Archiv des Autors: Renate Zimmermann

Über Renate Zimmermann

Leidenschaftliche Fußgängerin, Bibliothekarin, Leiterin der Schreibwerkstatt Marzahn und Organisatorin von Reisen und Projekten, hier dokumentiert.

Fontane contra Werwolf

 

Nach dem Warmschreiben mit einem Text, der durch sogenannte Störsätze immer wieder neu ausgerichtet werden muss, kommt die Idee auf, einen Klassiker in die heutige Alltagssprache zu „übersetzen“. Die Wahl fällt anlässlich des Jubiläumsjahres auf Fontane. Schnell sind seine vielen Erzählungen und Romane aus dem Regal geholt und jeder wählt ein Buch aus. Angedacht ist, die erste Seite genauer unter die Lupe zu nehmen. Schnell macht sich Ratlosigkeit breit – so viele fremde Wörter, so lange Schachtelsätze, endlose Beschreibungen von Schauplätzen. Stilles Blättern, Stirnrunzeln, leises Stöhnen. Nach unbekannten Begriffen googeln. Aber dann schreiben plötzlich alle, erst zögerlich, dann immer flüssiger und am Ende bereit, den neuen mit dem alten Fontane zum Vergleich vorzulesen.

Andreas – Theodor Fontanes Cécile

Renate – Theodor Fontanes Effi Briest

Johanna – Theodor Fontanes Grete Minde

weitere Texte folgen…

20190504_151427

 

Das Werwolf-Spiel wurde auf das nächste Treffen verschoben.

Langeweile – was ist das?

Kaum ist ein Projekt beendet, kommt schon das nächste um die Ecke. Und das ist gut so! Wir wollen uns auch in diesem Jahr wieder um Mittel aus dem Jugenddemokratiefonds bewerben. Mit diesem Geld planen wir eine Fahrt nach Beelitz-Heilstätten und damit verbunden ein Schreibprojekt über Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus. Es läuft unter dem Titel:

Unwertes Leben: Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus

In der heutigen Schreibwerkstatt sprachen wir auch über den diesjährigen Storytausch:

 Post aus Kasachstan

Thomas Brussig schrieb uns: „…die Mühlen bei Gericht mahlen langsam, erst recht in vorderasiatischen postsowjetischen Halbdiktaturen (wo bekanntlich Grazyna Lubinski schmachtet)…“ Wir sind alle gespannt, wie es nun weitergeht!

Was haben wir noch geplant?

  • Wir nehmen am 19. Mai teil an der Woche der Sprache und folgen einer Einladung zum Literarischen Kiezspaziergang auf der Mierendorff-Insel
  • Am 09.06.2019 findet in den Gärten der Welt ein „Rendezvous im Garten“ statt mit dem Titel: „Lesereise mit Saitenblicken“. Wir wurden engagiert für die Durchführung von kleinen Schreibworkshops für die Besucher*innen und Lesung kurzer Texte unter dem Motto „Tiere im Garten“. Darauf freuen wir uns schon sehr!
  • Ganz fest eingeplant und im Kalender rot markiert ist die legendäre jährliche Schreibnacht in der Bibliothek. Sie findet dieses Jahr vom 27.07. – 28.07.2019 statt.

Fazit: Bei uns ist immer was los!

Werwolf geht immer!

Egal, womit wir uns in der Schreibwerkstatt beschäftigen – ohne Werwolf fehlt was ganz Essenzielles. Deswegen endete unser gestriges Treffen wie fast immer mit Liebespaaren, Obdachlosen, Bürgermeistern, Hexen, schielenden Mädchen, Sirenen, Jägern und Werwölfen. Letztere konnten sogar zweimal erfolgreich eliminiert werden.

Vorher versuchten wir uns an dramatischen Texten und automatischem Schreiben. Wir konnten auch ein neues Mitglied in unserer Runde begrüßen.

Nun freuen wir uns alle auf den Besuch der Leipziger Buchmesse am 24.03.2019. Da wir viele Interessierte gewinnen konnten, wird extra für uns ein Reisebus am Freizeitforum Marzahn vorfahren und uns dort auch am Abend wieder absetzen. Sollte noch jemand mitfahren wollen, dann bitte ganz schnell Kontakt aufnehmen über die Mailadresse zimmermannfrau@gmail.com

Schreibwerkstatt ohne Schreiben

Das Februar-Treffen verlief mal ganz anders als gewohnt. Wir tasteten uns ganz langsam heran an das Schreiben für die Bühne. Was muss eine Figur alles mitbringen, um einen Plot mit Leben und Spannung zu füllen? Wie entsteht so eine Figur? Welche Methoden gibt es, eine Story zu entwickeln? Wie aus dem Nichts haben wir in unseren Köpfen Schauspieler auf eine imaginäre Bühne gezaubert und diese interagieren lassen.

Am 22.02.2019 findet im Literarischen Colloquium zum vierten Mal die Hafenrevue statt. Zweimal war die Mark-Twain-Bibliothek schon Teil des immer sehr abwechslungsreichen Programms. Dieses Jahr werden vier Teilnehmer der Schreibwerkstatt ihre Texte dem Publikum vorstellen.

h4.poster.online-klein

Wir nutzten den Nachmittag zur Vorbereitung, Textüberarbeitung und Sprechtrainung.

Nach einer Pause hatten wir großen Spaß mit dem Spiel „Bring your own Book“.

20190202_182154.jpg

Jeder schnappt sich ein beliebiges Buch. Der Spielleiter sucht aus den Karten eine Aufgabe aus und liest sie vor. Nun müssen alle in ihren Büchern eine Textstelle finden, die dazu passt. Wer meint, sie gefunden zu haben, ruft „Stopp!“, ab da läuft die Eieruhr für den Rest. Dann müssen alle vorlesen und der Spielleiter entscheidet, wer die Runde gewonnen hat. Sehr unterhaltsam, aber nicht zu toppen von „Werwolf“, mit dem der Nachmittag zu Ende ging.

Meteopoetologie

Wieder was dazugelernt! Meteopoetologie ist die Beschäftigung mit Wetterbeschreibungen in der Lyrik, erfuhr ich aus dem letzten Marzahn-Hellersdorfer Tagespiegel-Newsletter von Ingo Salmen. Dort berichtete er von einem Wettergedicht seines Steglitz-Zehlendorfer Kollegen, das Marzahn-Hellersdorf symbolisch in tiefe Finsternis stürzt und rief zum Protest auf. Am besten natürlich mit einem Gegengedicht. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und machten uns heute im Schreibzirkel gleich an die Arbeit. Da es alle nicht so gut fanden, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, wurde beschlossen, komplett alle Stadtbezirke mit ihren Klischees zu beschreiben. Also legten wir los und waren auch ganz schnell mit den 11 anderen fertig. Komischerweise fiel uns bei Marzahn-Hellersdorf partout nichts Schlechtes ein! 😉 Deswegen war es der einzige Stadtbezirk, der gut dabei wegkam. Doch lesen Sie selbst:

Meteopoetologie

Gedanken der Schreibwerkstatt Marzahn zum Wetter in Berlin

Charlottenburg-Wilmersdorf
Die Gegend lässt jeden zittern und zagen,
weil ihn dort Verbrecher jagen.

Friedrichshain-Kreuzberg
Kälte setzt die Leute fest,
Häuser werden drum besetzt.

Lichtenberg
Lichtenberg? Wo ist das Licht?
Durch den Regen sieht man ́s nicht.

Mitte
In Mitte weht exotischer Wind,
weil dort die ganzen Touris sind.

Neukölln
Die Sicht ist trüb, am Wetter liegt ́s nicht,
der Nebel aus der Shishabar kriecht.

Pankow
Wir schauen noch oben, der Himmel ist klar,
doch wir sehen nur die Helikopter-Mama.

Reinickendorf
In Reinickendorf hört man oft Donner,
leider ist dort niemals Sommer.

Spandau
Willst du anderes Wetter sehen,
musst du auf Reise nach Spandau gehen.

Steglitz-Zehlendorf
Ob der Himmel blau ist oder nicht,
Gucci-Sonnenbrillen sind Pflicht.

Tempelhof-Schöneberg
Das Tempelhofer Feld ist kahl,
dort braucht jeder einen Schal.

Treptow-Köpenick
Wenn die erste Schneeflocke fällt,
ist Köpenick abgeschnitten von der Welt.

Marzahn-Hellersdorf
Die Sonne scheint, das Herze lacht,
da hab ́ ich an Marzahn gedacht.

Vorher allerdings trafen wir uns, um für die bevorstehende Storytauschlesung zu proben. Wer muss wo stehen, welches Gesicht machen, was vorlesen, wann die Position an welche Stelle wechseln usw. Am meisten gespannt bin wahrscheinlich ich selbst, ob alles so funktioniert wie geplant. Auch weitere zukünftige Projekte wurden besprochen. Wir wollen uns auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder beim Jugendbeteiligungsfonds um Fördermittel bewerben und eventuell Lost Places zum Forschungsgegenstand machen. Auch der Aufruf zur Beteiligung von denk!mal ’18 des Abgeordnetenhauses Berlin reizt uns zur Teilnahme und ist in Planung.

Eine weitere Schreibaufgabe bestand darin, zwei Gegenstände im Raum unsterblich miteinander zu verlieben. Einer davon schreibt einen schmachtenden Liebesbrief an seine / seinen Angebeteten, ohne Namen zu nennen. Die Briefe wurden anschließend vorgelesen und die anderen mussten erraten, wer in wen verliebt ist. Lustig war, dass sich drei Teilnehmer zufälligerweise dieselbe Figur ausgewählt hatten.

Wie immer folgte als krönender Abschluss das Werwolfspiel, das den Spielleiterinnen alles abverlangte, da die Dorfbewohner und auch die Wölfe sich ziemlich aufsässig verhielten.

Nun freuen wir uns auf den 15.12. – die Storytauschlesung, das Highlight des Jahres!

Die Spuren von Jerusalem

Nachdem ein Teil der Schreibwerkstatt am Mittwoch aus Israel zurückgekehrt war, wollten die anderen natürlich wissen, was wir alles erlebt und gesehen haben. Deswegen gabs heute erst einmal viele Fotos und Videos zu sehen mit Erläuterungen und kleinen Anekdoten. Schade, dass nicht alle mitkommen konnten!

Da wir ja eine Schreibwerkstatt sind, stellte ich nun zwei Ideen als Schreibanregungen zur Auswahl.

  1. Stell dir vor, jedes Mal, wenn du deine Wohnung betrittst, fehlt ein Zimmer oder es kommen Zimmer dazu.
  2. Frauen dürfen nur 100 Worte pro Tag sprechen, danach gibt es bei jedem weiteren Wort Stromstöße. Wie wirkt sich das aufs alltägliche Leben aus?
  3. Kann man mit einem Wort einer Situation eine völlig neue Wendung geben?

Es war interessant, wie intensiv alle darüber nachdachten, welche Wörter sie für die 100 wichtigsten halten und auf die sie nie verzichten würden.  Einer widmete sich Aufgabe 3 und kam zu dem Schluss, dass „Frieden“ alles ändern könnte. Manche schrieben auch über die sich verändernde Wohnung. Hier ein paar Beispiele in Zwergenschrift:

 

Scan_0002

 

 

Scan_0001

Aus Jerusalem haben wir ein Spiel mitgebracht, das uns dort großen Spaß gemacht hat. Die Gruppe stellt sich in zwei Reihen mit dem Gesicht zueinander auf. Eine Reihe hält Blätter in der Hand, die gegenüberliegende bunte Stifte.

Nun fängt jeder an, auf dem Blatt des Gegenübers diesem Menschen zu malen. Doch kurz darauf ertönt ein Ruf: „Weiter!“ Nun muss man zum Nächsten wechseln, bis man überall war. Dann ist die andere Reihe dran. Die Ergebnisse sind immer äußerst beeindruckend 🙂 So auch heute:

Und zum Schluss wurde natürlich noch Werwolf gespielt.

„Zeit in Vielfalt – Worte aus der Nacht gepflückt“: Lese- und Schreibnacht für Erwachsene unter Mitwirkung von Antonia Isabelle Weisz

Übernachten in der Bibliothek? Auch in diesem Jahr ließen sich wieder abenteuerlustige Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspirieren vom Geist der Bücher und der Stille der dunklen Nacht.  Begleitet wurden sie dabei wieder von der Ethnologin / Autorin / Künstlerin / Poetischen Spielraumeröffnerin Antonia Isabelle Weisz.

Dieses Jahr ging es um das Thema: Zeit in Vielfalt. Denn jeder Tag ist 24 Stunden lang, aber unterschiedlich breit, so hat es der Kabarettist Wolfgang Neuss einmal festgestellt. Als Einführung wurden am Abend kurze inspirierende Texte zum Thema gelesen. Denn Zeit begleitet uns Menschen von Geburt bis zum Tod. Wir bekommen, gewinnen, sparen, leisten sie uns, bis sie wieder vergeht. Dabei ticken im digitalen Computerzeitalter von Druck und Stress, die Zeitanzeiger, besonders laut. Während die Mitmenschen draußen schliefen, hielten die Mitwirkenden einen Moment inne und beschäftigten sich eine Nacht lang mit der kostbaren Zeit, um dabei vielleicht für eine kurzen Moment die Uhr aus den Augen zu verlieren. Eine gute Möglichkeit, den Begriff mit Abstand zu betrachten und die Perspektive zu wechseln. In unterschiedlichen poetischen Formen wurden eigene Gedanken zu Papier gebracht. Mit den Anderen verbunden, entstand auf diese Weise eine Poetische Collage. Ein bleibendes Werk für die Bibliothek, aus einer kreativen Nacht.

 

Musikalisch begleitet auf ihrer Reise durch die Nacht wurden die Teilnehmer von Mr. Pianoman Thomas Krüger, der an diesem Abend auch etwas zu feiern hatte – nämlich den 100.000. Abonnenten seines Youtube-Kanals.

Vielen Dank an alle Mitwirkenden!

Hier gehts zum Fotoalbum mit weiteren Videos und Bildern…