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31. März 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Dahlem) | Freie Universität, Thielpark, Metropolitan Gardens, nochmal Rudolf Steiner, eine freundliche alte Dame und Sarah, meine Begleiterin

„Im Frühjahr kehrt Wärme in die Glieder zurück.“ (Vergil) – Kalenderspruch des Tages“

Von Wärme in den Gliedern kann heute nun wirklich nicht die Rede sein. Obwohl ich ausnahmsweise absolut passend gekleidet bin, habe ich schon nach wenigen Minuten das Gefühl, durch ein Polargebiet zu wandern. Sarah, meine heutige Mitläuferin, Freundin und ehemalige Kollegin, versteht das nicht. Für ihr Wohlgefühl herrscht das perfekte Wetter und sie freut sich schon auf ein Eis, während mir eher nach Glühwein zumute ist. Doch diese Befindlichkeiten schieben wir schnell beiseite und beschließen mit einem Blick auf unser Laufgebiet, zunächst westlich der Thielallee zu beginnen.

Bevor ich davon zu erzählen beginne, muss ich unbedingt noch einen Nachtrag zu Freitag einfügen. Mir ist nämlich erst heute durch Zufall ein Versäumnis bei meiner Recherche zur Podbielskiallee 25/27 aufgefallen. Das Gebäude, in dem sich jetzt Rechtsanwaltskanzleien befinden, war im Dritten Reich einer der Orte, an dem der „Generalplan Ost“ akribisch vorbereitet wurde („Rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Grundlagen des Ostaufbaus“). Hinter diesem zunächst harmlos klingenden Arbeitstitel verbarg sich die „rassische Neuordnung Europas“, das heißt, Genozid und „Entvölkerung“ großer Teile Polens, der Ukraine, Weißrusslands und Russlands, Ermordung von bis zu 50 Millionen Slawen aus Bevölkerungsgruppen, die für eine zukünftige Siedlungsstruktur als „nicht geeignet“ angesehen wurden, Nutzung der bestehenden Konzentrationslager für Massenmorde und Zwangsarbeit und die deutsche Kolonisierung und „Germanisierung“ der entvölkerten Gebiete in Ostmittel- und Osteuropa. (Quelle: Wikipedia). Treibende Kraft war Prof. Dr. Konrad Meyer, der zeitgleich im Institut Im Dol 27/29 die „Entjudung deutschen Kulturbodens“ plante (Bild 2). Zum Volltext des Plans. Diesen Umstand muss ich unbedingt noch erwähnen, denn wie es auch schon Wolfgang Wippermann im Nachwort des Buches „Dahlemer Erinnerungsorte“ betont, scheint es in Dahlem teilweise so eine Art Erinnerungsverweigerung zu geben. Sicher nicht nur dort. Er war deutscher Historiker und außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der FU und hatte viele Kritiker, was man in dem sehr interessanten Wikipedia-Artikel über ihn nachlesen kann. Auf viele wichtige Personen, die sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten, würde man nirgends einen Hinweis finden und auch umgekehrt würde an Orte verbrecherischen Geschehens nicht erinnert. In Bezug auf diese beiden Gebäude kann ich ihm nur rechtgeben:

Weil es thematisch dazugehört, möchte ich hier eine Station unserer heutigen Tour vorwegnehmen, nämlich das Haus in der Gelfertstraße 11. Hier befand sich die Publikationsstelle Berlin-Dahlem, die zunächst direkt dem Preußischen Geheimen Staatsarchiv unterstellt war. Sie wurde 1931 auf Initiative von Albert Brackmann gegründet, der als Generaldirektor der preußischen Staatsarchive eine wichtige Leitungsrolle einnahm. Die Aufgabe der Publikationsstelle bestand in der Beobachtung und Bewertung der polnischen wissenschaftlichen Forschung über die deutschen Ostgebiete. Brackmann betonte, sie solle „wesentlich nur den Problemen des deutschen Volkstumskampfes gelten“ und sei für die Auseinandersetzung mit Polen gedacht. Seit 1938 war die Villa in der Gelfertstraße Dienstsitz der Publikationsstelle. Ausführliche Informationen dazu mit all den Verstrickungen und Angliederung an die Abteilung III des Reichssicherheitshauptamtes findet man HIER.

Nachdem wir uns wieder mal über die witzigen Sitzgelegenheiten auf dem U-Bhf. Dahlem amüsiert haben, wenden wir uns auf der Königin-Luise-Straße nach links. Ich winke der St. Annen-Kirche gegenüber zu, wir bewundern das stattliche Gebäude der Evangelischen Kitas Berlin-Dahlem und eine Litfaß-Säule, die auch schon mal bessere Tage gesehen hat.

Weil sie eine Tür hat, fällt mir das Kinderbuch „Moritz in der Litfaß-Säule“ ein, das meine Kinder geliebt haben und das auch verfilmt wurde. So viel anders sieht sie auch gar nicht aus, oder?

Sarahs Appetit auf Eis ist ein Dauerzustand, der ihre Schritte automatisch dorthin lenkt, wo diese Köstlichkeit zu vermuten ist. Dagegen ist sie völlig machtlos! Wie groß muss ihre Enttäuschung gewesen sein beim Anblick dieses Aushangs an der Eisdielentür! Auch die Eule davor findet das nicht lustig:

Wir biegen nun links ab in das Gebiet westlich der Thielallee und landen zunächst im Bachstelzenweg. Hier fällt uns ein relativ neuer Schulbau auf, die Erich-Kästner-Grundschule. Eltern sollen möglichst schnell morgens weiterfahren, wenn sie ihre Kinder vor die Tür chauffiert haben. Die Schule wurde 1965 gebaut nach Plänen von Peter Lehrecke und ist die Nachfolgerin der ersten Dahlemer Schule, der Volksschule in der Lansstraße. Erich Kästner stimmte zu, Namenspatron der Schule zu werden, allerdings mit dem Wunsch, dass der Schulname ohne Bindestriche geschrieben wird. Tja, wünschen kann man sich viel:

Nun folgen viele kleine Straßen mit Namen wie Am Schülerheim (basierend auf den Internatshäusern des Arndt-Gymnasiums), Kuckucksweg, Musäusstraße, Bitterstraße, Im Schwarzen Grund, Auf dem Grat, Gelfertstraße, mit einer Bebauung aus historischen Landhäusern und Villen mit viel Charme, aber auch modernen Stadtvillen dazwischen, die samt Zaun porentief rein zu sein scheinen. Die Frühlingssträucher wie Forsythie, japanische Kirsche und Rhododendron blühen um die Wette und geben dem Straßenbild einen erfrischenden Anstrich. Auf einigen Baustellen wird in vielen Sprachen außer deutsch fleißig gearbeitet. Es folgen jetzt ein paar Schnappschüsse von Häusern, die uns besonders aufgefallen sind:

Vor dem Bachstelzenweg 17 entdeckt Sarah Stolpersteine für Regina und Max Zellner. Regina Luise Stern wurde 1885 in Berlin geboren. 1909 heiratete sie den Arzt Max Zellner. Er wurde 1876 in Ostrowo geboren und studierte zunächst Jura, später Medizin. 1901 promovierte er in Freiburg und ließ sich danach als Arzt in Berlin nieder. Das Paar lebte zunächst in verschiedenen Berliner Wohnungen und adoptierte 1919 die Tochter Stefanie. 1932 zog die Familie in ihr Haus im Bachstelzenweg 17 in Dahlem. Nach 1938 verlor Max Zellner seine Approbation; kurz darauf mussten beide ihr Zuhause verlassen und in eine kleinere Wohnung am Hohenzollerndamm ziehen. Während der Fabrikaktion wurden Regina und Max Zellner verhaftet und am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden. Max Zellner 1909 heiratete er Regina Stern; die gemeinsame Tochter Stefanie kam 1919 zur Welt.

Ab und zu streifen wir die Thielallee, und auch der Thielpark ist ein wunderschönes Fleckchen Erde.

In vielen Gärten stehen Kunstwerke und Skulpturen, die unsere Blicke auf sich ziehen:

Da aus diversen Gründen ab und zu eine Pause nötig ist und wir gerade wieder in der Königin-Luise-Straße stehen, statten wir dem Alten Krug einen Besuch ab. Eine gute Gelegenheit, mich mit einem Heißgetränk wieder aufzutauen, während Sarah nach irgendwas mit Eis verlangt. Im Nebenzimmer brennt Feuer in einem richtigen, offenen Kamin, das Ambiente ist total gemütlich, die Bedienung sehr freundlich – wieso bleiben wir nicht einfach hier?

Letztendlich treibt uns der Entdeckerdrang dann doch wieder hinaus in die Kälte, und auch die schwarze Regenwand kann uns nicht aufhalten. Im Föhrenweg sticht aus der Nachbarschaft freundlich anmutender Häuschen aus den vermutlich 1930er Jahren ein Objekt heraus, das schon durch seinen Anblick und die Fenster deutlich macht: „Ich bin kein Wohnhaus!“ Es wirkt dermaßen abwehrend und unsympathisch, dass wir ein bisschen genauer hinschauen. Am Zaunpfeiler hängt ein Schild mit dem Hinweis auf eine Physiotherapiepraxis, rechts neben dem Haus blicken wir in einen weitläufigen Garten. Dann erinnere ich mich, dass ich über dieses Areal schon etwas gelesen hatte und rufe: „Jetzt weiß ich es wieder! Das ist die Keitel-Villa!“ Da Sarah und mich altersmäßig Lichtjahre trennen, kann sie mit dem Namen Keitel natürlich nichts anfangen und mein Halbwissen gibt auch nur noch her, dass hier früher die Wehrmacht einen Standort hatte und später der BND.

Nachträgliche Recherchen ergeben, dass das Gebäude in den 1930er‑Jahren als Teil eines Gefechtsstandes des Oberkommandos der Wehrmacht errichtet wurde. Es wirkt straßenseitig zweigeschossig, umfasst aber tatsächlich vier Ebenen, darunter bunkerartige Untergeschosse mit dicken Betonwänden und einem Fluchttunnel. Nach 1945 nutzten zunächst US‑Geheimdienst und Militärmission das Haus, später gemeinsam Amerikaner und BND. Trotz Umbauten blieb viel Originalsubstanz erhalten. Seit 2009 wurden spätere Veränderungen weitgehend zurückgebaut. Heute gehört das Gebäude zum riesigen Gelände der Rudolf‑Steiner‑Schule, das von drei Straßen begrenzt wird – dem Föhrenweg, Auf dem Grat und der Clayallee. Auf der Seite der Landesdenkmalamtes und auch Wikipedia erfährt man natürlich noch viel mehr über die Nutzungsgeschichte dieses unter Denkmalschutz stehenden Hauses. Steht man aber ahnungslos direkt davor, weist nichts darauf hin, was ich sehr merkwürdig und schade finde.

Auf der Clayallee direkt gegenüber wirbt unübersehbar das Alliiertenmuseum für einen Besuch, doch der steht erst Ende April auf meinem Plan. Wir machen aber trotzdem einen kleinen Schlenker übers Gelände, was – wie sich gleich herausstellt – eine weise Entscheidung ist. Die Regenwolke hat sich nämlich herangepirscht und entleert sich direkt über uns, während wir unter einem Dach Schutz suchen. Das wird uns nun in den nächsten Stunden noch öfter passieren.

Ein Stückchen weiter bestaunen wir eine sehr beeindruckende Figurengruppe mit fünf lebensgroßen Pferden, erschaffen von der Künstlerin Veryl Goodnight. Sie trägt den Namen „Der Tag, an dem die Mauer fiel“. Die Pferde springen über Fragmente der Berliner Mauer, was symbolisch für den Wunsch nach Freiheit und die Überwindung von Trennung steht.

Jetzt ist Mittagspause, beschließen wir und zum dritten Mal besuche ich den Edeka-Backshop in der Truman Plaza. Eine 90jährige Dame am Rollator nimmt neben mir auf der gemütlichen Sitzbank Platz und schnell geraten wir ins Plaudern. Innerhalb kürzester Zeit weiß ich, dass sie auf einen Helfer der Diakonie wartet, der mit ihr einkaufen geht und sie nach Hause begleitet, weil sie ständig Schwindelanfälle hat. Sie ist vor 61 Jahren in die Waldtraudstraße gezogen in das Haus ihres Mannes, der vor ein paar Jahren verstorben ist. „Er fehlt mir sehr“, sagt sie. Jetzt wohnt ihre Tochter mit Familie mit im Haus. „Das ist nicht immer einfach!“, lächelt sie mich Verständnis suchend an. Ich erzähle ihr, dass ich in Hellersdorf wohne und gerade hier bin, weil ich alle Straßen ablaufen will. Kurz überlegt sie: „Kam das nicht im Fernsehen? Sind Sie diejenige, über die berichtet wurde?“ Ich bestätige und erzähle ihr, dass ich die Waldtraudstraße schon absolviert und als sehr idyllisch abgespeichert habe. Mit Blick auf die Uhr entscheidet sie sich, ohne Helfer loszugehen, der nicht mehr zu kommen scheint. Auch Sarah und ich starten in die zweite Hälfte des Tages und der Karte, um immer mal wieder durch einen Regenschauer noch ein paar Grad runtergekühlt zu werden.

Von der Clayallee auf Höhe der Konsular-Abteilung der Vereinigten Staaten von Amerika biegen wir ab in die Saargemünder Straße, die das riesige Gelände an der Seite begrenzt. Die Anlage wurde 1936–1938 als Sitz des Luftgaukommandos III der Luftwaffe errichtet. Nach Kriegsende übernahm die US‑Armee das Gelände und nutzte es ab 1945 als Hauptquartier und Sitz des amerikanischen Militärgouverneurs. Von hier aus koordinierte General Lucius D. Clay die Berliner Luftbrücke. Bis 1994 blieb das Areal mit seinen kasernenartigen Gebäuden ein zentraler Standort der US‑Streitkräfte in Berlin. Seit 1995 steht es unter Denkmalschutz und danach lange Zeit leer. In den 2010er‑Jahren wurden große Teile zu der Wohnanlage The Metropolitan Gardens umgebaut, während das frühere Stabsgebäude an der Clayallee 170 weiterhin als US‑Konsulat dient. Gegründet wurde die The Metropolitan Gardens GmbH & Co. KG übrigens von der Nürnberger Terraplan-Gruppe (vertreten durch Erik Roßnagel) und der Prinz von Preussen Grundbesitz AG.

Aufgrund der Mauer sind wir uns zunächst ganz sicher, dass es uns nicht möglich sein wird, diese exklusive Wohnanlage zu betreten, aber es muss ja auch Zufahrten für Lieferanten und Anwohner geben. Und so ist es dann auch. Wir finden ein Schlupfloch und schleichen wie die Strauchdiebe übers Gelände, das in mir ganz widersprüchliche Gefühle auslöst. Einerseits ist es natürlich nur zu begrüßen, dass vorhandener Wohnraum genutzt wird und die Gebäude nicht verfallen. Andererseits atmen diese Mauern durch die so typischen klaren Achsen, Symmetrie, harte Linien, wenig dekorative Elemente, Betonung von Ordnung und Kontrolle so heftig den Geist des Nationalsozialismus aus, dass man sich nicht wundern würde, käme Generalmajor Hubert Weise Befehle schmetternd um die Ecke marschiert. Um nichts in der Welt würde ich hier wohnen wollen, denn die Zeitreise ins Jahr 1938 ist perfekt gelungen, als das nach Plänen von Fritz Fuß gebaute Gelände bezugsfertig war.

Fast nahtlos schließt sich eine Studenten-Wohnanlage in der Bitscher Straße an, die wiederum in Sarah Fluchtreflexe auslöst. Der Komplex geht über in einen älteren Teil der Anlage in der Gelfertstraße, das Studentenwohnheim mit Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde der Freien Universität, das es sogar bis in die Denkmaldatenbank geschafft hat. Vier Einzelbauten mit Gemeindehaus nach Entwurf der Architekten Hans Christian Müller und Georg Heinrichs werden dort als „ein gelungenes Beispiel für die Eingliederung moderner Architektur der Nachkriegszeit in die vorhandenen Strukturen Dahlems“ bezeichnet. Auch die Tatsache, dass die Architekten Müller und Heinrichs zu den Protagonisten der Nachkriegsmoderne in Berlin zählten, kann Sarah nicht von der Besonderheit dieser Architektur überzeugen. Ich bin nicht ganz so schockiert wie sie und finde, dass besonders die gelbe Farbe sehr ansprechend wirkt.

1922-23 war auf dem Grundstück eine repräsentative Villa für den Fabrikbesitzer Hans Bernstein (Damenkonfektion) nach Entwurf des Schöneberger Architekten Ernst Selge errichtet worden. Direkt daneben steht ein Studentenwohnheim mit acht Einzelbauten und insgesamt 150 Appartments, 1966-68 von Friedrich Wilhelm Kraemer, Günther Pfennig und Ernst Sieverts gebaut.

Nun gehts weiter auf dem Außenring des Gebietes östlich des heutigen Abschnittes der Thielallee, das heißt, auf der Habelschwerdter Allee und der Altensteinstraße. Die beiden letztgenannten Straßen umschließen einen wesentlichen Teil der Freien Universität.

Immer wieder wechseln sich Sonne und Regen ab, die Kälte hat mich fest im Griff. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich in einer Badewanne mit schaumbekröntem heißen Wasser liegen, in der Hand ein Glas Grog oder Tee und lachend auf den Tag zurückblicken. Doch bis es soweit ist, haben wir noch ein paar Schritte vor uns. Die Habelschwerdter Allee hat einiges zu bieten an Abwechslung, geht von Landhäusern über in große Stadtvillen und führt uns aus der Beschaulichkeit Dahlems hinein in das laute, lebendige Berlin, wie wir es kennen. Besonders auffällig ist das Gebäude des Instituts für Philosophie, ein Faltwerk- und Stahlbetonbauwerk, das zwischen 1982 und 1983 errichtet wurde. Die Architekten waren Hinrich und Inken Baller, deren Anspruch war, dass man von jeder Stelle durch das Gebäude hindurchschauen kann. Sie haben u.a. auch das Einkaufszentrum Castello am Fennpfuhl entworfen.

Auch einen Stolperstein entdecken wir. Leo Berlak wurde 1864 in Posen geboren und arbeitete später im Getreide‑ und Kartoffelhandel seines Vaters. Mit seiner Frau Sophie zog er Anfang der 1920er‑Jahre nach Berlin, wo die Familie in der damaligen Werderstraße, heute Habelschwerdter Straße 7 lebte. Nach dem Tod seiner Frau 1936 emigrierten beide Kinder ins Ausland. Die Firmen, an denen Berlak beteiligt war, wurden 1938 aufgelöst. Er musste seine Wohnung verlassen und in eine kleinere Unterkunft in Schöneberg ziehen. Von dort wurde er am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert und im April 1943 ermordet. Besonders schlimm ist die Tatsache, dass der erste Stolperstein für ihn kurz nach der Verlegung gestohlen wurde, den man 2010 ersetzte.

Die Altensteinstraße führt uns zurück auf die Königin-Luise-Straße, vorbei an stattlichen Wohnhäusern und dem etwas tristen Otto-Hahn-Platz. Gegenüber vor dem ehemaligen Wohnhaus dieses bedeutenden Chemikers und Entdeckers der Kernspaltung steht eine Gedenkstele, die ihn als Ehrenbürger Berlins würdigt. Außerdem ist darauf ein Auszug aus der Mainauer Erklärung von 1955 zu lesen: „Alle Nationen müssen zu der Entscheidung kommen, freiwillig auf Gewalt als letztes Mittel der Politik zu verzichten. Sind sie dazu nicht bereit, so werden sie aufhören zu existieren.“ Eine Aussage, die heute aktueller ist denn je.

Ein Gebäude an diesem Platz ist so wuchtig und präsent – man kann es gar nicht übersehen. Ich ordne es erst einmal der Kategorie der Zehlendorfer Schulen zu und liege damit tatsächlich gar nicht so falsch. Das Paulinum wurde 1908–1909 als evangelische Erziehungsanstalt für Jungen errichtet. Aufgabe war, den „Zöglingen nach Möglichkeit das christliche Elternhaus zu ersetzen und sie durch sittliche wie wissenschaftliche Förderung auf ihren künftigen Beruf vorzubereiten“. Der große, breit gelagerte Bau sollte trotz seiner Größe wie ein Landhaus wirken, um sich in die entstehende Dahlemer Villenkolonie einzufügen. Architekt Carl Kujath nutzte dafür Elemente wie Fachwerkansätze, gegliederte Dächer, Giebel und Erker. Das Gebäude bot Platz für rund 50 Schüler und war Teil eines größeren Areals, zu dem auch ein Dienst‑ und Wohnhaus an der Altensteinstraße gehörte. Heute steht es leer und ist meiner Meinung nach in keinem guten Zustand.

Nun schlängeln wir uns durch die vielen kleinen Straßen rund um das FU-Gelände, deren Häuser oft von der Universität genutzt werden. Aber auch Botschaftsresidenzen sind zu finden und natürlich Domizile diverser Burschenschaften. Eine davon ist in der Schwendenerstraße im Haus Coburg untergebracht – die Landsmannschaft Thuringia Berlin. Als ich gerade davorstehe und mein Handy in Position bringe, spricht mich ein junger Mann an, wieso ich hier Fotos machen würde. „Ich laufe durch Berlin und fotografiere die Häuser, die ich schön finde“, antworte ich ihm. Er bittet mich, das zu unterlassen, weil er hier wohne. Muss ich akzeptieren, und es ist ja auch kein Drama. Schließlich herrscht kein Mangel an Motiven!

Nach fast 23 km haben wir alles geschafft, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Kälte und Regen konnten uns nicht aufhalten, denn schließlich ist das mein Credo: Egal, welches Wetter draußen tobt – Ich muss (will) zur „Arbeit“!

Am Gründonnerstag begleitet mich Arndt Breitfeld in den Abendstunden für die Sendung „Der Tag“. Wir werden zwischen 18:00 Uhr und 19:30 Uhr um den Dreipfuhlpark wandern.

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"Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld, ein vorzeitiges Abbrechen des Methodischen, ein scheinbares Einpfählen der scheinbaren Sache." (Franz Kafka) – Kalenderspruch des Tages Gäbe es nicht die mir selbst auferlegte Verpflichtung, …
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19. Januar 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Wannsee) | Schäferberg mit Funkturm, Volkspark Klein-Glienicke, Schloss und Jagdschloss Glienicke, Böttcherberg, Glienicker Brücke, Königstraße
Tagesetappe Königstraße, Schäferberg mit Funkturm, Glienicker Brücke, Schloss Glienicke, Volkspark Klein-Glienicke, Jagdschloss Glienicke, Böttcherberg
16. Januar 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Wannsee) | Uferpromenade, Pfaueninsel, Nikolskoe, Moorlake, Pfaueninselchaussee
16. Januar | Steglitz-Zehlendorf | Reichsluftschutzschule, Uferpromenade, Pfaueninsel, Kirche Str. Peter und Paul, Nikolskoe, Moorlake, Pfaueninselchausee