Von Hellersdorf in den Wedding Oktober 2014

Eine Stadt zu Fuß zu erkunden, birgt viele Vorteile gegenüber anderen Fortbewegungsmitteln in sich. Das Schritttempo ist optimal an die Wahrnehmungsmöglichkeiten des Körpers angepasst. Er nimmt mit allen Sinnen die Eindrücke auf, auch die kleinen Dinge des Alltags. Man hat auch Zeit, diese vertiefend zu verarbeiten, sei es die Natur, Architektur, die Menschen, die Geräusche und Gerüche. Selbst auf dem Fahrrad entgeht einem durch die höhere Geschwindigkeit so einiges. Natürlich macht es nicht immer direkt Spaß, z.B. durch Industriegebiete zu laufen, aber Schönes und Hässliches wechselt sich ab und spiegelt schließlich das ganz normale Leben!
An einem der wunderbar milden und sonnigen Oktobertage 2014 nehme ich mir frei und verwirkliche mein schon lange geplantes Vorhaben, die ca. 20 Kilometer von meiner Haustür zu der meines Sohnes zu laufen. Himmelsrichtung von Ost nach West, im Prinzip schnurgerade von rechts nach links. Direkt an meine Straße schließt sich eine Grünanlage an, die in das Naturschutzgebiet Schleipfuhl übergeht.

Von dort Blick zurück auf mein Haus.

Und weiter gehts durch die bunten Parkanlagen, zunächst Richtung Wuhlewanderweg. 

 

Ich verlasse den Schleipfuhl und wende mich der Kastanienallee zu,

die momentan übersät ist von frischen, glänzenden Kastanien. Kita-Gruppen sind unterwegs und sammeln eifrig. Der Boulevard führt über die U5 Hellersdorfer Straße.

Ich biege vorher ab und laufe an der U-Bahn entlang von der Station Cottbusser Straße Richtung Grottkauer Straße.

Hier überquere ich die Hellersdorfer Straße am zukünftigen IGA-Eingang „Auftakt Hellersdorf“ und bin am Wuhlewanderweg.

 

Über den Wuhleteich hinweg blicke ich auf den Kienberg. Links sind in der Ferne die Hochhäuser am Springpfuhl zu erkennen.

Weiter gehts an der Wuhle in Richtung Cecilienstraße.

 

 

 

 

Und schon habe ich diese erreicht. Bis hierher bin ich nur durchs Grüne gelaufen und habe schon 4,5 km geschafft.

Die Cecilienstraße führt weiter über den Blumberger Damm und die Biesdorfer Oberfeldstraße hinweg und wird zu einer idyllischen kleinen Siedlungsstraße.

 

 

Plötzlich steht man auf der pulsierenden Marzahner Hauptachse „Allee der Kosmonauten“.

Es gibt so einige Möglichkeiten, parallel zu dieser großen Straße durchs Grüne zum Springpfuhl zu gelangen. Nun stehe ich direkt vor einem der riesigen Wohnblöcke, die ich vorhin schon aus der Ferne erblickt hatte. Ich weiß, dass es sich darin sehr gut wohnt. Die Häuser werden von einem Consierge behütet, so dass es dort überaus ordentlich zugeht. Die Wohnungen sind teilweise über 
100 m² groß und der Blick von oben ist fantastisch! 

Die Infrastruktur lässt es dort an nichts fehlen, sogar eine Schwimmhalle gibt es.

Es schließt sich der Springpfuhlpark an mit einigen bemerkenswerten Skulpturen bekannter DDR-Künstler und natürlich dem eigentlichen Pfuhl.

 

Es folgt eine weniger schöne Strecke entlang der stark frequentierten Allee der Kosmonauten.

Sie führt mich über die Grenze von Marzahn nach Lichtenberg. Jetzt folgt ein sehr idyllischer Abschnitt durch Herzberge. Nach der sehr lauten industriell geprägten Straße bin ich jetzt von ganz viel Grün, Wiesenparks mit Schafen und anderem Getier und einem Waldstück umgeben, das von den Straßenbahngleisen durchschnitten wird.



Rechter Hand das internationale Gospel-Center, von dessen Existenz ich bisher nichts ahnte,

und das architektonisch bezaubernde Krankenhaus „Königin Elisabeth“.

 

 

Nach dieser sehr erholsamen Wegstrecke spuckte mich der Wald unverhofft in die hässliche Herzbergstraße, in der sich Fabriken, Werkstätten und andere Firmen tummeln.

Die meisten fest in vietnamesischer Hand.

Froh, diese Gegend endlich hinter mir lassen zu können, überquere ich den Weißenseer Weg und erfreue ich mich an den in kuschliges weiches Gras gebetteten Schienen der Tram.

Ein paar Meter weiter mache ich einen Abstecher in den Fennpfuhlpark, direkt an meinem Weg durch die Paul-Junius-Straße gelegen. Eine sehr weitläufige Grünanlage, ähnlich dem Springpfuhlpark

mit einem beeindruckend großen See, dem Fennpfuhl. Ich beschließe, hier meine Mittagspause zu verbringen. Bin jetzt 2,5 Stunden unterwegs. Ich suche mir eine Bank mit Blick aufs Wasser, esse, trinke und lese ein bisschen. 

Nun muss ich noch ein kurzes Stück entlang der Landsberger Allee zum gleichnamigen S-Bahnhof.

Hinter der Brücke befindet sich unterirdisch das Velodrom und eine Schwimmhalle, darüber erstreckt sich eine etwas öde Grünfläche.

Rechter Hand der S-Bahnhof, orientiere ich mich ab hier an den Gleisen der Ringbahn, die ja in den Wedding führen.

Nun schon im Prenzlauer Berg angekommen, finde ich diese Haltestellenparade.

Und auch das ist der vielgepriesene Prenzlberg, dessen Bewohner teilweise sehr abfällig auf Marzahn-Hellersdorf herabblicken wegen des immer noch herrschenden Klischees von der öden Platte. Ist das hier schöner?

Ich wende mich von der Kniprodestraße ab und betrete den Anton-Saefkow-Park. Endlich wieder Grün!

Offensichtlich folge ich einem offiziellen Wanderweg.

 

 

Der Park zog sich ziemlich lange hin, immer parallel zur S-Bahn. Ich erreiche die Greifswalder Straße, überquere sie

und setze meinen Marsch gegenüber fort in Richtung Ernst-Thälmann-Park. Ich befinde mich immer noch im Prenzlauer Berg, wohlgemerkt. Auch wenn es das Bild nicht vermuten lässt.

Das Planetarium kündet die Nähe der Prenzlauer Allee an. Viele Leute sind im angrenzenden Park unterwegs, u.a. zwei junge Väter mit Kinderwagen, die sich angeregt über Windeln und Babynahrung unterhalten. Gender-Mainstreaming live!

Stillleben:

Die Sternwarte liegt nun hinter mir, ich überquere die Prenzlauer Allee und biege in die Stargarder Straße ein, in der das Leben tobt. Viele schöne Läden verlocken zum Innehalten, aber ich bleibe standhaft und wandere zielstrebig weiter, vorbei an der legendären Gethsemane-Kirche.

Und schon stehe ich an der Schönhauser Allee, die ich ebenfalls überqueren muss. Durch die Gleimstraße laufend, habe ich das Gefühl, mich von der S-Bahn zu entfernen und biege rechts ab in die Sonnenburger Straße. An deren Ende, Ecke Kopenhagener Straße steht ein sehr merkwürdiges Gebäude, eine burgähnliche Festung, fast wie ein Gefängnis und sehr düster und bedrückend.  Auch ein junger Mann steht staunend davor und rätselt, was das wohl sein könnte. Wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir von den Jahren kurz nach der Wende, als er nach Berlin gezogen ist. „Damals war hier noch was los. Aber jetzt ziehen alle coolen Leute weg, denn die haben kein Geld. Ich wohne jetzt in Marzahn, dort ists auch schön.“ Jedenfalls hat hier u.a. auch Zalando seinen Sitz.

In der Kopenhagener Straße entdecke ich sogar noch ein unsaniertes Haus.

Nun bin ich in der Schwedter Straße gelandet an der Jugendfarm Moritzhof.

Dort steht ein Kletterfelsen, dem in Marzahn-West sehr ähnelnd.

Die Schwedter Straße endet an der S-Bahn, also laufe ich in die andere Richtung und entdecke kurz vor dem Gleimtunnel Treppen nach oben, die mich neugierig machen. Sie führen mich in einen Park, der in dieses hübsche Birkenwäldchen übergeht. Mit fallen die vielen überdimensionierten Mülltonnen auf und die nicht vorhandenen Bänke. Ein kurzer Blick auf die Karte sagt mir, dass ich nun bei der nächsten Gelegenheit rechts abbiegen muss. Würde ich geradeaus weiterlaufen, käme ich in den Mauerpark.

Und schon bin ich im „Westen“! Der Stadtbezirk Wedding ist erreicht, das Endziel auch in absehbarer Nähe. Wie in vielen anderen Westberliner Stadtbezirken, sind auch hier ganz vorbildlich im Straßenbild Wegweiser zur Stadtbücherei montiert. Das wird man im Ostteil nicht erleben.

Die Lortzingstraße führt mich bis zur Brunnenstraße.

Darüber hinweg wird sie zur Voltastraße. Fast die gesamte Straße entlang erstreckt sich dieses Fabrikgebäude, in dem jetzt unterschiedlichste Firmen ihren Sitz haben, z.B. die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba und SFE Strukturanalyse, was immer das auch bedeutet, die Deutsche Welle und der Offene Kanal Berlin. Und wieder wechselt die Straße ihren Namen in Max-Urich-Straße, hier befindet sich der Fachbereich Bionik und Evolutionstechnik. 

Meine lange Geradeausstrecke ist nun zu Ende, ich biege rechts ab in die Ackerstraße

und komme zu einem Kreisel, über den eine riesige, sehr verrostete Eisenbahnbrücke führt.

Sie flößt Respekt ein, wegen ihrer Größe und ihres baufällig wirkenden Zustandes. Aber ich muss darunter hindurch!

Nun habe ich es fast geschafft und mache sogar noch einen kleinen Umweg über den Pankewanderweg,

der sich an dieser Stelle Walter-Nicklitz-Promenade nennt.

Das Ziel Gerichtstraße ist nach 4,5 Stunden reiner Laufzeit erreicht. Inklusive Pausen habe ich 6 Stunden gebraucht. 
Fazit: bis auf die vielbefahrenen Straßen durch die Industriegebiete ein sehr grüner Weg mit vielen interessanten Eindrücken!