Von Worten und Klängen – Schreibwerkstatt in den Gärten der Welt

Schon vor Monaten erhielten wir von der Projektleiterin der artecom Veranstaltungs-GmbH & Co. KG die Anfrage, ob wir zu Pfingsten in den Gärten der Welt einen kleinen Schreibworkshop mit kurzen Wortbeiträgen der Besucher gestalten könnten. Für diesen Pfingstsonntag war die Veranstaltung „Rendezvous im Garten“ geplant unter dem Motto „Tiere im Garten“.  Wir hatten schon zum IGA-Schreibwettbewerb zusammengearbeitet und die Projektleiterin erinnerte sich nun an uns. Natürlich haben wir sofort zugesagt und uns mit einen kleinen Vorrat an Schreibaufgaben zum Thema Tiere zugelegt.

Bei schönstem Wetter nahmen wir gut vorbereitet die uns zur Verfügung gestellten Tische, Bänke und Zelt in Beschlag und breiteten uns dort neben dem Bücherbus des Stadtbezirks Mitte flächendeckend aus mit Werbematerial, Wortschatzkiste, einer Satzproduktionswerkstatt, Schreibanregungen und -spielen, Plakaten, Papier und Stiften.

Am Wegesrand standen sogenannte Kundenstopper, auf denen auch wir als Programmpunkt angekündigt waren.

20190609_153153

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wie geplant legten wir gegen 14 Uhr los und hatten sogleich die ersten „Kunden“ – eine Großfamilie, bestehend aus Oma, Opa, Mama, Papa, Tante und zwei Kindern, die gemeinsam Achrostichons zu ihren beiden Katzen Cosima und Flora verfassten.

Währenddessen boten wir an einem anderen Tisch an, gegen Abgabe eines Wortes dieses in einem Satz oder Gedicht zu poetisieren und dann dem Wortspender zu schenken. Natürlich schön verpackt. Dabei sind wunderschöne Zeilen entstanden:

Leider gestaltete sich diese Geschenkaktion schwieriger als gedacht.  Viele Menschen lehnten die Annahme ab. Vielleicht hatten sie Angst, dass sich dahinter eine Falle verbirgt und sie eine Gegenleistung bringen müssen. Aber wir konnten auch in viele Gesichter ein Lächeln zaubern.

Auf einer Endlosrolle konnte – wer wollte – am längsten Wort mitarbeiten, was großen Anklang fand. Das Ergebnis lautet folgendermaßen:

Blumenbeetgartenkunsttheaterstückdarstellungsauszeichnungs
bühnenfestzeltabendshowunterhaltungsentertainmentaktionsangebots
versuchsreihenfolgeberührungsmomentaufnahmenpsychologiestudiums
bewerbungstestaufgabenlösungswortfindungsaktionsblumenwiesen
experimentsdurchführungsstudienreise

Auch das Faulenzergedicht von Josef Reding wurde mit Hilfe der Gäste um etliche Zeilen erweitert:

20190609_182206

FAULENZEN
von Josef Reding

Manchmal möchte man faulenzen
Wie ein Gulli im Sonnenschein,
wie ein Rasenmäher im Winter,
wie eine Nachttischlampe am Tag.

Wie eine Uhr ohne Batterie,
wie ein Baum im Winter,
wie eine Katze in der Sonne,
wie ein Faultier im Herbst,
wie ein Schüler in der Schule,
wie ein Bär im Winter,
wie eine Schildkröte im Zoo,
wie eine Mohnblume im Schatten eines Baumes,
wie ein Stein, der von Wellen berührt wird,
wie eine sich kraulenlassende Katze,
wie eine Mimose im nichtstrahlenden Sonnenschein,
wie eine Schäfchenwolke im Wind,
wie satte Schafe in der Sonne.

Auch andere Texte zum Thema „Tiere“ entstanden. Hier ein paar Beispiele:

Manche versuchten sich – angelehnt an das „Avenidas“-Gedicht von Eugen Gomringer an der damit verbundenen „Konkreten Poesie“. In diesem Fall braucht man zunächst drei Wörter, die man in verschiedenen Kombinationen miteinander verbindet und denen zum Schluss durch ein viertes Wort besonderes Gewicht oder auch eine Wendung verliehen wird. Eine Methode, mit der auch Schreibmuffel die poetische Ader in sich entdecken:

Schnell waren die geplanten zweieinhalb Stunden um. Während wir überlegten, was wir in welcher Reihenfolge auf der Bühne des Blumentheaters nebenan vortragen wollten, war dort durch die Techniker schon alles abgeräumt worden. Die Mikros, Lautsprecher und Sonnenschirme. Für das Publikum musste das aussehen wie Feierabend – hier findet heute nichts mehr statt. Für uns war das sehr ungünstig, denn ohne Mikro konnten wir natürlich nur die auf uns aufmerksam machen, die zufällig gerade dort vorbeiliefen. Versucht haben wir es, aber letztendlich hatten wir außer uns selbst nur zwei Zuhörer.

Auch der Aufsteller mit dem Programmablauf wurde entfernt und wir standen etwas verloren rum, weswegen wir die Sache abkürzten und uns der Aufbruchstimmung anschlossen. Das war aber auch der einzige Wermutstropfen. Der Spaß an diesem kreativen Nachmittag überwog. Bedanken möchten wir uns bei David, der uns fast bis zum Schluss mit vielen guten Ideen Gesellschaft leistete. Ein Blick in sein Blog lohnt sich übrigens jederzeit. Beschwingt verabschiedeten wir uns voneinander und freuen uns nun auf die nächste Schreibwerkstatt in der Bibliothek.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s