absolut leichtsinnig von mir, meine Aufenthaltsorte bekanntzugeben, weil sich dadurch viele Männer animiert fühlen könnten, mir aufzulauern. Ich antwortete ihr, dass ich bisher noch nie auf der Straße schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht habe und außerdem niemand weiß, wann genau ich um welche Ecke biege. Sie meinte, dann hätte ich wohl viele Schutzengel. Sie würde keine Frau kennen, die nicht von Übergriffigkeiten erzählen könnte. Das ist traurig und tut mir wirklich leid, aber mit einer solchen Einstellung dürfte ich ja gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

Zurück auf der Clayallee, beeindruckt mich dieses herrschaftliche Mehrfamilienhaus mit dem Fensterschmuck und aufwändigen Reliefs:

Nun gehts zurück zur S-Bahn, nach knapp 16 Kilometern haben wir das Etappenziel erreicht. Zum Schluss macht mich Iris noch auf ein Gebäude aufmerksam, das sie optisch für einigermaßen misslungen hält. Sie kennt es gut, weil sie als Bauingenieurin daran beteiligt war. Schön finde ich es auch nicht, aber ich erkenne den Gedanken dahinter, alt und neu miteinander verbinden zu wollen:

Am Dienstag starte ich an dieser Stelle, besuche das Alliiertenmuseum und bewege mich Richtung Sundgauer Straße fort.

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