Archiv des Autors: Renate Zimmermann

Über Renate Zimmermann

Leidenschaftliche Fußgängerin, Bibliothekarin, Leiterin der Schreibwerkstatt Marzahn und Organisatorin von Reisen und Projekten, hier dokumentiert.

Rekord gebrochen

In meinem letzten Beitrag über die November-Schreibwerkstatt hatte ich schwer beeindruckt von 24 Teilnehmern gesprochen – einer bis dahin nie erreichten Menge an Schreibinteressierten. Heute saßen 26 junge Autorinnen und Autoren an der großen Tafel in der Artothek der Mark-Twain-Bibliothek, im Prinzip eine komplette Schulklasse, nur dass die Altersspanne sich zwischen 12 und 38 bewegte. Es ist immer wieder faszinierend, wie gut der respektvolle Umgang miteinander funktioniert!

Heute hatten wir alle unsere entstandenen Texte unter das Motto „Sehnsucht“ gestellt. Grund dafür ist ein überregionales, gemeinsames Projekt deutschsprachiger Bibliotheken. Jeder Mensch kennt das Gefühl der Sehnsucht und zu Beginn eines neuen Jahres ist der beste Zeitpunkt, diesen Hoffnungen und Erwartungen auf Neues entgegen zu spüren. Bücher und Begegnungen transportieren Sehnsucht, deshalb liegt für Bibliotheken nahe, die Frage nach der Sehnsucht in dieser ganz besonderen Zeit aufzugreifen.
Mit dem Slogan „Sehnsucht ist …“ starten jetzt zahlreiche Bibliotheken in ihr Programm 2023. Die teilnehmenden Bibliotheken entwickelten gemeinsam Ideen: Von Flaschenpost über Feldpost bis zum Speed Dating am Valentinstag, kreativen Sehnsuchts-Workshops, Lesungen, Silent Reading-Partys und vielem anderen reicht die üppige Vielfalt des Programms.

Der Beitrag der Mark-Twain-Bibliothek wird sein:

  • Ausstellung im Juli / August: “Feldpost – Zeugnisse der Sehnsucht” mit Originalbriefen, Postkarten und Malerei von Angehörigen, dazu eine Lesung oder Vortrag zum Thema
  • Erstellen eines Lesezeichens mit dem Sehnsucht-Motiv auf der Vorderseite. Die Rückseite bietet den Leserinnen und Lesern Gelegenheit, ihre Assoziationen zum Thema aufzuschreiben. Das Lesezeichen wird in jedes neue Buch gelegt, so dass es mit ausgeliehen wird. Nach Rückgabe werden beschriftete Lesezeichen entnommen und in einer Broschüre präsentiert.
  • Wenn es passt, werden die Aktivitäten der Bibliothek unter das Sehnsuchts-Motto gestellt (Schreibwerkstätten, Bastelnachmittage, Literaturstammtisch, Musikveranstaltungen)November 2023: Kreativnacht für Erwachsene zum Thema “Sehnsucht”
  • Podcast zum Thema “Sehnsucht”

So haben wir zunächst ein Akrostichon zu Sehnsucht geschrieben und danach ein Elfchen. Nach diesen Aufwärmübungen war es Zeit für einen längeren, individuellen Text, wieder inspiriert von Überlegungen, was Sehnsucht für uns bedeutet. Dabei entstanden sehr tiefsinnige, berührende Geschichten, Balladen und Interpretationen, die alle später in der geplanten Broschüre wiederzufinden sind. Es erfordert viel Vertrauen in die Gruppe, sein tiefstes Inneres offenzulegen, gerade bei solch einem Thema. Viele haben das Ergebnis vorgelesen, es wurde behutsam diskutiert und Anerkennung ausgesprochen.

Zur Schreibwerkstatt gehört auch immer eine Vorleserunde, in der zuhause Geschriebenes vorgestellt werden kann. Auffällig war dabei, dass sich fast alle Texte mit der Klimaproblematik befassten, ein Thema, dass viele umtreibt.

Bei so vielen Teilnehmern vergeht die Zeit wie im Flug, so war es dann schon 18:45 Uhr, als die traditionelle Werwolf-Jagd begann und erfolgreich für die Dorfbewohner endete. Ein sehr bereichernder Nachmittag!

Rekord

Mittlerweile haben sich die Treffen der Schreibgruppe fast verselbstständigt. Es ist direkt ein Phänomen, dass es ohne Werbung immer mehr Teilnehmer werden. So ergab es sich, dass zum letzten Schreibzirkel am 8.11. noch Tische und Stühle geholt werden mussten, um genug Platz für alle zu schaffen. 24 Interessierte versammelten sich um die lange Tafel, darunter fünf „Neuzugänge“.

Vorher aber fand schon eine Probe für unsere Storytausch-Lesung am 26.11.2022 statt, zu der wir unser neues Buch „Funkstille“ präsentieren wollen, das wir mit dem Thriller-Autor Vincent Kliesch geschrieben haben. Das Besondere an diesen jährlichen Lesungen ist, dass nicht einfach nur Textauszüge gelesen werden, sondern einzelne Situationen im Buch auch szenisch dargestellt werden. Deswegen ist ein praktischer Durchlauf immer sehr wichtig.

Somit war also die Hälfte der Anwesenden schon seit 12 Uhr da und hielten zum größten Teil auch bis zum Schluss um 18 Uhr durch. Zunächst erstellten wir zum Vornamen eines anderen aus der Runde ein Akrostichon, mit dem wir demjenigen eine kleine, heitere Persönlichkeitsbeschreibung zukommen ließen.

Danach gabs mehrere Schreibaufgaben zur Auswahl. Die meisten entschieden sich dafür, ihren Schatten zu beschreiben, der plötzlich nicht mehr ihr eigener war. Andere schrieben eine Zahlengeschichte. Die dritte Gruppe beschrieb eine Situation auf dem Dach der Bibliothek oder welche Nutzung man sich dort vorstellen könnte. Einer machte den Vorschlag, auf der Ebene der Balustrade in der 1. Etage ein Trampolin einzubauen, auf das man vom Dach aus springen könnte. Ein schöner Traum!

Cassy stellte zum Schluss noch einen eigenen Text vor, den sie zur Veranstaltung Lesenacht an der M8 im Repertoire haben wird. Er machte neugierig auf ihre anderen Texte!

Natürlich ist Schreibwerkstatt ohne Werwolf nicht denkbar, und so endete auch dieses Treffen mit einer sehr langen Spielrunde, die überraschende Wendungen zeigte.

Nun konzentrieren wir uns erst einmal auf die Storytauschlesung. Unser nächstes Treffen findet am 03.12.2022 um 14 Uhr statt.

Für alle, die auch mal am Storytausch teilnehmen wollen, ist der 14.12.2022 sehr wichtig. Um 14 Uhr besucht uns Markus Heitz, mit dem wir 2023 eine Fantasy-Geschichte schreiben werden. Mehr dazu findet ihr HIER.

Kleine Geschichten: Ansichtskarten aus Marzahn

Heute hatten wir einen Gast eingeladen, der mit einer spannenden Schreibidee zum Thema Ansichtskarten den Nachmittag bereicherte. Postkarten? Was ist das? Ben Kaden hat ganz viele mitgebracht und erklärt zunächst, wie das früher so lief mit diesem damals sehr beliebten und auch notwendigen Kommunikationsmittel.

Eine Ansichtskarte hat zunächst zwei Seiten: eine Bildseite und eine Nachrichtenseite. Auf die Nachrichtenseite kann man, eine kleine Schrift vorausgesetzt, etwa 500 Zeichen schreiben. Weniger wäre aber oft lesbarer. Das ist nicht viel. Und dennoch kann man, so die Behauptung, damit etwas erzählen.

Die Bildseite ist eine andere Geschichte, denkt man. Aber nicht notwendigerweise. Vielleicht ist sie auch nur ein anderes Kapitel derselben kurzen Geschichte.

Eine Ansichtskarte ist zugleich ein Medium der Verbreitung. Jede Nachricht einer Karte sucht ihr Publikum. Auch das ist naturgemäß sehr klein. Aber wenn es das richtige ist, ist das manchmal alles, was man braucht.

In einer kleinen Schreibsession wollen wir ausgehend vom Medium der Ansichtskarte sehr kurze Geschichten entwickeln, auf Karten schreiben und vielleicht sogar verschicken. Nun ist die Gruppe gefragt als Kartenschreiber. 20 junge Leute füllen die Rückseite von Karten mit drei verschiedenen Motiven aus. Ziel: Sie bekommen alle Adressaten und werden nachher in den Briefkasten geworfen. Die Empfänger werden staunen!

Vorgelesen wird natürlich auch. Manche haben es geschafft, erstaunlich lange Geschichten auf dem begrenzten Platz unterzubringen. Es sind sehr originelle und fantasievolle Texte entstanden.

Klein, aber fein

Mein erster Gedanke: Das ist der Tiefpunkt meiner Schreibwerkstatt-Karriere! Sonst strömen normalerweise schreibwütige Jugendliche um 14 Uhr zielstrebig in die Artothek, dem Treffpunkt der Schreibwerkstatt. Meistens reichen dann sogar die Plätze um den großen Tisch herum nicht aus. Dieses Mal saß ich mit vier Teilnehmern ratlos da. Kommt noch jemand? Diese Frage stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Ein paar Nachzügler trudelten dann tatsächlich noch ein, so dass wir am Ende zu neunt waren. Aber es stellte sich heraus, dass auch so kleine Runden ihren Reiz haben und einige Vorteile bieten. Es gibt nämlich viele Schreibspiele, die für große Gruppen ungeeignet sind, weil sie einfach zu lange dauern. Also nutzten wir die Chance und probierten das Brettspiel „Fliegende Zeilen: Ein poetisches Spiel um Sinn und Unsinn“ aus. Die fliegenden Zeilen von bekannten Dichtern und Denkern findet man in einem nummerierten Versverzeichnis. Der Spielleiter würfelt eine Aufgabe und liest sie vor. Zum Beispiel:

  • Ergänzen Sie die Zeile im Sprachduktus eines Bibelverses!
  • Ergänzen Sie die Zeile zu einem Krimi!
  • Übersetzen Sie die Zeile in Jugendsprache!

Danach muss er 3x hintereinander würfeln. Die dreistellige Zahl führt zur zu verwendenden Zeile, die folgendermaßen lauten kann:

  • wenn das Auge versteinert
  • Ich werf mich auf mein Lager hin
  • Oh Mutter, was ist Hölle?
  • Ich bin der Welt abhanden gekommen

Nun müssen die Teilnehmer in 1,5 Minuten (die Sanduhr läuft mit) die Aufgabe möglichst originell lösen. Anschließend wird vorgelesen und mittels Bewertungskarten von 1-5 vergeben die anderen für jeden Punkte. Wer am Ende die höchste Punktzahl erreicht hat, hat gewonnen. Das hat riesigen Spaß gemacht und hat sich tatsächlich über 2 Stunden hingezogen.

Noch ein schönes Erlebnis: Eine der treuen Seelen ist seit einigen Monaten in Japan. Sie hält aber den Kontakt zu den anderen Teilnehmerinnen und hat mir einen Brief zukommen lassen. Große Freude!

Er ist adressiert „An die liebreizende Renate“, was mein anfängliches Stimmungstief wieder ausgeglichen hat. Danke, Henriette!

Die nächste Schreibwerkstatt ist integriert in die Veranstaltung der Bibliothek zum Kultursommerfestival am 03.09.2022 von 10 – 14 Uhr. Genaue Informationen dazu findet man hier: https://www.berlin.de/bibliotheken-mh/aktuelles/veranstaltungen/kultursommerfestival-berlin-in-marzahn-1230282.php Alle sind herzlich dazu eingeladen, diese Zettel mit Poesie zu füllen und unter Anleitung von Antonia Isabelle Weisz ein Text-Gebinde zu gestalten, das sich inhaltlich auf die Bibliothek bezieht. Draußen auf dem Platz gibt es dazu mitreißende Musik zu hören.

Endlich mal wieder in der Bibliothek übernachten!

Anfang Juli fand von Samstag zu Sonntag die Schreib- und Spielenacht in der Mark-Twain-Bibliothek statt. 25 junge Menschen hatten großen Spaß beim kreativen Schreiben, Mitternachtslesung, Werwolf spielen und zocken. Erstaunlich war, dass die große Mehrheit lieber Schreibspiele machte statt Konsolenspiele. Einige haben die Nacht durchgemacht, manche sind aber irgendwann in komatösen Schlaf gesunken. Nach dem gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen gingen alle müde, aber glücklich nach Hause.

Meinungen der Teilnehmer:
“Mir hat an der Schreibwerkstatt sehr gefallen, dass wir alle so viel zusammen gemacht haben (z.B. der Workshop, Werwolf spielen, etc.) und keiner Angst haben musste, ausgegrenzt zu werden. Außerdem fand ich das gemeinsame Frühstück am nächsten Tag sehr schön.”
“Diese Nacht war nicht nur eine Schreibnacht, sondern hat die Jugendlichen auch spielerisch zusammengebracht. Von den vielen glücklichen Gesichtern, die ich in dieser Nacht gesehen habe, werde ich wahrscheinlich keines so schnell vergessen. Vielen Dank für diese tolle Organisation.”
“Es war ein tolles und schönes Erlebnis, bei dem man mit Menschen, die ähnliche Interessen verfolgen, zusammen sitzen, diskutieren und schreiben kann!”

HIER gibts viele Schnappschüsse von der Schreibnacht.

Kleine Jugendbuch-Messe

Am 4. Juni veranstaltete die Schreibwerkstatt eine Art Buchmesse. Geboren wurde die Idee, als klar war, dass auch in diesem Jahr die Leipziger Buchmesse wieder ausfallen wird. Daraufhin meinte ein Teilnehmer: „Dann machen wir eben unsere eigene Buchmesse!“ Gesagt, getan. Wir schrieben ganz viele Verlage an, ob sie uns Werbematerialien zuschicken könnten und tatsächlich bekamen wir daraufhin ganz viele Pakete mit Lesezeichen, Flyern, Buchkatalogen, Plakaten, Aufklebern und sogar Büchern. Es war also alles gut vorbereitet. Die Jugendlichen freuten sich darauf, mit den Leserinnen und Lesern über Bücher sprechen zu können, Lesestoff zu tauschen oder zu vertrödeln. Wir sagen DANKE für die großartige Unterstützung von Rose Snow – Anna Pfeffer, Gerstenberg Verlag, Loewe Verlag, Südpol Verlag, Thienemann-Esslinger Verlag, Arena Verlag, Ernst Klett Verlag, Magellan Verlag, TESSLOFF VERLAG, Kindermann Verlag Berlin, Buchverlag Kempen, Ueberreuter Verlag GmbH u.v.m.

Neue Dorfbewohner

Die April-Schreibwerkstatt war eigentlich eine Spielwerkstatt, zumindest zur Hälfte. So ausgiebig habe wir schon lange nicht mehr Werwolf gespielt. Drei neue Teilnehmer wurden gleich ins Dorf integriert, wobei sich darunter tatsächlich ein Werwolf geschmuggelt hatte.

Aber vorher haben wir auch ein bisschen geschrieben. Zum Aufwärmen versuchten wir, mit immer denselben vier Wörtern verschiedene Sätze zu bilden.

Danach dachte sich jeder nach einer Vorlage zwei Personenbeschreibungen aus, suchte sich einen Partner ließ dessen Figuren mit den eigenen gemeinsam agieren. Die daraus entstandene Handlung wurde mündlich vorgetragen. Ich habe alles mitgeschnitten und versuche, daraus eine Podcast-Folge zu gestalten.

Volles Haus

Es wird immer noch unterschätzt, wie viele junge Menschen in ihrer Freizeit schreiben. Die Formate sind dabei sehr vielfältig. Von Kurzgeschichten, Gedichten, Romanen bis hin zu Briefen als Kommunikationsmittel mit den Eltern ist alles dabei. Diejenigen, die letztendlich den Weg in unsere Schreibgruppe finden, sind vermutlich nur ein Bruchteil davon. Manche bleiben dann über Jahre treue Mitglieder, andere schauen nur mal kurz vorbei und gehen dann andere Wege. Auf jeden Fall merke ich immer wieder, wie wichtig dieses Angebot ist, zumal es nicht allzu viele derartige Möglichkeiten gibt, sich live mit Gleichgesinnten auszutauschen und gemeinsam vielerlei Projekte zu stemmen. Zur Märzwerkstatt fanden sich mehrere neue und insgesamt 23 junge Autorinnen und Autoren ein, zwei davon kamen wegen Corona online dazu.

Nach der Vorstellungsrunde mussten zunächst organisatorische Dinge besprochen werden:

  • Storytausch 2022 mit Vincent Kliesch
  • das Angebot, kostenlos am bundesweiten Treffen der Literanauten in Bad Hersfeld teilzunehmen
  • Einreichung eines Projektes und Beantragung von Fördermitteln über den Kinder- und Jugendbeteiligungsfonds, verbunden mit der Teilnahme an der Jugendjury. Nachdem wir so in den vergangenen vier Jahren schon erfolgreich Schreibreisen nach Eisenhüttenstadt und Prora, unseren Imagefilm und das Projekt „Unwertes Leben“ finanziert hatten, waren sich alle schnell einig – wir machen wieder mit und einigten sich auf eine Reise auf den Spuren der Gebrüder Grimm.
  • Organisation einer kleinen Marzahner Buchmesse für Jugendbücher am 04.06.2022 in der Mark-Twain-Bibliothek. Geplant sind Tauschbörsen, Buchvorstellungen und Lesungen.

Danach gings endlich los mit Schreiben und zwischendurch natürlich Essen und Trinken.

Die erste Schreibaufgabe war eines der beliebten Umknickspiele: Jeder schreibt einen Satz und reicht das Blatt an seinen Nachbarn. Dieser schreibt einen zweiten Satz, knickt den ersten nach hinten weg und reicht das Blatt weiter. Da wir eine große Runde waren, dauerte das ein Weilchen. Das anschließende Vorlesen war von großer Heiterkeit geprägt, denn auf diese Art und Weise entstanden sehr witzige Texte, die hier nachzulesen sind:

Wenn so viele Mitwirkende vorlesen, ist ganz schnell eine Stunde rum. Deswegen gabs danach nur noch eine weitere Schreibaufgabe – setze die Personen auf dem Foto in Beziehung zueinander und schreibe einen Text dazu:

Und schon war es 17:30 Uhr. Einige verabschiedeten sich, andere blieben noch zum Werwolfspiel, das die Spielleiterin im Turbogang durchpeitschte.

Meine persönlichen Highlights: Einer der Teilnehmer – ein stiller Junge und auch erst zum zweiten Mal dabei, verabschiedete sich mit den Worten: „Hat Spaß gemacht!“ Und von einem Mädchen bekam ich einen leuchtend gelben Frühlingsstrauß überreicht, der jetzt mein Wohnzimmer schmückt.

Ein bisschen Wehmut verursachte die Nachricht einer langjährigen Teilnehmerin, dass sie sich nun bis Oktober nach Japan verabschiedet. Für mich traurig, denn sie verhalf mir oft in der Runde zu Gehör, wenn mich mal wieder niemand beachtete 😉 Aber ich freue mich auch für sie, denn sie hatte wegen Corona schon so lange darauf warten müssen.

Klein, aber fein

Das Februar-Treffen der Schreibwerkstatt unterschied sich von den sonst üblichen in mehrerer Hinsicht. Es war eine ungewöhnlich kleine Runde, durch Geburtstagsfeiern und andere Gründe war die Stammbesetzung fast komplett verhindert. Dafür gab es aber gleich drei Neue, die den Nachmittag mit ihrer Teilnahme bereicherten. Schon lange nicht mehr wurde so konzentriert gearbeitet. Die Stille im Raum während der Schreibphasen war fast ein bisschen unheimlich, denn sonst geht es viel lauter und unruhiger zu. Es wird geschwatzt, gelacht und gefuttert, doch dieses Mal war es wie im Deutschunterricht und ich fühlte mich wie eine Lehrerin, vor der alle größten Respekt haben. So richtig konnte ich damit gar nicht umgehen, obwohl dadurch die Resultate der Schreibübungen nicht zu toppen waren. Und noch eine Merkwürdigkeit gab es: so gut wie alle Naschereien blieben unberührt! Ich denke aber, das wird eine Ausnahme bleiben oder besser gesagt: ich hoffe es!

Womit haben wir uns beschäftigt? Nach einer Aufwärmübung (Umknickspiel) suchte sich jeder aus mehreren Fotos von außergewöhnlichen Personen zwei aus, um diese in einer Geschichte miteinander in Beziehung zu setzen. Das war nicht immer einfach, aber nach anfänglichen Schwierigkeiten kamen schließlich alle in den Schreibflow. Folgende Paare wurden ausgewählt:

Einer der neuen Teilnehmer stellte zum Schluss noch eine mit eigenen Illustrationen bewundernswert liebevoll in Szene gesetzte Geschichte vor, über die anschließend diskutiert wurde. Was mich besonders gefreut hat – es gab mal wieder eine Runde Werwolf, die zudem erfrischend forsch moderiert wurde. Nun bin ich auf die März-Werkstatt gespannt. Kommen unsere drei Neuen wieder? Ich bin zuversichtlich!

Märchenstunde

Das Schreibtreffen am Vorabend des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit begann mit einem Geburtstagsständchen für mich. Aus 18 Kehlen schmetterte es mir entgegen: „Happy Birthday to you!“ Geistesgegenwärtig nahm ich diesen Chorus mit meinem Diktiergerät auf, um die Hymne hier in meinem Blog zu verewigen. Leider verließ mich diese Be“geist“erung kurz darauf wieder und ich löschte die Aufnahme aus Versehen. So kann ich also an dieser Stelle nur schwören, dass es sich so zugetragen hat inklusive Überreichung eines Geschenkes von Vic und Henriette. Dafür allerdings habe ich Beweisfotos:

Das Memoryspiel hats in sich und hilft mir bestimmt bei der Wiederbelebung meiner geistigen Beweglichkeit. Es werden nicht klassischerweise zwei identische Bildchen zusammengesucht, sondern Kartenpaare, die mit zusammengesetzten Substantiven beschriftet sind, die wiederum „geschüttelt“ wurden (siehe Foto). Ich habe es schon mit großer Freude gespielt.

Trotz räumlicher Widrigkeiten (statt Fenster versperren momentan Staubschutzfolien den Blick auf die grüne Dachterrasse) hatten wir wieder viel Spaß. Nach einer mündlichen Runde (auf eine Ja- / Nein-Frage ohne Ja oder Nein antworten) hatten wir kurz die Künstlerin Barbara Klinker zu Gast, die zur Teilnehmergewinnung ein spannendes Projekt vorstellte namens „Urban Sound Marzahn“:

Danach widmeten wir uns dem Thema Märchen. Nicht jedermanns Metier, aber es entstanden sehr originelle Texte. Am 26.10.2021 um 16 Uhr sind wir eingeladen, den 10. Geburtstag des Inklusionstheaters im Freizeitforum Marzahn mitzugestalten. Dort werden dann einige der heute entstandenen Kurzmärchen vorgelesen. Deren Text wird hier noch nicht verraten, aber es folgen andere Beispiele:

Organisatorische Dinge mussten auch besprochen werden. Vom 14. – 17. Oktober begibt sich ein Teil der Schreibwerkstatt auf Schreibreise nach Prora. Finanziert wird diese in der Hauptsache mit Mitteln aus dem Jugenddemokratiefonds.

Am 27.11.2021 findet die Abschlusslesung des diesjährigen Storytausches mit Franziska Hauser statt und am 11.12.2021 holt Iny Lorentz die im letzten Jahr ausgefallene Lesung nach.

Unser nächster Storytauschautor für 2022 heißt Vincent Kliesch. Er schreibt Krimis und Thriller. Mal schauen, ob auch unser nächstes Buch kriminalistische Elemente enthält!

Zum Schluss trieben wie üblich wieder die Werwölfe ihr Unwesen. Es wurde ein harter und fast 1,5-stündiger Kampf ausgetragen, doch zum Schluss siegten die Guten – nämlich die Dorfbewohner.

Am 6. November treffen wir uns ausnahmsweise schon um 10 Uhr zum Schreibfrühstück.