Madeira

Hier gehts zum Madeira-Fotoalbum mit allen Bildern.

Samstag, 21.04.2018

Nach einer kurzen Nacht höre ich mein Handy rufen: „Es ist 5 vor 6!“ Panisch springe ich aus dem Bett. Ich wollte schon vor einer Stunde aufstehen! Sekunden später stehe ich unter der Dusche und stelle beim hektischen Blick auf die Uhr fest, dass es plötzlich schon 6:15 Uhr ist! Wie kann das sein? 6:30 Uhr fährt meine Straßenbahn! In Lichtgeschwindigkeit schlüpfe ich nass in meine Klamotten, schminke mich nebenbei, werfe meine Waschtasche in den Koffer und verabschiede mich im Vorbeirennen mit „Ich hab verschlafen!“ von Gerd, der völlig irritiert aus der Bettwäsche lugt und murmelt: „Es ist doch erst halb sechs!“ Ich sinke wie ein angepiekster Luftballon in mich zusammen. Stimmt! Und natürlich wird keine automatische Zeitansage 5 vor 6 sagen, sondern es hieß 5 Uhr 6… Plötzlich habe ich nun also eine Stunde Zeit. Mein Blutdruck nähert sich wieder dem Normalwert, ich vervollständige in Ruhe mein abrupt beendetes Körperpflegeprogramm und bekomme sogar noch ein fürstliches Frühstück serviert.

So kann ich mich also ganz pünktlich mit Georg am Bahnhof Beusselstraße treffen, der mit seinem schicken, ockerfarbenen Opakoffer nicht zu übersehen ist. In Tegel wartet Wolfram schon auf uns und Meldungen zum sich ständig nach hinten verschiebenden Flug nach Köln, dem Zwischenstopp nach Madeira. So haben wir viel Zeit zum Kaffee trinken, rauchen, lesen und freunden uns schon mal mit dem Gedanken an, eventuell in Köln übernachten zu müssen.

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Falls der Anschlussflieger nicht auf uns wartet. 8:50 Uhr sollte es eigentlich hier losgehen, jetzt ist es 10:00 Uhr. Aber dann bekommen wir zufällig mit, dass man an Bord gehen kann. Eine Durchsage wurde nicht gemacht. Wozu auch, die Passagiere scheinen ja auch so hinzufinden. Trotzdem sind wir hoffnungslos verspätet. Obwohl der Flug nur 45 Minuten dauert, bekommen wir einen Snack und ein Getränk angeboten. Aber nur ausgewählte Fluggäste, zu denen wir auch gehören. Logisch, als Ehrenamtsnadelträgerin in spe mit Gefolge möchte das ja wohl sein!

In Köln lauert schon das Anschlussflugzeug nach Madeira auf uns, aber das ist mir egal, ich muss erst mal die örtliche Toilette aufsuchen. Als ich danach zum Gate schlendere, wedeln dort alle schon wild mit den Armen, ich solle doch mal einen Zahn zulegen. 180 Passagiere warten exklusiv auf mein Erscheinen! Trotzdem gehts dann noch nicht los, weil der Pilot noch keine Starterlaubnis hat. Schließlich endlich in der Luft, vergehen die fast 4 Stunden ‚wie im Flug‘ (haha) und die spannende und nicht ungefährliche Landung steht uns bevor. Die Häuser und Gärten von Funchal rücken links immer näher, so dass wir den Bewohnern fast die Hände schütteln können.  Rechterhand ist die Landebahn zu sehen.

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Das Flugzeug legt sich nach rechts abkippend in die Kurve wie ein Motorrad auf dem Lausitzring und setzt kurz darauf scharf abbremsend hart auf. Yeah, geschafft!

Nun warten wir auf unser Gepäck, schon ahnend, dass wir unsere Koffer nicht finden werden auf dem Band. Denn wenn es in Köln für uns schon zu Fuß knapp war mit dem Fahrzeugwechsel, konnte das Gepäck ja gar nicht so schnell umgeladen werden. Und so ist es auch. Also müssen wir an einen Schalter und die Nachlieferung regeln. Es wird uns, wenn es irgendwann Madeira erreicht hat, in die Ferienwohnung gebracht. Vermutlich erst morgen Abend oder übermorgen. Das heißt: shoppen gehen! Auf Kosten von Eurowings, denn schließlich braucht der Mensch frische Schlüpfer, Zahnbürste, Creme, Duschbad, Hosen, Shirts, Blusen, dazu passenden Schmuck, Haarbürste, Schminkzeug, Wanderschuhe, Socken und, und, und… Aber erst mal den Mietwagen abholen (Peugeot 208) und Leonel treffen, der vor unserer Ferienwohnung, die laut Maps 21 km entfernt liegt, auf uns wartet. Ein lustiger Typ, der uns alles zeigt, was es in der Wohnung und drumherum zu beachten gibt. Es ist unglaublich, wie viel Platz wir hier haben! Jeder ein eigenes Schlafzimmer, zwei Bäder und noch eine dritte Toilette. Ringsherum Balkon. Sehr schön.

Jetzt aber ab zum shoppen. Wir geben so viel Geld aus, dass mir leise Zweifel kommen, ob das Eurowings alles klaglos übernimmt. Schauen wir mal. Wolfram wird das schon durchboxen. Danach gehen wir essen in einem kleinen Lokal in der Nähe. Die Speisekarte ist ausschließlich in portugiesisch verfasst, aber die Google -Übersetzer- App hilft uns beim Lesen. Als der Wirt die Bestellung aufnimmt, wundert er sich sehr, dass Georg kein Fleisch und keinen Fisch essen will. Auch Wolfram versucht er vergeblich zu überreden, dass er besser Fisch als Steak bestellen soll. Dafür bekomme ich den Fisch, obwohl ich eine Vorspeisenplatte bestellt habe. Egal, wir haben Hunger und sind auch relativ glücklich mit dem, was uns dann überwiegend ungewürzt aufgetischt wird. Es steht ja ein Salzstreuer auf dem Tisch, der danach fast leer ist. Vor lauter Begeisterung schmeiße ich gleich mal mein Weinglas um, was mir aber nicht übel genommen wird. Aufwischen muss ich aber selbst.

Gut gesättigt steigen wir (ich) keuchend die steile Straße hoch in unser temporäres Zuhause und fallen auch schon bald in einen totenähnlichen Schlaf. Eigentlich will ich noch den Reiseführer studieren, aber irgendwie geht das nicht. Ich komme mit dem verstehenden Lesen nicht über einen Satz hinaus.

Sonntag, 22.04.2018

Georg ist schon seit halb sieben wach und sitzt an seiner Masterarbeit, als ich mich eine Stunde später aus dem Bett schäle. Körperpflege und Anziehen gehen schnell, da ja mangels Auswahl keine Grundsatzentscheidungen bezüglich Klamotten getroffen werden müssen. Wir beide frühstücken, während Wolfram noch selig träumt. Georg versucht, sich eine Avocadocreme zu mixen. Das scheitert aber am unvollkommenen Reifegrad der Früchte und äußert sich in einer avocadostückchenübersäten Küche. Sie kleben quasi überall im Umkreis von einem Meter des  Pürierstabes und haben eine große Putzaktion zur Folge. Eine meiner liebsten Urlaubsbeschäftigungen! Jetzt glänzt wieder alles, wir wecken Wolfram und überlegen uns einen Plan für heute. Der beinhaltet eine Erkundung der Altstadt Funchals zu Fuß inklusive Seilbahnfahrt.

Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat, kämpft sich nun die Sonne mühsam durch die dichte Wolkendecke, hat aber nur wenig Durchsetzungsvermögen. Auf jeden Fall müssen wir nicht frieren, es herrschen im Gegenteil recht angenehme Temperaturen für unser Vorhaben. Zunächst lassen wir uns von der Tatsache leiten, dass wir hinunter zum Meer müssen, um uns auf der Uferpromenade nach Osten fortzubewegen. Denn dort befinden sich der Stadtkern und auch die Talstation der Seilbahn. Meine Begeisterung für die üppige und exotische Vegetation bremst uns allerdings gefühlt alle 5 Meter aus, ständig haue ich meinen armen Jungs botanische Begriffe um die Ohren und mache Fotos. „Guckt mal, die Monsteras! Und so viel wilde Kapuzinerkresse! Oh, der Oleander ist ja ein richtiger Baum! Da – Mispeln! Genau solche habe ich gestern gekauft! Und dort die Riesenmagnolie, seht ihr die Blüten? Die duften soooo gut! Schaut mal, unten an den Bananen hängt eine Blüte! Dort sind Strelitzien. Die gibts bei uns einzeln im Blumenladen zu kaufen.“

So geht das die ganze Zeit. Komischerweise finden die beiden das alles nicht halb so interessant wie ich. Wir landen an einem Autotunnel, der die direkte Verbindung zum Hafen bildet, beschließen aber, lieber einen Umweg in Kauf zu nehmen, als uns da hineinzubegeben. Je näher wir dem Wasser kommen, um so höher wird die Touri-Dichte, überwiegend aus graubeigen Rentnern bestehend. Wolfram befällt angesichts des Altersdurchschnitts eine leichte Depression, als er sich plötzlich von typischem Busreise- und Kreuzfahrt-Klientel umzingelt sieht, während ich es genieße, mich plötzlich jung zu fühlen. Georg zeigt sich dem Ganzen von seiner nachsichtigen Seite. Wir passieren das Ronaldo-Museum, das von selbigem in Bronze mit von vielen Händen blankpoliertem Schritt bewacht wird. Ich lasse mich von ihm mal kurz an die Hand nehmen,

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dann gehts weiter, durch Menschenmengen hindurch, vorbei an einer Tribüne ähnlich der Avus, auf der gerade die Sitze trockengewischt werden. Später sehen wir, warum. Heute ist das Blumenfest, zu dem üppig geschmückte Wagen in einem Korso durch die Stadt fahren. Einen Eindruck bekommt man in diesem Video vom letzten Jahr.

Gegen 14 Uhr sind wir an der Talstation der Seilbahn und leisten uns für 11 € pro Person ein Oneway-Ticket für eine 15- minütige Fahrt nach oben. Übrigens wurde auch diese Seibahn von einer österreichischen Firma erbaut und ähnelt der in Marzahn verblüffend. Hoch über den Dächern der Stadt schwebend, erhalten wir eine gute Übersicht über die Stadt mit den roten Dächern  und entdecken auch unser Wohnviertel.

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Einen Besuch des oben gelegenen Botanischen Gartens lehnt Wolfram kategorisch ab. Verstehe ich, denn er hat ja von mir schon ganz viel Pflanzenkunde verpasst bekommen. Unser alternatives Vorhaben, von dort aus auf der „Viel-Erfolg-Levada“ nach Funchal zurückzulaufen, wird von einem Zaun vereitelt. Egal, denken wir, dann schauen wir uns eben Monte an und die berühmten Korbschlitten. Aber auch das gelingt uns nicht, weil keine fahren. Vielleicht beginnt die Saison dafür später. Doch so leicht lassen wir uns nicht entmutigen. Wir finden einen herrlichen Weg durch den Stadtpark, der auch als Botanischer Garten durchgehen könnte.

Von nun an gehts 550 Höhenmeter bergab, immer geradeaus nach unten. Unterwegs fängt uns ein Bewohner einer Pflegeeinrichtung ab, begrüßt uns per Handschlag und führt uns wortreich zu einem besseren Weg runter nach Funchal.

Er weiß bestens Bescheid über Deutschland, Berlin und Kanzlerin Merkel und wundert sich, dass es in Berlin wärmer ist als hier. Natürlich will er am Ende ein bisschen Geld, um sich Kaffee leisten zu können, wie er sagt. Egal, diese Begegnung war den Einsatz von 50 Cent wert!

Irgendwann haben wir den Abstieg geschafft und genießen es, endlich wieder ebenerdig laufen zu können. Fast eine Stunde nur bergab, das geht ganz schön zu Lasten von Knie und Oberschenkeln.

Wir sind uns einig, dass wir nochmal einkaufen müssen, da unsere Koffer erst morgen früh geliefert werden und steuern das Einkaufszentrum von gestern an, das auch sonntags geöffnet hat.

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Wolfram braucht noch ein Shirt, ich eine Hose, eine Haarbürste und Schaumfestiger. Georg besorgt die Zutaten für das heutige Abendessen. Nun müssen wir nur noch 40 Minuten bergauf zu unserer Ferienwohnung laufen. Wolfram als treibende Kraft voran, Georg als Mittler zwischen schnell und lahm und ich als keuchendes Schlusslicht, vorbei an einem Spalier von Kötern, die mit ihren Vorderläufen kläffend und sabbernd über den Zäunen hängen.

Mit hochrotem Kopf erreiche schließlich auch ich den Hauseingang, vor dem die beiden gelangweilt auf mich warten.

Während ich telefoniere und die Fotos von heute sortiere, bereitet Georg in  Chefkochmanier Tortellini mit Gemüse zu und röstet ein Geschirrtuch auf der heißen Herdplatte. Innerhalb von 10 Minuten ähnelt die gesamte Arbeitsfläche einem Schlachtfeld.

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Aber es schmeckt hervorragend! Danach versuchen wir angestrengt, die Spülmaschine zu überreden, ihren Bestimmungszweck zu erfüllen. Doch sie schaltet immer wieder ab, bis wir den genialen Einfall haben, die Wasserzufuhr mittels eines Hahnes zu aktivieren. Die restlichen Aufräumarbeiten übernehme ich. Zur Belohnung darf ich auch Tatort gucken.

Bevor jeder in seinem Kämmerchen verschwindet, planen wir den morgigen Tag. Wir fahren nach Rabaçal und machen dort eine Levada-Rundwanderung zu den 25 Quellen.

Montag, 23.04.2018

Dachten wir. Aber es ist ja bekannt, dass Pläne oft durchkreuzt werden. Doch zunächst gibt es für mich am Vormittag eine positive Überraschung: Mein Koffer wird geliefert! Meine Jungs müssen allerdings weiterhin ohne ihre Wechselwäsche klarkommen bzw. jeden Tag eine neue Unterhose und ein Shirt kaufen. Das nervt schon, wenn man so ohne alles zurechtkommen muss. Die Nachrichten vom Flughafen lassen auch nichts Gutes ahnen. Das Gepäck wird gesucht, heißt es. Tja, nun müssen die beiden detailliert aufführen, was sich in welchem Wert in ihren Taschen befindet. Gott sei Dank gibt es eine Waschmaschine hier. So können sie die wenigen Sachen waschen, was allerdings auch nicht direkt weiterhilft, da sie auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit am Morgen noch genauso nass sind wie am Abend zuvor. Georg bügelt deswegen heute morgen sein Shirt trocken, um es gleich wieder anziehen zu können.

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Nach dem Frühstück kann ich endlich mal abwaschen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Spülmaschine kaputt ist und das Geschirr nicht so richtig sauber geworden ist. Yeah! Ich hatte schon Entzugserscheinungen und kann nun endlich meine Hände wieder in heißes Spülwasser tauchen.

Dann brechen wir auf, mit dem Auto zum 36 km entfernten Rabacal, um die gestern geplante Levada-Wanderung zu machen. Es geht ganz easy los, Autobahn mit vielen Tunneln, bis wir abbiegen müssen und das letzte Stück auf der Landstraße zurückzulegen ist. Und die hat es in sich. Es geht nur noch bergauf, teilweise 36% Steigung, so dass ein Vorwärtskommen nur noch im 1. Gang möglich ist. Je höher wir kommen, um so mieser wird das Wetter. Wir sehen nur noch Nebel und etwas Grün rechts und links. Hin und wieder taucht aus dem Nichts eine Kuh vor uns auf. Im Reiseführer steht, dass dies die Route mit den schönsten Ausblicken ist. Ah ja.

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Als wir den Wanderparkplatz auf ca. 1300 Höhenmetern erreichen, springt mein Maps-Navi plötzlich selbstständig auf ein anderes Ziel um und schickt uns weiter. Offenbar findet es ebenso wie wir unzumutbar, hier auszusteigen. Aber auch auf den nächsten Kilometern gibt es keinen Grund, das Auto zu verlassen.

Wir beschließen, In Richtung Nordküste nach Porto Moniz zu fahren. Immerhin gehts wieder bergab, das heißt, es wird wenigstens wärmer. Aber auch landschaftlich wird dem Auge was geboten. Der Reiseführer empfiehlt einen Besuch des Meeresaquariums im Ort, was Wolfram und ich dann auch besuchen. Georg geht so lange spazieren, kommt aber nicht weit, weil wir nach 10 Minuten alles gesehen haben. Etwas enttäuschend für 7€ Eintritt. Drei Souvenirläden gibts auch, wovon wir zwei besuchen. Ich kaufe ein Geschirrtuch, um das Geröstete von gestern zu ersetzen und liebäugele mit kleinen Geldbörsen aus Leder und Kork, aber meine Kinder meinen, das wäre eine unnütze Investition. Vermutlich haben sie recht. Aber von Postkarten mit Briefmarken können sie mich nicht abhalten!

Weiter gehts an der Nordküste nach São Vicente, das mit EU-Mitteln zum Vorzeigedorf aufgehübscht wurde. Wir stellen uns einen Bilderbuchort vor mit adretten kleinen Häuschen in bunten Farben und suchen irritiert danach, bis wir merken, dass wir uns direkt im Ort befinden und es schöner nicht wird.

Die großen, majestätischen  Felsen ringsherum sind allerdings sehr beeindruckend und wild. Das Meer schleudert die tosende Gischt in hohen, sich brechenden Wellen  dagegen und macht einen mordmäßigen Lärm. Wir suchen uns ein Restaurant und stillen unseren Hunger mit Omelett und Dorade und besichtigen anschließend eine Vulkangrotte.

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Dabei werden Wolframs Füße und Schuhe so nass, dass er einen Grund hat, den Gang durch den dazugehörigen Garten bedauernd abzulehnen.

Wie gerne hätte er sich doch Palmen und andere Bäume angeschaut, aber er will natürlich eine Erkältung vermeiden und setzt sich ins Auto, um dort den Trocknungsprozess einzuleiten. Zu Hause führt er diesen im Herd fort. Quasi gebackene Schuhsohlen aus dem Ofen. Klingt doch lecker, oder?

Morgen wird alles besser. Da sind wir zuversichtlich. Unsere Prognosen: Koffer werden geliefert, die Sonne wird scheinen, die Wanderung durchs Nonnental wird ein Vergnügen, Fürst Renato wird uns in sein 200 m2 großes Fürstentum einlassen und der gläserne Aufzug zum Meer wird spektakuläre Ausblicke bieten.

Dienstag, 24.04.2018

Um 8 Uhr klingelt mein Wecker. Draußen scheint wie geplant die Sonne. Nachdem ich heute Nacht irgendwann bei voller Beleuchtung,  im Bett sitzend und ein Buch krampfhaft umklammernd wach geworden bin, habe ich zwar noch nicht so richtig ausgeschlafen, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier! Es gilt ein Programm abzuarbeiten! Diszipliniert stehe ich auf, bin aber wieder nicht die Erste. Georg muss irgendwann unbemerkt eine Metamorphose zum Frühaufsteher durchlaufen haben. Er sitzt wie die anderen Tage zuvor auch fix und fertig abmarschbereit an seiner Masterarbeit und hat auch schon gefrühstückt. Ich betreibe in einem der Bäder wider besseren Wissens den vergeblichen Versuch, mich so jung aussehen zu lassen, wie ich bin. Das Ergebnis ist, dass ich weiterhin so alt aussehe, wie ich mich fühle. Aber was soll’s, ich bin hier nicht zum Schönheitswettbewerb. Danach widme ich mich den angenehmen Dingen des Lebens – ich wasche erst mal ab, dann richte ich das Frühstück für Wolfram und mich und wecke meinen Erstgeborenen. Während wir frühstücken, geht Georg einkaufen. Die Butter neigt sich dem Ende entgegen und das Brot ist auch fast alle. Da er heute wieder kochen will, überlegt er, was er dafür noch für Zutaten braucht. Es soll Risotto mit Erbsen-Möhrengemüse geben. Wolfram geht duschen, ich wasche zum zweiten Mal ab, Yeah! Dann warten wir, und warten, und warten… Wolfram steht auf dem Balkon und sieht plötzlich unten Georg am Haus vorbeischlendern, jetzt erst in Richtung Supermarkt. Hm. Wo war er vorher? Großes Rätselraten. Kurze Zeit später trudelt er mit seinen Einkäufen ein und erzählt uns, dass er zuerst einen anderen Laden gesucht hat, den er im Internet gefunden hatte und dafür einen der Berge hier in der Nähe fast bis hoch geklettert war, es aber an der angegebenen Adresse keinen Supermarkt gab. Also ist er wieder zurückgegangen, an unserem Haus vorbei und in den Laden hier um die Ecke. Nun ja, so hat er seinen Frühsport schon hinter sich.

Wir starten nun in den Tag zu unserem ersten Ziel – dem gläsernen Felsen-Fahrstuhl runter zum Strand von Faja dos Padres und sind auch kurz darauf schon dort. Allerdings ist da eine Seilbahn und kein Aufzug. Große Ratlosigkeit. Haben wir das falsche Ziel angepeilt? Maps erklärt uns auf unsere Anfrage, dass wir da sind, wo wir hinwollen. Wir fragen den Mann im Kassenhäuschen und erfahren, dass der Aufzug nicht mehr im Betrieb ist, seit es die Seilbahn gibt. Ok, dann werden wir also dieses Transportmittel nutzen, um in das kleine Paradies unterhalb des steilen Felsens zu gelangen. Mit 10 € pro Person sind wir dabei. Es geht fast senkrecht runter zur kleinen Talstation, die wir in wenigen Minuten erreicht haben. Unten befindet sich eine Miniferienanlage, ein Restaurant und eine Obstplantage, auf der überwiegend Bananenbäume stehen, aber auch Tomaten, Papaya, Feigen sowie allerlei unbekannte Pflanzen wachsen. Wir schauen uns alles an und signalisieren dann mitttels einer Klingel, dass wir wieder hoch wollen. Die Seilbahn ist die einzige Möglichkeit, vom Tal noch oben zu gelangen.

 

Nach dieser interessanten Exkursion gehts weiter Richtung Curral das Freiras, um uns dann in nicht endenwollenden Serpentinen zum Pico do Areiro in 1818 m Höhe hochzuschrauben, dem dritthöchsten Gipfel Madeiras. Vor uns zuckelt ein Auto in meinem Fahrtempo um die Kurven und strapaziert Wolframs Geduld zunehmend. Ich aktiviere alle in mir schlummernden telepathischen Kräfte und sende hypnotisierende Signale an den offensichtlich ängstlichen Fahrer: „In der nächsten Haltebucht parken! Lass uns ohne Überholmanöver an dir vorbei!“ Und was soll ich euch sagen – es funktioniert! Aber nur das eine Mal. Später hilft nur tief einatmen und die Luft anhalten, bis die Gefahr vorüber ist.

Wir haben im Gegensatz zu gestern so ein Glück mit dem Wetter, dass wir nach einem kleinen Snack im obigen Restaurant (neben der NATO-Radarstation) über den Wolken im strahlenden Sonnenschein herumklettern können. Ein perfekt hergerichteter, aber schmaler Pflasterweg, gesichert durch eine Art Geländer, verlockt zum Weiterwandern Richtung Bussardnest (ein Aussichtsplateau) und dem Pico Ruivo, 1862 m hoch.

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Es geht hoch und runter, oft über Stufen und manchmal auch ohne sichtbaren Abhang rechts und links, so dass man das Gefühl hat, über eine Brücke zu laufen. Es weht eine steife Brise, der man standhalten muss, um nicht vom Felsen geweht zu werden. Atemberaubende Aussichten belohnen uns. Dazu die fluffigen Wolken, die wie Rauch um die Felsformationen wabern. Wunderschön!

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Es sind viele Menschen unterwegs und ich bin froh, dass ich nicht die einzige keuchende Person bin. Manche Stufen sind so hoch, dass die nächste zu Erklimmende sich gefühlt in Augenhöhe befindet. Schritt für Schritt wälze ich mich nach oben, wo Georg in entspannter Pose wartet, bis ich auf seiner Höhe bin, um dann mit federndem Schritt den nächsten Abschnitt vorauszuschlendern. Wolfram hat schon vor uns den Rückweg angetreten und wartet liegend auf uns im Auto. Ich hechle Georg hinterher und plumpse japsend, aber glücklich auf den Beifahrersitz. Nun rollen wir die 1800 Meter wieder bergab runter nach Funchal und passieren ganz unterschiedliche Vegetationszonen. Es gibt enorm viel Ähnlichkeiten mit den Alpen, aber auch stellenweise mit unseren Mittelgebirgen. Und überall Wege, die ich noch nicht gewandert bin! Wo die wohl hinführen, würde ich so gerne auskundschaften…

Über Monte erreichen wir schließlich Funchal. Nach einer Verschnauf- Kaffee- und Teepause mache ich mich mit Georg nochmal auf den Weg. Er möchte eine Hose, die er vorgestern gekauft hat, umtauschen, weil schon ein Knopf abgefallen ist. Mit Navi steuern wir das 2,4 km entfernte Shoppingcenter an. Da es fast nur bergab geht, sind wir nach 25 Minuten dort und kaufen noch mehr Zutaten für das heutige Essen. Wolfram hat die Aufgabe, inzwischen die Möhren in feine Streifen zu schneiden, womit er aber überfordert ist und sich der Aufgabe verweigert. Wir treten den Rückweg an, ohne Navi, denn nun wissen wir, wo’s langgeht. Leider jetzt konsequent bergauf und zum Schluss nochmal so richtig heftig. Auf dem letzten Stück zu unserer Wohnung ist die Straße so steil, dass der Körper sich zum Ausbalancieren automatisch in waagerechte Position begibt.

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Oben angekommen, nimmt Georg gleich seinen Platz als Chefkoch ein und zaubert ein köstliches Essen. Für mich bedeutet das aber auch – je aufwändiger die Zubereitung, um so mehr Spaß werde ich bei den Aufräumungsarbeiten in der Küche haben. Doch nicht nur für mich endet der Abend so glücklich. Die Koffer der Jungs werden gebracht! Große Wiedersehensfreude macht sich breit, beide können nun endlich aus dem Vollen schöpfen. Unsere Prognosen sind also fast alle Wirklichkeit geworden und Renato können wir auch morgen noch besuchen.

Mittwoch, 25.04.2018

So langsam spielen wir uns aufeinander ein mit unserem morgendlichen Routineprogramm. Einer nach dem anderen taucht auf zum Start in den Tag, den wir heute wandernd auf dem östlichsten Zipfel von Madeira verbringen wollen – der Halbinsel Ponta De São Lourenço. Im Reiseführer lesen wir, dass es dort fast nie regnet und Vegetation so gut wie nicht vorhanden ist außer ein paar Moosen im Frühjahr. Wie schon mehrmals festgestellt, kann man in Madeira auch Angaben in aktuellen Auflagen nur bedingt trauen. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, fängt es an zu regnen und es stürmt so sehr, dass wir erst mal im Auto sitzenbleiben. Keiner von uns ist so motiviert wie der Rest der Menschheit, der sich offenbar komplett hier versammelt hat, um uns auf der 3,5 km langen Strecke zur Spitze der Halbinsel zu begleiten. Eine Völkerwanderung ist im Gange. Wie die Ameisen reihen sich die Massen kilometerweit sichtbar in bunter Funktionskleidung hintereinander ein, um auf den mitunter schmalen Pfaden vorwärtszuziehen. Da wir nun aber einmal da sind und der Regen auch schnell vorbei ist, werden wir Teil dieser im Sturm hin und her schwankenden Menschenmenge. Viele scheint ein französischer Bus  ausgespuckt zu haben, aber auch grelle Frauenstimmen in schwäbischem Dialekt sind zu hören. Nebenbei bemerkt, wäre es mir nicht möglich, mit der Inhaberin einer solchen Stimme auch nur einen Tag zu verbringen. Mit reichen schon die paar Sätze, die ich im Vorbeigehen aufschnappe.

Stellenweise ist es so stürmisch, dass ich tatsächlich Probleme habe, einen Fuß vor den anderen zu setzen und froh bin, zwei Jacken übereinander zu tragen. Dann kommen aber auch wieder windstille Abschnitte, wo man sofort ins Schwitzen gerät. Die Landschaft erinnert stark an Malta und ist mit den schroffen Felsen und der Meeresbrandung sehr beeindruckend. Bäume gibt es tatsächlich keine, aber bunte Blümchen und Gräser schon, die einen hervorragenden Bildvordergrund hergeben. Die Wege und Treppen sind in sehr gutem Zustand, so dass wir in unseren Turnschuhen gut vorankommen würden, wenn uns nicht immer wieder Ungeübte, Tritt-Unsichere und Menschentrauben ausbremsen würden. Selbst mit meiner Atemnot bin ich schneller als die meisten, die hier unterwegs sind. Von meinen Jungs ganz zu schweigen, die ab und zu pausieren, damit ich den Anschluss finde. Auf halber Strecke haben sie keine Lust mehr und würden am liebsten zurückgehen. Ein bisschen verstehen kann ich das ja, aber einfach so abbrechen finde ich auch doof. Sie haben Glück, dass sie erwachsen sind und nicht mehr meiner Befehlsgewalt unterliegen, so gerne ich diese auch ausüben würde! Aber ich kann ja wenigstens auf stur schalten und bestehe darauf, wenigstens bis zu der vielgepriesenen Engstelle weiterzulaufen. Die wird es ja wohl geben, wenn auch sonst fast nichts stimmt, was ich über diese Gegend gelesen habe. Wolfram versucht mich mit kartografischen Argumenten von meinem Vorhaben abzubringen. Bis dorthin wäre es mindestens nochmal soweit, wie wir bisher gelaufen sind. Aber da kennt er mich schlecht – das schreckt mich nicht ab! Er gibt sich wirklich große Mühe, aber ich schalte um in den Durchzugs- und Schwerhörigkeitsmodus. Bei dem Wind hier ganz easy! Er gibt schließlich nach unter der Bedingung, dass wir dann aber einen Zahn zulegen, Georg verkündet, dass er nicht mitkommt und hier auf uns wartet. Na dann – weiter gehts! Drei Wegkehren und unzählige Fotomotive später sind wir an der Stelle, wo rechts und links senkrecht unter uns die Wellen tosen mit völlig anderem Blick auf die steilen Felsen und der Weg durch ein Geländer gesichert ist.

Dann kehren wir um. Wolfram vorneweg und bald außer Sichtweite, Georg als kleines Pünktchen weit vor mir und ich mit in meinen Schuhen nach vorn wandernden Socken, die mittlerweile komplett die Zehen erreicht haben. Schließlich ziehe ich sie ganz aus. Es ist erst 12:30 Uhr, als wir uns am Auto treffen und wir sind alle dafür, den Tag zu nutzen, um dem Ort Santana im Nordosten Madeiras einen Besuch abzustatten. Dort sind auch die typischen strohgedeckten Madeira-Häuschen zu finden, in denen früher die Menschen auf engstem Raum leben mussten.

In einem Reiseführer steht, dass unter dem Dach Getreide gelagert wurde, im anderen, dass dort die Kinder untergebracht waren. Zugang nach oben gabs nur von außen. Heute dienen diese hübschen Häuschen als Touristenmagnete und bieten Souvenire aller Art an. Es tummeln sich so viele Leute dort, dass wir nur mal kurz vorbeischlendern. Die angebotenen Waren ähneln natürlich denen, die es überall zu kaufen gibt. Madeira-Wein, Rum, Püppchen, Schafwollpullover, Korkhüte und -taschen, Pflanzenknollen und Sämereien. So was würde ich am liebsten als Mitbringsel kaufen. Die Tütchen enthalten für uns originelles Saatgut und sind leicht zu transportieren. Aber mit Männern shoppen gehen ist schrecklich. Alles, was ich ins Visier nehme, wird als nutzlose Investition und Geldverschwendung kommentiert und entlarvt. Am schlimmsten daran ist ja, dass sie recht haben. Deswegen habe ich außer Postkarten und Briefmarken noch nichts dergleichen gekauft. Die wurden akzeptiert. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass ich gerne ein paar Kleinigkeiten für die Zuhausegebliebenen mitnehmen möchte. Zwei Tage bleiben mir noch.

In einem winzigen Restaurant essen und trinken wir eine Kleinigkeit, steigen wieder ins Auto und fahren zurück nach Funchal, um Fürst Renato und seinem 200 m2 kleinen, autonomen Fürstentum einen Besuch abzustatten. Er ist mit diesem Fleckchen Erde tatsächlich unabhängig von Portugal.  Es handelt sich um einen kleinen Felsen in der Bucht von Funchal und ist über ein paar Stufen mit rotem Teppich zu erreichen.

Leider bekommen wir keine Audienz. Die Tür ist zu und es sieht so aus, als wäre hier schon lange niemand mehr gewesen, obwohl auch in diesem Fall unsere Reiseführer einen Besuch des kleinsten Staates empfehlen unter Angabe der Öffnungszeiten. Während wir ratlos davorstehen, flanieren an uns etliche junge, schöngestylte Menschen vorbei, braungebrannt in teuren Klamotten. Sie sind offensichtlich auf dem Weg zurück zu ihrem Kreuzfahrtschiff, das gerade im Hafen parkt. Von unserem Balkon aus können wir immer beobachten, wie diese riesigen, schwimmenden Paläste täglich hier anlegen und weiterfahren. So eine Reise wäre ein Albtraum für mich!

Naja, also zurück zu Renato. Wo er wohl sein mag? Seine Katzen jedenfalls sind noch da. Nach diesem missglückten Versuch schlägt Georg vor, zum großen Wochenmarkt zu fahren. Das hat er die ganze Zeit schon vor, sich dort mal umzuschauen. Ist ja auch viel interessanter, aufschlussreicher und vermutlich preiswerter, einen Markt für Einheimische zu besuchen als die, auf denen sich Touristen tummeln. Wolfram findet das nicht so spannend, setzt uns deswegen vor dem Gebäude ab und fährt zurück zu unserer Wohnung. Georg und ich suchen den Eingang und wundern uns, dass alles verschlossen ist. Auch die umliegenden Geschäfte und etliche Restaurants, obwohl deren Öffnungszeiten – Schilder was anderes aussagen. Siesta? So lange? Kann ja eigentlich nicht sein. Langsam dämmert es bei uns… Vielleicht ist heute ein Feiertag? Bingo! Heute ist der Freiheitstag in Portugal, der Tag der Nelkenrevolution.  Nun gut, da können wir nichts machen! Wir spazieren durch die Gassen rings um die Talstation der Seilbahn, alles ganz hübsch gemacht, aber ein Restaurant am anderen, sozusagen die Fressmeile für Touristen. Wir arbeiten uns vorwärts in Richtung Wohnung, machen aber noch einen Abstecher ins La Vie, das von uns fast täglich aufgesuchte Einkaufszentrum. Irgendwas brauchen wir immer. Schnaufend auf dem Berg und zurück in der Ferienwohnung, berichtet uns Wolfram von ähnlicher Verwunderung wegen geschlossener Läden. Aber auch er hat Brot gekauft.   Egal. Das wird schon alle.

Kleine Verschnaufpause, bevor wir uns wieder zweiteilen. Wolfram geht zum Public Viewing Fußball FC Bayern gegen Real Madrid, Georg schleift mich weiter den Berg hoch zur 2 km entfernten Aussichtsplattform Pico dos Barcelos, die wir sogar vom Balkon aus sehen können. Wie ein Roboter stampfe ich nach oben, nicht nachdenken, einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen. Einatmen, ausatmen, Trabtrab. Und es kommt der Moment, wo wir oben sind! Ich bin stolz auf mich und werde belohnt durch die goldene Abendstimmung, die sich über die Stadt legt und einen gepflegten Park mit Pflanzen, die ich noch nicht fotografiert habe.

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Mit einem Fernglas könnte man nachschauen, ob wir alle die Betten gemacht haben. Auch den Verlauf der Autobahnkreuzungen kann man gut erkennen und ich schweife gedanklich ab zu morgen. Da bin ich nämlich mal an der Reihe mit Autofahren. Wolfram legt einen Faulenzertag ein und ich werde mit Georg zu einer Levadawanderung aufbrechen. Vorher muss ich mir aber noch Aufgaben für meinen Großen ausdenken, damit er den Tag sinnvoll nutzt.

Donnerstag, 26.04.2018

Als Georg und ich die Wohnung um 10 Uhr verlassen, schläft Wolfram noch. Er hat die Order bekommen, uns für morgen, unseren letzten vollen Tag hier ein Ausflugsziel rauszusuchen. Und er soll Wasser kaufen. Das müsste machbar sein, ohne ihn zu überfordern. Ich hingegen bin jetzt sehr gefordert. Jetzt sitze ich am Steuer des kleinen Peugeot! Unser Ziel ist die Levada do Rei in der Nähe von São Jorge bei Santana, knapp eine Fahrstunde entfernt. Die Levada liegt im Nordosten von Madeira, Funchal im Südosten. Zunächst auf der für unsere Verhältnisse kurvenreichen Straße mit so einigen Steigungen, schnurrt das Auto artig vor sich hin. Es ist relativ wenig Verkehr und kein Problem, denen auf den knappen Auffahrten ankommenden Fahrzeugen das Einfädeln zu ermöglichen. Manchmal geht es aber auch nicht und die Autos müssen warten. Mehr als 90 km/h sind nicht erlaubt, was ich manchmal vergesse. Ein Blick auf den Tacho ruft mich jedesmal zur Räson. Georg ist ein guter Beifahrer und unterstützt die Ansagen der freundlichen Dame von Google Maps. In Tunneln allerdings beklagt sie sich immer vorwurfsvoll: „Kein GPS-Signal!“ Tunnel gibt es hier wie Steine am Meer. Die vielen Täler, die sich vom Landesinneren zum Wasser hinziehen, sind mit Tunneln verbunden und ermöglichen ein schnelles Vorwärtskommen von A nach B. Vorbei an der Landebahn des Flughafens, die auf unzähligen Betonsäulen dem Ufer vorgesetzt ist, nimmt die Straße nun Kurs auf Santana mit etlichen Kreisverkehren, die gut zu meistern  sind. Das letzte Stück gehts auf der Landstraße und Serpentinenkurven hoch, höher und noch höher. Jetzt immer Gas geben, sonst bleibt das Auto stehen. So erreichen wir den Wanderparkplatz mit kleinem Café und machen uns auf den Weg zur Levada.

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Insgesamt fast 11 km hin und zurück. Schnell haben wir den Wasserlauf erreicht, der in ein Steinbett gefasst ist und nun unser ständiger Begleiter und Orientierungspunkt sein wird. Solange der Bach neben uns fließt, sind wir richtig. Allerdings gibt es unterwegs auch nur selten Möglichkeiten, sich zu verlaufen. Das Höhenprofil ist ausnahmsweise mal sehr ausgeglichen, es geht ganz leicht und kaum spürbar aufwärts.

In Funchal scheint die Sonne, während es hier bewölkt ist. Diese Wetterunterschiede sind übrigens sehr landestypisch. Da man nur wenige Kilometer zurücklegen muss, um von 0 auf über 1000 Höhenmeter zu kommen, ist unten oft strahlender Sonneschein, während die Berge in schwere Wolken gehüllt sind und Regen sehr wahrscheinlich ist. Nicht umsonst ist das hier die Blumeninsel und Madeira berühmt für die üppige Vegetation. Von nichts kommt nichts.  Wir brauchen jetzt auch nicht unbedingt Sonnenschein, wir laufen sowieso im Schatten der Lorbeer- und Eukalyptusbäume, die ganz besonders ätherisch duften. Nicht wie das Öl, das wir kennen. Diese Duftnote entsteht erst, wenn man die Blätter zerreibt. Die Bäume verströmen einen holzigen, sehr markanten Duft, der schwer zu beschreiben ist und an ein herbes Parfüm erinnert. Jedenfalls für mitteleuropäische Waldgänger ein völlig neues Erlebnis. Frische, würzige Waldluft, aber anders als gewohnt. Natürlich auch die Vegetation, wenn man darauf achtet. Auf den ersten Blick ist es einfach nur Wald. Die Wege sind sehr feucht und wir haben eigentlich nicht die richtigen Schuhe an. Jetzt wäre es gut, wenn ich meine Wanderschuhe mitgenommen hätte. Aber das war mir zuviel Schlepperei. Egal, es geht auch so, aber in Nullkommanichts haben wir eine dicke Lehmschicht aus der typischen roten Erde an den Füßen kleben. Es ist wunderschön hier und ich könnte den ganzen Tag so laufen. Ab und zu überholen wir geführte Wandergruppen oder kommen uns Leute entgegen. Dann muss man sich arrangieren, wie man unbeschadet aneinander vorbeikommt, denn der Weg ist meistens ziemlich schmal und auch nicht ungefährlich, denn es geht stellenweise steil bergab ins sehr tiefe Tal. Aber diese Punkte sind mit Zäunen aus Stahlseilen gesichert. Wenn man seinen Blick in die Ferne schweifen lässt, könnte man denken, dass man im Bodetal im Harz wandert. Kaum habe ich den Gedanken gehabt, dass man hier auch mal ganz schnell mit den Füßen im Wasser landen kann, höre ich hinter mir ein Geräusch, als wenn man einen großen Stein ins Wasser plumpsen lässt. Georg ist von der Einfassung des Baches abgerutscht und ein Fuß ist nass. Hm, nicht zu ändern, wir können nur unser Tempo erhöhen, damit er warm bleibt.

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In der Ferne hören wir das Rauschen eines Wasserfalls, das immer näher kommt. Schließlich stehen wir davor und müssen uns überlegen, wie wir so trocken wie möglich darunter hindurch kommen, denn er trommelt direkt auf den Weg. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel, dass ich heute morgen vergessen habe, meine Regenjacke auszupacken und biete Georg an, sie wie eine Plane über uns zu halten. Er weigert sich aber und möchte ohne Regenschutz hindurch rennen. Ok, dann kann ich meine Jacke auch richtig anziehen und nur meine Beine und Füße bekommen was ab.

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Nun dauert es nicht mehr lange, bis wir das Ende des Weges erreicht haben. Wir stehen nun am Flussbett, von dem die Levada abgeleitet wird, quasi an deren Anfang. Die Wassermassen stürzen hier vom Berg in eine Art Sammelbecken und rauschen weiter runter ins Tal.

Es ist so laut, dass wir uns anschreien müssen, aber trotzdem beeindruckend schön. Manche der Wanderer machen hier Rast, wir begeben uns nach einer kurzen Verschnaufpause auf den Rückweg, wo Georg auch den anderen Fuß noch baden wird.

Zurück am Auto, gehen wir noch in das kleine Café und verspeisen ganz leckeren Kuchen, bevor wir die Rückfahrt antreten.

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Klappt alles ganz gut, es gibt sogar noch langsamere Schleicher als mich und ich schaffe es ohne große Aufregung bis nach Hause, sogar das Auto ordentlich auf unserem Stellplatz im der Garage einzuparken. Es ist 16 Uhr. Wolfram lässt uns in die Wohnung und berichtet auf Nachfrage, dass er heute gar nichts gemacht hat, kommt dann aber später doch noch mit einem Vorschlag für morgen um die Ecke: Wir haben den Südwesten Madeiras noch nicht gesehen und werden das also morgen nachholen. Ribeira Brava, Ponta do Sol und Madalena do Mar. Das können wir an einem Tag abarbeiten.

Nun ist aber erst mal Siesta. Georg schlägt vor, einen zweiten Versuch zu wagen, die Markthallen zu besuchen. Habe ich nichts dagegen, schließlich will ich ja auch noch ein paar Souvenirs kaufen. Heute wird ja nicht schon wieder ein Feiertag sein! Zu Fuß hinunter und zurück wären es mehr als 8 km, aber Wolfram will bestimmt auch nochmal an die frische Luft und uns fahren, versuche ich ihm zu suggerieren. Erfolglos. Er hatte sich nämlich kurz zuvor eine Pizza geholt und meint, das wäre frische Luft genug gewesen. Ich könnte ja selbst fahren. Och nö, denke ich. Jetzt habe ich so schön eingeparkt und möchte eigentlich nicht durch die Innenstadt kurven durch steile Gassen und einen Parkplatz suchen. Wolfram könnte das viel besser und  vor allem entspannter! Aber er bleibt stur, er hat heute Ruhetag. Georg steht abmarschbereit an der Wohnungstür. Ich hole tief Luft und sage zu mir: Das schaffst du auch, Renate. Ok. Auf gehts. Runter in die Stadt, die Richtung ist klar – zum Meer, dort kann man irgendwo parken und den Rest laufen. Schließlich landen wir in einem Parkhaus, das gefühlt genauso weit weg ist von der Markthalle wie unsere Wohnung, aber egal. Dort angekommen, empfängt uns eine Fülle von Sinneseindrücken. Es duftet wie auf einem orientalischen Basar nach Gewürzen und Lebensmitteln. Farbenprächtig präsentieren sich uns Obststände, Blumenläden und Bekleidung. Ein Laden verkauft Rum und Wein, sogar die Decke ist mit Flaschen gepflastert.

Wir saugen alles in uns auf, ich mache Fotos und kaufe ein paar Kleinigkeiten ein, Georg holt sich Macadamianüsse. Lecker! Wir probieren eine merkwürdige Frucht – Ananasbanane oder Bananenananas und nehmen eine mit. Auch eine Mango. Letztere schmeckt köstlich, aber die Bananenananas war im Laden wesentlich schmackhafter. Vermutlich ist unsere Errungenschaft noch nicht reif.

Nun kommt der spannende Teil unseres Ausfluges. Wir müssen zurück mit dem Auto! Ich weigere mich, durch enge Gassen zu fahren, in denen auch Fußgänger zu verschonen sind. Also gibt Georg bei Google Maps ein, dass wir nur auf Hauptstraßen zurückgeführt werden. Klappt ja auch ganz gut, natürlich auf Umwegen, aber das ist egal. Bis ich mich auf einer sehr steilen und vollen Straße mit Stop ans Go einfädeln muss… Oh je. Steigung fast 40 % ! Wenn man durchrauschen kann, mag das ja gehen, aber ich muss jetzt permanent ein paar Meter fahren, anhalten, fahren, anhalten. Mit schweißnassen Händen bringe ich auch das hinter mich und bin sehr stolz auf mich. Noch ein Stück Autobahn, dann sind wir wieder zu Hause. Puh, geschafft! Ich versuche noch, meinen Reisebericht zu schreiben, aber irgendwie geht das nicht. Ich sitzt eine Stunde an einem Satz, immer wieder plumpsen die Augendeckel runter. Ich ergebe mich und breche ab. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Freitag, 27.04.2018

Eigentlich wollte ich heute um 6 Uhr aufstehen und den Bericht von gestern schreiben, aber es ist einfach zu gemütlich im Bett. Wie immer wache ich um 8 Uhr auf. Georg ist noch im Bad, also schnappe ich mein Tablet und fange an zu schreiben. Während ich den gestrigen Tag rekapituliere, höre ich, dass Wolfram auch schon rumgeistert. Mist, ich hätte doch eher aufstehen sollen. Dann wäre ich jetzt fertig und würde nicht unseren Start in den Tag ausbremsen. Und es gäbe auch keine Beschwerden von einer meiner treuen Leserinnen, dass die Fortsetzung auf sich warten lässt. Um das Ganze nicht noch schlimmer zu machen, schreibe ich im Akkord, dann zeitsparend duschen. Dass ich dazu in der Lage bin, habe ich ja zu Beginn unserer Reise bewiesen. Freundlicherweise hat Wolfram sogar mit dem Frühstück auf mich gewartet und sogar Brot für mich getoastet. Leider darf ich nicht mehr abwaschen, sonst würden wir unseren letzten und vor allem sonnigen Tag hier verplempern. Also Abflug.

Die Fahrt geht zunächst nach Ribeira Brava, einem Ort an der überwiegend sonnigen Südküste. Die Entfernungen sind auf der Insel überschaubar, so dass wir ziemlich schnell vor Ort sind. Wir schauen uns ein bisschen um, schlendern durch die zwei bis drei nennenswerten Gassen mit den üblichen Souvenirläden. Davor stehen Kundenfänger, die sich routiniert um Kundschaft bemühen, was aber eher nach hinten losgeht. Gerne würde ich ungestört dort stöbern und bestimmt auch was kaufen, aber nicht, wenn man mir nicht von der Seite weicht. In Strandnähe stehen zwei hässliche 70er-Jahre-Hotels. Nach einer Viertelstunde haben wir das Gefühl, alles Wichtige gesehen zu haben und fahren weiter an der Südküste nach Ponta do Sol. Hier parken wir an der Uferpromenade, begutachten die dortigen Hotels im britischen Kolonialstil und entdecken ein Café auf einer Klippe, das über eine Felsentreppe zu erreichen ist. Ein Blickaustausch genügt – wir sind uns einig. Kaffeepause! Und Eis! Ich wähle den Sonnenplatz, die Jungs freuen sich über Schatten unter dem Schirm.

Von hier oben haben wir eine tolle Sicht über die Bucht, Felsen, Strand und das Städtchen. Es ist offenbar noch keine Saison, denn am Strand finden Verschönerungsarbeiten statt. Ein Bagger verteilt schwarze Erde (Sand?) und alles wirkt noch ein bisschen tot. Aber hier bietet sich die Gelegenheit, mal eine Hand in den Atlantik zu halten. Wenn man baden könnte, würde es temperaturmäßig keine Überwindung kosten. Ein Rundgang durch das historische Zentrum muss natürlich auch sein. Es besteht aus einer Gasse mit zwei Läden und zwei Kneipen, einer Kirche und einer Büchertelefonzelle. Natürlich muss ich mir diese mal genauer anschauen. Sie bedarf auf jeden Fall mal einer ordnenden Hand! Leider habe ich dafür jetzt keine Zeit, aber ich entdecke ein deutsches Buch, das 1997 zum letzten Mal in der Gemeindebibliothek Urnäsch (Schweiz) ausgeliehen wurde.

Dann stehen wir schon wieder vor unserem Auto und peilen Calheta an als nächsten Punkt auf unserer Südküstentour. Wir wählen die kurvige Bergstraße und kommen über die üblichen Steigungen in einen anderen Ort, der aber einen Aussichtspunkt zu bieten hat. Von dort oben hat man einen herrlichen Blick über das blaue Meer und die felsige Küste.

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Nun gehts wieder runter und nach Calheta. Dort gibt es den einzigen künstlichen Sandstrand auf Madeira und wir sehen auch Menschen im Wasser und auf Sonnenliegen. Außerdem hat der Ort ein Zuckermuseum zu bieten und ein berühmtes Kunstzentrum. An der Uferpromenade können wir gemauerte Schlote und ein historisches Destilliergerät bewundern. Viel interessanter finden wir aber eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem Hund und einer Katze, die offenbar unentschieden  endet. Das herrliche Wetter lässt diese ganzen Ortschaften idyllisch und romantisch erscheinen, aber im Grunde genommen langweilen wir uns schon nach 10 Minuten. Wie mag das sein, wenn man hier leben muss? Im Reiseführer finde ich einen Hinweis auf ein Ökohotel in 400 m Höhe, das einen schönen Park, vegetarisches Essen und einen wunderschönen Blick zu bieten hat. Außer für Wolfram also für jeden was dabei. Wir fahren hoch, finden das Hotel auch, aber es wird gerade saniert und ist geschlossen. Sind wir ja schon gewöhnt, dass man sich auf keine Angaben verlassen kann. Aber in einem kleinen Restaurant direkt neben unserem geparkten Auto werden wir sehr nett willkommen geheißen und finden auch hier schmackhafte Angebote auf der Speisekarte. Während wir mampfen, pilgern unzählige Wandergruppen an uns vorbei in Richtung Baustelle. Wo wollen die alle hin? Es kommt auch niemand wieder zurück! Wir studieren Wander- und Reiseführer und kombinieren, dass neben dem Hotel einer der als schwierig eingestuften Wanderwege beginnt. Er führt aus 400 m Höhe direkt hinunter ans Meer, dort entlang und den nächsten Berg wieder hinauf. Dauer: 5,5 Stunden. Das schaffen wir natürlich nicht mehr, aber vielleicht können wir wenigstens den ersten Abschnitt hinunter laufen und dann wieder hoch? Also los! Wieder vorbei an der Hotel-Baustelle und dazugehörigen Ferienhäusern, entdecken wir den unglaublich schönen Weg runter nach Paúl do Mar.

Ich komme vor lauter Fotomotiven überhaupt nicht vorwärts. Exotische Pflanzen, der grasbewachsene Pflasterweg, die Berge und das Meer – das volle Kontrastprogramm! Auch Georg findet Gefallen an diesem Abstieg. Nur Wolfram nicht. Nach seinem Dafürhalten gibt es nichts Langweiligeres als diese ewigen Stufenwege, eine Kehre wie die andere. „Kann man das nicht mal beschleunigen?“, mahnt er ungeduldig uns Bummelanten. Die Tatsache, dass wir den Weg dann auch wieder hochmüssen, flößt mir allerdings auch ein bisschen Angst ein und ich sehe mich schon keuchend und schwitzend aufwärts kriechen. Ich schlage vor, wieder umzukehren, was Georg, glaube ich, ziemlich blöd findet, da wir heute doch mehr im Auto sitzen als zu Fuß auf Entdeckungstour zu gehen. Er macht auf dem Absatz kehrt und ist schneller meinem Blick entschwunden, als ich reagieren kann. Ich kann ihn aber gut verstehen. Wolfram zuckt nur mit den Schultern, ist aber vermutlich nicht böse über die Abkürzung unserer Wanderung, weil uns auch noch ein Ort auf unserer Tour fehlt, nämlich Ponta do Pargo mit seinem Leuchtturm auf dem westlichsten Zipfel der Insel. Wir peilen dieses letzte Ziel an, parken vor einem Restaurant und laufen auf einem Fußweg zum Turm, vorbei an mehreren Kühen. Sie beobachten uns gelassen und wir sie, denn zum Fotografieren müssen wir uns ihnen vorsichtig etwas nähern. Der Anblick braune Kuh auf grünem Gras vor blauem Meer ist so malerisch, dass man gar nicht anders kann als knipsen.

Nun sind wir fast überall gewesen, in alle Himmelsrichtungen haben wir unsere Fühler ausgestreckt. Wir waren im Inselinneren und auf dem höchsten Berg. Wir sind viel gelaufen, viel gefahren und haben unglaublich viele Eindrücke gesammelt.

Fazit: Madeira ist eine abwechslungsreiche Insel in jeglicher Hinsicht. Obwohl in den geografischen Ausmaßen überschaubar (ca. 50 x 30 km), verfügt sie aufgrund der vielen Berge über eine wesentlich größere Oberfläche. Sonnig ist es eher im Süden. Wenn dort schönstes Wetter ist, kann es im Norden oder in den Bergen völlig anders sein. Das haben wir ja erlebt, als wir uns im Sturm und Regen durch die Nebelwolken kämpfen mussten. Es regnet relativ häufig und nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass hier alles grünt und blüht wie im Garten Eden. Früher gab es im Süden Wassermangel, deswegen wurden die Levadas angelegt, um auch Felder in diesem Gebiet bewässern zu können.

Wer Strandurlaub machen möchte, sollte um Madeira einen großen Bogen machen. Genau wie auf Malta gibt es hier nur ganz wenig Bademöglichkeiten. Die Ufer sind zu 98% von Steinen und Geröll gesäumt.

Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, geraten auf Madeira ganz schnell an ihre Grenzen. Es geht ständig steil auf und ab, ein Stadtbummel wird zur sportlichen Herausforderung. Oder man muss sich überall hinfahren lassen bzw. geführte Busreisen in Anspruch nehmen. Fahrradfahrer haben wir überhaupt nicht gesehen, das hat auch gute und nachvollziehbare Gründe. Auch Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen am Rollator gibt es hier nicht. Würde gar nicht funktionieren, die steilen Straßen hoch und runter. Bordsteinabsenkungen sind so gut wie nicht vorhanden. Wenn man die Insel kennenlernen will und nicht an einem Ort verweilen möchte, sollte man sich ein Auto mieten, aber keine Angst haben vor dem Fahren in den Bergen. Das Autobahnnetz ist sehr gut ausgebaut und die vielen Täler sind durch mehr als 300 Tunnel miteinander verbunden. Die Einheimischen fahren sehr zivilisiert und rücksichtsvoll, es wird auch ganz selten gehupt. Von daher ist das ganz entspannt. Man kann vermutlich auch mit dem Bus an viele Ziele gelangen. Ca. alle 100 Meter gibt es Haltestellen für Linienbusse, die in kurzen zeitlichen Abständen in die entlegensten Winkel kurven. Die Leute hier sind freundlich, aber nicht aufdringlich und fast alle der englischen Sprache mächtig. Mit meinen Jungs war die Verständigung natürlich überhaupt kein Problem, alleine wäre es deutlich schwieriger, aber irgendwie machbar gewesen.

Die Sauberkeit ist auch nicht zu bemängeln. Ok, hier und da Dreckecken, aber die gibts auch bei uns. Mülltrennung funktioniert nach dem uns vertrauten System. Die Häuser sind mit roten Ziegeln gedeckt und bieten deswegen einen vertrauteren Eindruck als die üblichen weißen Gebäude in den südlichen Ländern mit Antennen, Stromleitungen, Tanks und sonstigem Kram auf den Dächern. Es gibt ausreichend öffentliche und vor allem saubere Toiletten. Man hat auch unterwegs Zugang zu Wasser. Sehr häufig sieht man an Hauswänden und Mauern Wasserhähne mit Waschbecken.  Jeder Winkel ist bebaut, so dass man sich oft fragt, wie das Baumaterial dort hingekommen ist. Fast alle Straßen verfügen rechts und links über Regenrinnen, in denen auch Wasser fließt, wenn es nicht regnet.

Die Vegetation ist beneidenswert. Auf Brachen wachsen  flächendeckend Kapuzinerkresse, Monsteras, Kakteen usw. wie bei uns Brennesseln.  Das sieht sehr schön aus. Viele haben statt wie bei uns Kirschlorbeer- oder Buchsbaumhecken blickdichte lebende Zäune aus Dickblatt. Auf Schritt und Tritt staunt man über Pflanzen, die hier wie Unkraut wachsen, zu Hause aber mühselig gehegt und gepflegt werden müssen.

Kaffeetrinker kommen hier voll auf ihre Kosten. Jederzeit und überall bekommt man schmackhaften Coffee black oder with Milk. Das Essen wird immer ohne Soße serviert, sowas gibt es hier offenbar nicht. Gewürzt ist es kaum oder gar nicht, wir mussten immer nachsalzen und -pfeffern. Aber das ist ja kein Problem. Ganz großer Minuspunkt: es gibt nirgendwo Lakritze!!!

Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön. Die Berge sind fast bis zum höchsten Gipfel grün, oben natürlich nur noch mit Moosen bewachsen, zumnindest jetzt im Frühjahr. Die vielen Farben lassen das Auge nicht zur Ruhe kommen, eine Sicht ist schöner als die andere, aber oft zeigt die Natur ihre wilde, gefährliche Seite. Die offiziellen Wanderwege sind top, oft mit Holz oder Steinen befestigt. Die Leveda-Wege sind natürlich etwas aufgeweicht nach Regengüssen. Wer wandern möchte, dem sei empfohlen, die passenden Schuhe einzupacken. Auch wenn man mehr Gepäck hat, es lohnt sich! Ebenso Regenbekleidung.

Es war ein erlebnisreicher, sehr individueller Urlaub. Alleine hätte ich vermutlich eine Pauschalreise gebucht, aber niemals so viel gesehen. Dafür danke ich meinen Jungs von ganzem Herzen!

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Nun heißt es Abschiednehmen, Taschen packen und für mein Verständnis auch eine Grobreinigung der Wohnung. Dafür werde ich milde belächelt von meinen Kindern. „Das musst du nicht machen! Das haben wir mit bezahlt!“ Ich fühle mich damit aber nicht wohl und kehre wenigstens mal durch. Wolfram schüttelt nur mit dem Kopf und meint: „Du gehörst auch zu der Sorte Mensch, die ihre Wohnung saubermachen, bevor die Putzfrau kommt, weil es ihnen peinlich ist, wenn andere ihren Dreck wegräumen!“ Ich glaube, da liegt er gar nicht so verkehrt…

Samstag, 28.04.2018

Wenn wir nun wieder wegkommen würden von der Insel, wäre das auch schön. Momentan sieht es nicht so aus. Unser Flugzeug nach München ist einfach mal gar nicht gelandet, sondern umgekehrt und in Lissabon angekommen. Von dort zurück nach München. Die Passagiere werden sich auch bedankt haben. Wir sitzen nun hier im Flughafen wie bestellt und nicht abgeholt im wahrsten Sinne des Wortes und haben auch noch keinerlei Information bekommen, wie es weitergehen soll. Wolfram vermutet, dass wir noch eine Nacht hierbleiben müssen. Noch sind unsere Mitreisenden ganz entspannt, aber es muss ja mal irgendwie was passieren. Was bleibt uns übrig als ABWARTEN!

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16.35 Uhr

Wolfram hatte recht. Nachdem der Status an der Anzeigetafel stündlich dahingehend aktualisiert wurde, dass wir zur nächsten vollen Stunde neue Informationen bekommen würden, werden wir schließlich zum Gate 11 gerufen. Noch haben alle die Hoffnung, dass es nun losgeht, aber wir saßen auf der Terasse bzw. Wolfram hielt sich dort öfter zum Rauchen auf und hatten deswegen mitbekommen, dass kein Lufthansa-Flugzeug gelandet war. Also auch keins fliegen kann. Brav stellen sich fast alle in einer langen Schlange an, während mein Vielflieger-Sohn zielstrebig Gate 10 anpeilt. Richtig gemacht! Wir bekommen auch dort die nötigen Infos und einen Verpflegungsgutschein für den Airport in Höhe von 10 €. Die meisten Passagiere Nehmens erstaunlich gelassen, einer ruft aber auch erbost „Arschficker!“ und rauscht von dannen. Was soll’s? Das ist höhere Gewalt. Ob man sich nun aufregt oder nicht, eine andere Lösung gibt es nicht.

Wie gehts weiter? Wir sollen uns um 16 Uhr wieder am Gate einfinden, um dann zu einem Hotel gefahren zu werden. Es ist noch Zeit, also tauscht Georg erst mal den Coupon in drei Pizzaecken, Obstsalat und ein Getränk. Dann wieder wie bestellt zum Gate, wo die Zimmer verteilt und Telefonnummern notiert werden. Und werden zunächst entschuldigend ein Zwei- und ein Einzelzimmer angeboten, leider hat er kein Dreibettzimmer, meint der junge Mann. Wir signalisieren, dass wir auch mit drei Einzelzimmern zufrieden seien. Hocherfreut nimmt er unser Angebot an. Lustig wird’s, als er Wolframs Nachnamen aussprechen will. Chewbaca? Starbucks? Er bekommt einen Gratis- Crashkurs in der Aussprache und alle haben ihren Spaß. Dann müssen wir erst raus, dann wieder rein ins Flughafengebäude zum Gepäckband. Unsere Koffer sind sogar unter den ersten! Dort wartet eine Angestellte, die über Funk mit den Koordinatoren kommuniziert. Sie bringt uns zum Bus, in dem wir nun sitzen und plötzlich Teil einer großen deutschen Reisegruppe sind, also eine Art Zwangsgemeinschaft, die die Nacht gemeinsam in einem Hotel in Funchal verbringen wird.

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Keine Ahnung, wie das so spontan zu regeln ist, aber wir sind alle im selben Hotel untergebracht.

Lange Schlangen bilden sich vor der Rezeption. Die armen Frauen dort müssen nun ständig ihren Begrüßungstext wiederholen. Wann und wo Abendessen und Frühstück, wie die Karte funktioniert, wo sich das Zimmer befindet.  Die Leute sind teils geduldig und humorvoll, teils ungehalten und sarkastisch. Wir gehören zur ruhigen Fraktion und bekommen unsere Einzelzimmer zugewiesen. Wolfram und ich nebeneinander, Georg direkt unter mir. Wir begutachten gegenseitig unsere fast identischen Zimmer. Von der Sache her sehr praktisch, mit Kochnische, Essecke, Schreibtisch und Doppelbetten. Aber die Einrichtung ist abgewohnt und ein bisschen kaputt. Egal, für eine Nacht wird’s gehen. Bei Georg und mir huschen kleine obstfliegengroße helle Tierchen über die Möbel, aber die Betten sind nicht bewohnt. Ich platziere also alles dort in der Hoffnung, dass ich niemanden mit nach Berlin schmuggle. Wir laufen noch ein bisschen in dieser Bettenburg Funchals rum, bis hierher waren wir die Woche gar nicht vorgedrungen, haben aber außer dem großen Shoppingcenter nichts verpasst.

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Das besuchen wir einfach jetzt noch, halten uns aber sehr zurück. Wolfram ist unterdessen ein Bier trinken gegangen und erzählt begeistert, dass er sogar ein Maß bekommen hat, wie auf dem Oktoberfest.

Um 20 Uhr gehen wir essen im herrschaftlichen Speisesaal. Wenn man nicht so genau hinschaut, sieht alles sehr nobel  aus.

Das Buffet ist für meine Begriffe gigantisch, während ich andere meckern höre, die Auswahl wäre ja hier nicht so doll. Es gibt drei Sorten Fleisch, Fisch in verschiedenen Variationen, Soßen, Nudeln, Kartoffeln, Reis, Gemüse, diverse Salate und ein extra Dessert-Buffet. Was wollen die Leute noch?

Wir schmuggeln den nicht schmackhaften, aber immerhin Wein sowie Wasser aus dem Speisesaal und sitzen bei Georg noch ein bisschen auf dem Balkon zusammen, philosophieren über den morgigen Ablauf  und andere Dinge. Wir wissen nämlich alle noch nicht, wann der Bus uns wieder abholt. Wäre angebracht, um rechtzeitig abmarschbereit zu sein. Egal, jetzt erst mal schlafen.

29.04.2018

Mittlerweile haben wir uns mit dem Wachwerden  alle auf 8 Uhr eingeschossen. Ich habe sehr viele verschiedene Träume gehabt und war mir auch sicher, dass ich mich am Morgen noch daran erinnern kann. Dem ist aber leider nicht so. Weil ich gestern meine Zahnpastatube entsorgt hatte, schnorre ich von Wolfram einen Klecks, den er mir über den Balkon rüberreicht. Beim Auschecken werden wir hochnotpeinlich vernommen, ob wir auch ja nicht die Fernbedienung des Fernsehers eingesteckt haben. Jeder bekommt diese überaus wichtige Frage gestellt. Dazu muss man wissen, dass es sich bei den Fernsehern um Modelle aus den 90er Jahren handelt. Sehr merkwürdig, offenbar scheint es da aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen großen Schwund zu geben in dem Hotel.

Gegen 9 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, fast alleine in dem großen Speisesaal. Die anderen Mitreisenden waren vermutlich schon um 7 Uhr vor Ort aus Sorge, die Abfahrt zu verpassen. Zu den seichten Panflöteninterpretationen gängiger Welthits inspizieren wir das Speiseangebot und sind zunächst ganz angetan. Sieht außer der Wurst alles ganz gut aus. Eier in sämtlich möglichen Zubereitungsformen, Käse, Schinken und das übliche weitere Sortiment.

Georg scheint großen Hunger zu haben, sein Teller ist gut gefüllt. Schmecken tut das alles aber gar nicht. Weder das Rührei noch der Kaffee. Den Saft würde Wolfram am liebsten wieder ausspucken, schluckt ihn aber sehr beherrscht runter und spült mit Tee nach. Ist aber alles nicht so schlimm, wir haben ja noch die Verzehrgutscheine für den Flughafen. Ich schaue mich ein bisschen um und entdecke eine sehr gepflegte Parkanlage und den hauseigenen Pool, die im Sonnenschein einem Foto in einem Reisehochglanzmagazin in nichts nachstehen. Die ersten älteren Hotelgäste sind auch schon auf dem Weg dorthin.

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Unten im Foyer lungern alle rum und warten auf den Bus. Um die Ecke entdecke ich die Hotelbibliothek und eine Apothekenrundschau. Überall Aushänge für Ausflüge, die man buchen kann. Plötzlich setzt sich die Menschenmenge in Bewegung, draußen haben zwei Busse gehalten, die aber nicht ausreichen für alle. Noch bleiben die Übriggebliebenen erstaunlich ruhig. Kleckerweise fahren noch zwei Kleinbusse vor und  ein dritter Reisebus. Wolfram steuert einen der Transporter an, mit ihm die bayrisch-österreichisch-schwäbische Reisegruppe, die wir schon seit gestern amüsiert beobachten. Ich wäre ja lieber in den großen Bus gestiegen und wundere mich, dass unser aller Gepäck samt Besitzer  in das kleine Auto passen. Es kann aber noch nicht losgehen, weil die merkwürdige Gesellschaft einen Sitzplatz mit allen Mitteln gegen Fremde verteidigt, um dort noch eine gemeinsame Bekannte unterzubringen. Da platzt Wolfram der Kragen und er macht seinen Unmut laut deutlich: „Mein Gott! Das ist doch egal! Sie sehen sich doch eh alle in 20 Minuten am Flughafen wieder! Lassen Sie doch die Leute hier einsteigen!“ Sekundenlange Betroffenheit und Sprachlosigkeit auf der anderen Seite, bis etwas kleinlauter das Argument rausgeholt wurde, die Bekannte hätte schlimme Rückenprobleme und bräuchte Hilfe beim Ein- und Aussteigen. Oh je, ich hoffe, dass ich niemals Teil einer solchen vor sich hin alternden Gemeinschaft werde, über die sich alle lustig machen oder aufregen. Die Wortführerin gehört zum Typ „Von hinten Lyzeum, von vorne Museum“ und ist einfach mal schrecklich unsympathisch. Mit rauchenden und stinkenden Bremsen kommen wir am Flughafen an und sind froh, das Fahrzeug verlassen zu können, das offensichtlich doch zu schwer beladen war. Die Rückenkranke steigt wenig überraschend beschwingt aus und wir sind froh, dass wir uns von nun an aus dem Weg gehen können.

Nächster Programmpunkt: Einchecken. Die Schlange ist lang, ich reihe mich erst mal mit einem Buch ein, so vergeht die Zeit schneller. Später kommen die beiden Jungs mit dem Gepäck dazu. Als uns am Schalter die Bordkarten übergeben werden, bemerkt Wolfram Gott sei Dank, dass es für den Flug von München nach Berlin die falschen sind. Die Dame gibt ihr bestes, hat aber große Probleme, alles zu korrigieren. Zusätzliches Problem ist, dass Wolframs Tasche schon mit dem falschen Label hinter dem Gummivorhang verschwunden ist. Sie startet den Vorgang mehrmals aufs Neue, aber jedesmal wird das falsche Label ausgedrückt. Wir verbringen bestimmt 20 Minuten am Schalter. Die Leute hinter uns finden das nicht so witzig und fangen an zu murren. Verständlich, wenn man denkt, man ist gleich dran. Aber da müssen jetzt alle durch und ich bewundere die Schalterdame für die bewahrte Ruhe. Was lange währt, wird gut, allerdings haben wir nun nicht mehr so viel Zeit, unsere Gutscheine einzulösen, doch verschenkt wird nichts!

Tja, das wars! Hoffe ich! Jetzt sitzen wir im Flieger nach München und bald in dem nach Berlin. Der Kapitän begrüßt uns mit den Worten, dass heute die gleiche Besatzung an Bord ist wie gestern und es ihnen sehr leid tue, dass sie gestern nicht landen konnten und wir dadurch solche Unannehmlichkeiten hatten. Er beschreibt detailliert, wie der geplante Landeanflug gestern verlaufen ist, dass es genau zu dem Zeitpunkt zu stürmisch war und manche Flieger deswegen nach Porto Santo umgeleitet wurden. Als unser Flugzeug ankam, waren dort aber schon alle Parkplätze belegt. Deswegen mussten sie nach Lissabon ausweichen, wo es aber keine Übernachtungsmöglichkeiten für die Fluggäste an Bord gab. Also blieb nur: zurück nach München. Die Gäste hätten alles klaglos mitgemacht und er hoffe, dass wir gut betreut wurden gestern. Er hätte aber auch gehört, dass der Informationsfluss besser hätte sein können. Nochmal die Bitte um Entschuldigung und dann gehts hoch in die Luft zurück in die Heimat. Um 21 Uhr landen wir in Tegel, wir bekommen sogar alle unsere Koffer und stürzen uns wieder jeder für sich in den Berliner Alltag.

Vielen Dank an meine beiden Jungs für die erlebnisreiche Reise und die gemeinsame Zeit. Mir hat’s gut getan und ich hoffe, den beiden auch. Nun suchen wir nach dem nächsten gemeinsamen Reiseziel mit Ma wie Malta und Madeira. Vielleicht Maurizius oder Madagaskar? Oder Mallorca?

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