Unwertes Leben: Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus

Für unser neues Projekt lassen wir sechs verschiedene Komponenten miteinander verschmelzen.

Was haben wir vor?

Wir beschäftigen uns mit den Tötungen von Kranken und Behinderten im Dritten Reich. Die Nazis unter Hitler verfolgten die Strategie, dass unheilbar Kranke und Behinderte keine Daseinsberechtigung haben, also getötet werden müssen. Diese Ideologie machte sich überall in Deutschland breit. Wir wollen Informationen dazu sammeln und anschließend schreibend in Form von  frei wählbaren Textarten verarbeiten.

Was bedeutet das?

1. Wir haben uns zur Finanzierung des Projektes um Mittel aus dem Jugenddemokratiefonds beworben, initiiert vom Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Marzahn-Hellersdorf. Die Jugendlichen selbst entscheiden in einer Jury, ob dem Antrag stattgegeben wird und wieviel Geld es geben wird.

2. Wir nehmen teil an der Aktion „Mein liebes Kind“ des Gedenkortes und Geschichtslabors am Eichborndamm 238. Hier befand sich früher die Städtische Nervenklinik für Kinder. Dort haben wir die Möglichkeit, selbstständig zur Geschichte der Kinder-„Euthanasie“ zu recherchieren und für die an diesem Ort umgekommenen Kinder und Jugendlichen eine Patenschaft zu übernehmen.

3. Aber wir schauen uns auch direkt hier in unserem Stadtbezirk um. Wir beschäftigen uns mit der Geschichte der „Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bei Biesdorf“, des ehemaligen psychiatrischen Krankenhauses zwischen 1933 – 1945 (jetziges Gelände des UKB in Marzahn). Dazu nehmen wir an einer Führung vor Ort teil und vertiefen das Thema mit Hilfe des Buches „Die Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten 1933 – 1945: ein Ort bekennt sich zu seiner Vergangenheit“.

4. Wir besuchen die Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ in der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf. Sie ist eine perfekte Einführung in das schwierige, aber wichtige Thema.

5. Wir fahren nach Beelitz-Heilstätten und erforschen dort die damaligen Geschehnisse in dieser Zeit.

6. Teilnahme an der diesjährigen Ausschreibung denk!mal (Erinnern und Gestalten).  Ziel ist die Präsentation unserer Texte im Berliner Abgeordnetenhaus.

Umsetzung

Besuch der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“

Am 27.03.2019 besuchten wir zum Einstieg in die Thematik die Ausstellung in der Volkshochschule. Fassungslos und erschüttert haben wir die Infotafeln studiert und anschließend über das Gesehene noch lange diskutiert.

 

Führung durch das Krankenhausgelände im Wuhlgarten

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Mit großem Interesse nahmen wir am 20.04.2019 an einer Führung durch das Wuhlgarten- und Krankenhausgelände teil. Herr Werner Scuda vom Verein Wuhlgarten e.V. nahm sich viel Zeit für uns. Wir erfuhren viele interessante Details zur Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten bis hin zur heutigen Zeit mit dem Bau des UKB. Das Krankenhaus funktionierte weitestgehend autark mit Tierhaltung, Wäscherei, Gärtnerei, Küche, Kirche und Friedhof. Die Patienten, die in der Lage waren, arbeiteten dort und wurden auch dafür entlohnt.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Führung lag auf den Verbrechen, die in der Zeit zwischen 1933 und 1945 an den Kranken und Behinderten begangen wurden. Nicht nur hier, denn die sogenannte T4 – Aktion besiegelte im gesamten deutschen Reich das Schicksal vieler unschuldiger Menschen. Von den Pflegeanstalten aus wurden die Patienten in einem ausgeklügelten Plan zunächst meist mehrmals verlegt, um Spuren zu verwischen, bevor man sie tötete. Auch in Wuhlgarten wurden Menschen umgebracht. Der o.g. Verein hat ab 2011 dieses unrühmliche Kapitel erforscht, Opferlisten erstellt, die Recherchen in einem Buch veröffentlicht  und konnte suchenden Angehörigen helfen, das Schicksal ihrer Familienmitglieder aufzuklären. Ihm ist auch die Gedenkstätte zu verdanken, die an die damaligen Opfer erinnert und das Geschehen chronologisch auf Stelen verschriftlicht dem Vergessen entreißt.

In der Krankenhauskirche, die im übrigen auch eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, ist ebenfalls eine kleine, aber sehr berührende Dauerausstellung mit Dokumenten wie Briefe, Fotos und Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit zu sehen. Ich empfehle, unbedingt die Texte zu lesen, weil sie einen ganz nah ans Geschehen heranholen.

Der Nachmittag endete mit einer Kuchenrunde in Café der Kirche. Es konnten noch Fragen gestellt werden, um das Gehörte zu vertiefen und richtig einordnen zu können. Ein sehr informativer, aufschlussreicher und bewegender Nachmittag.

Der nächste Schritt wird der Besuch des Gedenkortes und Geschichtslabors am Eichborndamm in Wittenau sein. Vielleicht können wir die Patenschaft für ein Kind übernehmen und unsere gesammelten Eindrücke in einem Text über ein Einzelschicksal verarbeiten.