18. August 2026 | Spandau (Kladow) | unübliche Anreise, Landstadt und Flugplatz Gatow, Militärhistorisches Museum

„Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß, | Das durch den sonnigen Himmel schreitet. | Und schmücke den Hut, der dich begleitet, | Mit einem grünen Reis.“ (Joachim Ringelnatz) – Kalenderspruch des Tages

Audiozusammenfassung des Textes mittels KI:

Mittlerweile habe ich schon sehr viele Menschen kennengelernt auf meinen Wanderungen durch Berlin und freue mich immer, wenn der Kontakt nicht abreißt. Einer davon basiert auf meinem Besuch in der Bibliothek des Deutschen Alpenvereins – Sektion Berlin, wo ich Christoph und Christiane kennengelernt hatte. Zeitpunkt und heutiges Laufgebiet passen perfekt, weil Christoph heute einen freien Tag hat und Christiane in einer der Straßen wohnt, die auf dem Plan stehen. So sehe ich gleich beide wieder. Als Treffpunkt vereinbaren wir 10 Uhr an der Bushaltestelle Ritterdamm / Waldallee. Ich gehe rechtzeitig aus dem Haus, denn momentan gibt es eigentlich an jedem Tag Probleme mit der S-Bahn. So glaube ich mich auf der sicheren Seite, auch, als am S-Bhf. Mahlsdorf eine der üblichen Ansagen ertönt: „Sehr geehrte Fahrgäste, momentan fahren die Züge unregelmäßig. Grund dafür ist eine Reparatur an einem Signal. Wir bitten um Ihr Verständnis.“ Ich habe schließlich genug zeitlichen Vorlauf. Die Bahn fährt ein, endet allerdings am Ostbahnhof, was mich immer noch nicht beunruhigt. Fahre ich eben mit der nächsten. Mein Ziel ist der S-Bhf. Savignyplatz, um von dort aus mit dem Bus bis zur Waldallee zu fahren. Allerdings dauert es 15 Minuten, bis ein Zug kommt, der weiterfährt, während inzwischen zwei weitere Bahnen ihre Passagiere auf den Bahnsteig spucken. Es wird zunehmend enger und es müsste schon ein sehr langer und sehr leerer Zug sein, um diese Menschenflut aufnehmen zu können. Ist es natürlich nicht, im Gegenteil. Ganz Verwegene und rücksichtslose Drängler schaffen es, einzusteigen, alle anderen resignieren. Hinzu kommt die resolute Ansage des Zugführers: „Sie sehen doch – der Zug ist voll! Bitte treten Sie zurück!“ Es wird immer voller, da alle anderen ankommenden S-Bahnen hier enden. Mir wird klar, dass ich hier nicht vorankommen werde. Kurz flammt die Idee auf, mit dem Regionalverkehr bis Zoo zu fahren, doch als ich die Anzeigen sehe, fällt es mir wieder ein – es gibt im Moment keinen Regionalverkehr zwischen Ostbahnhof und Hauptbahnhof, nur sehr überschaubar in die andere Richtung:

Langsam sehe ich meine Felle davon schwimmen und verfluche mich innerlich, dass ich mir Christophs Handynummer nicht geben lassen habe. Ich schreibe ihm eine Mail, aber ob er die liest? Wie peinlich wäre das denn, mich zu verabreden und dann kommentarlos nicht zu erscheinen oder erst Stunden später? Im Geiste gehe ich die mir verbleibenden Möglichkeiten durch. Viele sind es nicht, denn U-Bahn-Linien gibt es hier nicht. Also Bus. Ich schaue nach und stelle fest, dass ich dann erst nach 11 Uhr ankommen würde. Keine Option. Nun habe ich nur noch eine Chance, um einigermaßen pünktlich zu erscheinen. Ich muss mir ein Taxi rufen. Doch auch das funktioniert offenbar längst nicht mehr so, wie ich es in Erinnerung habe. Von wegen – ich gehe vor das Bahnhofsgebäude und dort stehen die Taxis Schlange! Bis zum Horizont ist nämlich keins in Sicht. Auf Google Maps werden mir alternative Fortbewegungsmöglichkeiten angezeigt, zu denen Freenow und Uber gehören, wofür natürlich eine Registrierung erforderlich ist. Offenbar hatte ich das bei Freenow irgendwann schon einmal gemacht, weswegen ich innerhalb von Sekunden die Mitteilung bekomme, dass ich in einer Minute von Kazim abgeholt werde. Und tatsächlich biegt in diesem Moment das Taxi in der Koppenstraße um die Ecke. Ich steige ein und gebe vorsichtshalber mein Ziel nochmal durch, obwohl ich das ja in der App schon eingetragen hatte. „Moment, Madame“, sagt Kazim und hält mir sein Handy mit der geöffneten Google-Maps-Navigation vor die Nase, „Sie sprechen!“ Ok, ich sage langsam und deutlich: „Waldallee in Spandau“, denn es gibt bestimmt mehrere davon in Berlin. Eine Hausnummer habe ich nicht, denn ich will ja zur Bushaltestelle. Kazim ist irritiert, Google Maps vermutlich auch und Kazim spricht in sein Handy „Spandau“. „Nein!“, rufe ich von der Rückbank, „Waldallee! Die ist in Spandau.“ Wieder muss ich den Sprachbefehl geben und nun scheint es zu klappen. Die Fahrt geht los. Vorsichtshalber lasse ich mein Navi mitlaufen und sehe, dass ich vermutlich eine halbe Stunde zu spät kommen werde. Doch schon kurz darauf hat Kazim die geschätzte Fahrzeit um fünf Minuten verkürzt, denn er folgt offenbar eigenen Regeln der StVO. Meistens sind wir auf der Busspur unterwegs, und wenn es mal keine gibt, dann eröffnet Kazim eine, indem er einer zweispurigen Fahrbahn eine imaginäre dritte Spur hinzufügt. Rote Ampeln? Wozu sind die nochmal da? Wenn die Kreuzung frei ist, kann man doch fahren, oder? Genauso wenig scheint er zu wissen, dass es Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt, alles völlig überbewertet! Denn nichts geht über das herrliche Geräusch eines aufheulenden Motors. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre ich vor Angst tausend Tode gestorben, doch heute ist eine andere Situation und ich übe mich in Gottvertrauen, dass Kazim bestimmt auch an seinem Leben hängt. So preschen wir durch Berlins Straßen und meine Verspätung reduziert sich mit jedem gefahrenen Kilometer. Fast bin ich Kazim dafür dankbar, denn am Ende sind es tatsächlich nur noch zehn Minuten, die Christoph auf mich warten musste und wir in den Tag starten können.

Wir sind heute in der Landstadt Gatow östlich des Ritterfelddamms unterwegs, die größtenteils erst um das Jahr 2000 angelegt wurde, mitten hinein in die Gatower Heide auf ehemaligem Flugplatzgelände. Nun wird sich mancher wundern, wieso ich hier immer von Gatow schreibe, obwohl ich doch in Kladow unterwegs bin. Genau diese Frage beschäftigt mich auch. Ich bin ihr nachgegangen und habe viel Neues dazugelernt, auch über die Landstadt.

2003 gab es eine Änderung der Ortsteilgrenzen. Der ehemalige Flugplatz, der Golfplatz und das Gelände der heutigen Landstadt wurden damals amtlich dem Ortsteil Kladow zugeschlagen. Ihre älteren Namen blieben jedoch erhalten. Der Flugplatz Gatow wurde in den 1930er-Jahren auf Flächen angelegt, die damals überwiegend zum Umfeld von Gatow und Groß Glienicke gehörten. Bis zur Berliner Ortsteilreform lag der Flugplatz also tatsächlich im Ortsteil Gatow. Nach dem Ende des Flugbetriebs 1994 wurde ein Teil des Areals für neue Nutzungen verwendet: die heutige General-Steinhoff-Kaserne, das Militärhistorische Museum, der Golfplatz Gatow und auch die Wohnsiedlung Landstadt Gatow. Der Bund (dazu gleich mehr) und die Planer hielten den Namen für naheliegend und vermieden offenbar eine Bezeichnung wie „Landstadt Kladow“, obwohl diese geografisch heute zutreffender wäre.

Der scheinbare Widerspruch ist also tatsächlich ein Ergebnis der zeitlichen Überlagerung verschiedener Grenzen und Namen: Zuerst hieß das Gelände nach seiner Lage beziehungsweise seinem damaligen Verwaltungsbezug Gatow; später wurde die Ortsteilgrenze geändert und das Areal Kladow zugeordnet. Die alten Eigennamen wurden aber beibehalten. Interessant ist zudem, dass die neue Grenze ungefähr an ältere historische Verhältnisse anknüpfte: Vor dem Bau des Flugplatzes gehörten die Flächen nicht einfach dauerhaft zum heutigen Gatow, sondern teilweise zum Rittergut beziehungsweise zur Gemarkung Groß Glienicke und trugen den Namen Ritterfeld.

Die Landstadt Gatow, in der fast alle der heute zu begehenden Straßen liegen, ist ein städtebauliches Wohnprojekt des Bundes. Sie wurde im Zuge des Hauptstadt-Regierungsumzuges auf Basis des Berlin/Bonn-Gesetzes ins Leben gerufen. Die 36 ha gehörten vorher zum Flugplatz Gatow. Geplant wurde die Siedlung für rund 1200 Wohneinheiten. Davon sind die meisten Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, aber es gibt auch Blockbebauung. Die Vermarktung und Erschließung der Grundstücke erfolgte zwischen 1999 und 2013 durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Bei der Vergabe der Straßennamen hielt man sich ganz konsequent an die Idee, an die Geschichte des Fliegens zu erinnern, sehr nachvollziehbar in Anbetracht des benachbarten Flugplatzes. Die Namen reichen von mythischen Fluggestalten wie Dädalus und Ikarus über Vordenker und Erfinder (Jules Verne, Leonardo da Vinci), Pioniere des Ballon- und Luftschiffbaus (Auguste Piccard, Zeppelin) bis hin zu Piloten und Flugpionieren, etwa die Brüder Wright und Charles Lindbergh, um nur einige zu nennen. Viele Namen sagen mir gar nichts, während Christoph zu fast jedem biographische Daten einfallen. Nur einmal muss er passen, worüber ich direkt ein bisschen froh bin angesichts meiner Defizite auf dem Gebiet.

Direkt an die Siedlung schließt sich der Landschaftspark Gatow an. Auch er entstand auf den alten Landebahnen als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die Verdichtung durch den Wohnungsbau.

Unsere Streifzüge durch die Straßen bescheren uns natürlich keine großen Überraschungen wie in den historisch gewachsenen Gegenden, durch die ich schon gelaufen bin, trotzdem erfreuen wir uns an üppigem Blumenschmuck, Haustürgestaltungen und kleinen, individuell geprägten Dekorationen in Vorgärten, durchaus auch ausgefallenen Architekturen und Gestaltungsideen.

Natürlich sind auch Häuser dabei, die auf uns einen abweisenden und sterilen Eindruck machen, Gärten, die eigentlich Steinwüsten sind oder unbebaute Grundstücke, wenn auch wenige.

Alle Straßen in der Siedlung verfügen seitlich abschüssig über einen flachen Graben, dessen Sinn und Zweck uns sehr beschäftigt. Für einen Rinnstein erscheint er uns zu breit, aber an einigen Stellen entdecken wir dann doch einen Abfluss. Bleibt die Frage, warum die Rinne so breit ist. Vielleicht weiß das ja jemand?

Da Pausen wichtig sind und Christiane in der Nähe wohnt, freuen wir uns über ihre Einladung und den leckeren Kaffee, den sie uns serviert. Sie ist gerade im Garten beschäftigt, als wir bei ihr klingeln und lotst uns durch denselben über die rückseitig gelegene Terrasse in ihre Küche. Ihre Blumenbeete sind nicht abgezirkelt, überformt und durchgestylt, sondern wirken bewusst naturbelassen, wild und lebendig. Hier darf vieles wachsen, aber mit erkennbar gärtnerischer Hand. Ich liebe solche Gärten, denn es gibt unglaublich viel zu entdecken.

Wir sitzen ziemlich lange und quatschen uns ein bisschen fest, aber schließlich machen wir uns dann doch wieder auf den Weg, natürlich nicht, ohne das obligatorische Foto gemacht zu haben:

Da die Landstadt an den Landschaftspark grenzt, eröffnen sich immer wieder von den Randstraßen aus Blicke in die weite Landschaft und zum Flugplatz. Man mag es gar nicht glauben, dass das alles zu Berlin gehört.

Durch diese Nähe zur Natur herrscht hier eine hohe Wohnqualität, viel Ruhe und perfekte Voraussetzungen für Familien mit Kindern. Doch ohne Auto wirds kompliziert, jedenfalls bezüglich der alltäglichen Besorgungen. Es gibt eine Art Einkaufszentrum mit ALDI und Edeka, das aber nicht von allen Straßen aus gut zu Fuß zu erreichen ist. Will man aber mal essen gehen oder hat andere Wege zu erledigen wie Arztbesuche, Bankgeschäfte usw., dann muss man nach Kladow oder noch weiter fahren. Die Busanbindung ist gut, doch auch zur Haltestelle am Ritterfelddamm müssen einige schon ziemlich weit laufen. Direkt im Wohngebiet gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr.

Für Kitas und Schulen ist allerdings gesorgt. Wir laufen an zwei Kitas, einer Grundschule und einem Gymnasium vorbei. Letzteres hat gerade den Namen Hans Carossa abgelegt und nennt sich ab dem neuen Schuljahr Margot-Friedländer-Gymnasium. Der ursprüngliche Namensgeber war Schriftsteller und Arzt und ließ sich vom NS-Regime vereinnahmen. Er stand auf der sogenannten Gottbegnadetenliste, die Künstler und Kulturschaffende vom Wehrmachts- und Arbeitsdienst befreite und ihnen Privilegien verschaffte. Deswegen soll auch die Carossastraße in Spandau umbenannt werden.

Die Grundschule direkt daneben trägt den Namen „Mary Poppins“ und zeichnet sich durch ein sportliches Profil aus. Die dazugehörige Sporthalle ist nicht zu übersehen durch ihre etwas brachial anmutenden Stützpfeiler.

Natürlich steht heute auch der Besuch des Militärhistorischen Museums auf dem Programm, obwohl wir beide nicht übermäßig an den technischen Details der Kriegsführung interessiert sind. Zu Fuß kommen wahrscheinlich die wenigsten hierher, aber es ist gut besucht. Wir werden an einer Schranke freundlich empfangen, erhalten einen Lageplan und praktische Hinweise, wie wir zum Hangar 3 kommen, in dem sich die Dauerausstellung befindet. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Parade von Jagdbombern, Erdkampf- und Jagdflugzeugen vorbei, die wir mäßig interessiert betrachten mit dem Gedanken, dass es doch viel besser wäre, müsste es solche fliegenden Ungetüme gar nicht geben.

Spannender finde ich da schon die Bronzeskulptur „Waffenbrüderschaft“, von Gerhard Thieme um 1970 erschaffen. Sie stellt einen NVA-Piloten mit Fliegerhelm und einen sowjetischen Piloten dar, der dem anderen etwas erklärt. Das Kunstwerk stand ursprünglich beim Kommando der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung der NVA in Strausberg-Eggersdorf und wurde nach der Wende vom Museum übernommen. Die beiden Figuren sind etwa 2,5 Meter lang und wirken durch ihre kantigen Gesichter und kräftigen Arme stark und diszipliniert. Der Künstler Gerhard Thieme war Bildhauer und Medailleur, Meisterschüler bei Fritz Cremer und lebte von 1928-2018. „Waffenbrüder“ ist eines seiner bekannteren Werke.

Statt nun hier weiterzuschreiben, bin ich gerade mal wieder abgedriftet, und zwar in das Leben und Schaffen von Gerhard Thieme. Es ist faszinierend, an wie vielen Stellen Berlins Kunstwerke von ihm stehen, die ziemlich prägnant und bekannt sind, z.B. auch die Skulptur von Clara Zetkin in Marzahn, der Bär im Tierpark oder der Leierkastenmann im Nikolaiviertel.

Wir steuern nun auf Hangar 3 zu, in dem die Entwicklung der militärischen Luftfahrt und des Luftkrieges in Deutschland von den Anfängen im Kaiserreich bis in die Gegenwart dargestellt ist. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und verbindet große technische Exponate wie Flugzeuge, Waffen, Motoren usw. mit persönlichen Dokumenten und Alltagsgegenständen. Auch die Geschichte des Flugplatzes Gatow ist thematisiert.

Durch eine Tür gelangen wir in einen langen Flur, von dem wiederum verschiedene Ausstellungsräume abgehen:

Sehr nachdenklich machen mich Zitate von bekannten Persönlichkeiten, die an den Wänden zu lesen sind:

Das ist nun genug Krieg, finden wir und verlassen das Museum, das leider keine Cafeteria und auch keinen Museumsshop anzubieten hat, denn ich hatte auf Literatur über Gatow gehofft. Beim Verlassen des Geländes sehe ich aus dem Augenwinkel, dass wir längst nicht überall waren, so dass wir u.a. die Abteilungen Berliner Luftbrücke, Flugabwehr, U-Bootjäger und Zielschlepper nicht gesehen haben, aber nach all den militärischen Eindrücken steht uns der Sinn nun wieder nach friedlicheren Dingen. Ein Tipp für alle, die einen Besuch des Museums in Erwägung ziehen: Am 5. und 6. September 2026 findet das Flugplatzfest statt, die größte Veranstaltung der Bundeswehr in Berlin. So könnte man beides miteinander verbinden.

Ob man diese Wahlplakat-Schwemme, die uns nun entgegenstarrt, allerdings als friedlich bezeichnen kann, bleibt zu diskutieren:

Wir machen uns auf den Weg zu drei Straßen, die schon in den 1930er Jahren bebaut wurden und somit nicht zur Landstadt zu rechnen sind. Sie liegen direkt an der Potsdamer Chaussee und damit an der Grenze zu Brandenburg bzw. früher zur DDR. Schon beim Einbiegen merken wir deutlich, dass wir gerade die Moderne der 2000er Jahre verlassen und eine ganz andere Welt betreten. Hier sind die Bäume natürlich höher, die Häuser teilweise älter und das Straßenpflaster buckliger.

Das i-Tüpfelchen auf diese Zeitreise setzt der Anblick des Spandauer Tors, eine neogotische Anlage aus einer Stellmacherei und Tor. Das hätte ich nicht erwartet, und es trifft mich wie ein Hammerschlag nach all der kleinteiligen Einfamilienhausidylle am heutigen Tag. Am liebsten würde ich hindurchgehen und dieses spektakuläre Bauwerk von allen Seiten betrachten, aber das hebe ich mir für später auf. Von hier aus kommt man in den ehemaligen Gutspark Groß-Glienicke, dem ich am 31.08. einen Besuch abstatten werde.

Christoph und ich versuchen nun, vom Ritterfelddamm auf die Potsdamer Chaussee abzubiegen, aber an der Kreuzung merken wir, dass hier für Fußgänger kein Platz ist. Wir können keinesfalls auf der vielbefahrenen Straße laufen, wenn es auch nur ein kurzes Stück wäre, bevor der Radweg beginnt.

Vermutlich machen wir einen ziemlich ratlosen Eindruck, denn uns spricht eine hilfsbereite Frau an: „Kann ich Ihnen helfen?“ Wir erklären ihr unser Dilemma und sie gibt uns viele Ratschläge, allerdings bleibt es dabei – hier kommen wir nicht weiter. Als ich ihr erzähle, warum auch dieser kleine Straßenabschnitt für mich wichtig ist, horcht sie auf. „Sie sind das, die alle Straßen ablaufen will! Ich glaube, ich habe Sie im rbb gesehen, kann das sein?“ Solche Situationen liebe ich natürlich, bieten sie doch Gelegenheit, sich ein bisschen miteinander bekannt zu machen. Wir reden im Weitergehen noch über dies und das, warum ich das mache und wie ich auf die Idee gekommen bin. Dann muss Christoph schnell noch ein Foto von uns machen, bevor sich unsere Wege trennen.

Eigentlich müssten wir uns nun noch von einer anderen Seite an die Potsdamer Chaussee heranpirschen und ihr bis zur Siedlung Habichtswald folgen, doch erstens muss Christoph gegen 18 Uhr los und mir steht jetzt der Sinn nach Kaffee und Kuchen – in Ermangelung eines richtigen Cafés dann eben bei Edeka. Letztendlich landen wir beide dort und fahren anschließend noch ein Stück zusammen mit dem Bus in Richtung Heimat. Danke, Christoph, für deine kundige Begleitung und die vielen Denkanstöße!

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