Schlagwort-Archive: Martin-Buber-Oberschule

05. November 2026 | Spandau (Falkenhagener Feld) | Mauerausstellung, kleine und große Häuser im Spektefeld, Christentum, Sonne und viel Natur

„Sonne, was machst du? | Spät noch im Jahr | Äugelst und lachst du | Freundlich und klar!“ (Martin Greif) – Kalenderspruch des Tages

Audio-Zusammenfassung des Textes mittels KI:

Ausschnitt eines Stadtplans mit Straßen, Parks und dem Großen Spektsee.

Nach fast einem Jahr Unterwegssein muss ich jetzt auch mal über das Wetter reden. Was hatte ich doch für ein Glück bisher! Abgesehen von Glatteis und 42 Grad gab es höchstens zwei oder drei Regentage, wenn überhaupt. Fast immer begleitete mich ein strahlend blauer Himmel, der auch etwas tristere Straßen so freundlich beleuchtete, dass ich ihre Schönheit entdecken konnte. Auch heute laufen wir voller Glücksgefühle durch die Stadt und den sonnigen Herbsttag. Wir – das sind Dani, Jeroen und ich, voller Vorfreude und Neugier auf unerwartete Entdeckungen.

Drei Freunde machen bei einem Spaziergang am herbstlichen See ein Selfie.

Dani war lange Jahre u.a. Koordinatorin der Fachgruppe Öffentlichkeitsarbeit des Verbunds Öffentlicher Bibliotheken Berlins und sorgte dafür, dass bezirksübergreifende Aktionen und Veranstaltungsformate gemeinsam geplant und durchgeführt wurden, um die Geschlossenheit des Bibliotheksverbundes in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu rücken. Mindestens einmal im Monat trafen wir uns an unterschiedlichen Orten oder online, nahmen an Fortbildungen teil, besuchten unsere Marketing-Agentur und erarbeiteten zusammen den jährlichen VÖBB-Jahresbericht. So etwas funktioniert nur mit engagierter Moderation und Organisation, was Dani hervorragend gelungen ist. Es freut mich total, dass wir uns nun auch mal privat treffen und gemeinsam den Tag verbringen werden. Ihr Mann Jeroen begleitet uns und es stellt sich schnell heraus, dass wir viele sich überschneidende Interessen haben und somit für mehr als genug Gesprächsstoff gesorgt ist. Allein schon ihre von beiden abwechselnd erzählte Kennenlerngeschichte ist so unterhaltsam, dass ich vor lauter Spannung fast vergesse, auf meinen Plan zu schauen, aber mit Jeroens faszinierendem Orientierungssinn kann eigentlich gar nichts schief gehen. Er weiß immer, wo wir sind, wo wir schon waren und wo noch nicht. Auch ohne Karte.

Wir starten an der Falkenseer Chaussee direkt am Mauerweg, um von dort aus den Südwesten des Falkenhagener Felds abzulaufen. Nach Norden hin blicken wir auf eine große Grünfläche mit Sofa, das an dieser Stelle bezüglich der Aussicht perfekt platziert erscheint, dem edlen Spender aber offensichtlich einfach nur im Weg war und der Transport zum nächsten Recyclinghof zu weit.

Wir wenden unseren Blick ab und dafür der Outdoor-Ausstellung „Spurensuche Mauer“ zu, die allein schon eine Reise zum Stadtrand wert ist. Wie schon der Geschichtspark wurde auch dieser Erinnerungsort vom Museum Galerie Falkensee initiiert.

Hier erzählen Menschen, die durch den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 plötzlich voneinander getrennt wurden, ihre Geschichte. Im Mittelpunkt stehen nicht politische Ereignisse, sondern die persönlichen Erfahrungen der Bewohner beiderseits der Grenze. Die Historikerin Stefanie Wahl befragte Zeitzeugen auf beiden Seiten der Mauer, wie tief der Mauerbau in ihren Alltag eingriff. Familien wurden auseinandergerissen, Arbeitswege abgeschnitten und Zukunftspläne zunichtegemacht.

Die Ausstellung wird auf 13 Stelen entlang des ehemaligen Mauerstreifens präsentiert in einer Positionierung, die den Verlauf der Mauer vorstellbar macht mit vielen Fotos, die eine perfekte Ergänzung zu den Texten darstellen.

Kurioserweise ruft mich später eine Freundin und ehemalige Kollegin an, um mir mitzuteilen, dass sie auch gerade dort unterwegs ist, ihre Schwiegermutter Heidi Kubicki an dieser Ausstellung mitgearbeitet hat und auf einem der Fotos sogar zu sehen ist, wie sie zur Maueröffnung die Spandauer mit Kuchen willkommen heißt. Sie liest immer meinen Blog und wusste, dass ich heute hier entlangkommen werde. Leider verfehlen wir uns um drei Stunden.

Wir wandern erst einmal weiter bis zum Großen Spektesee und ich warne schon mal vor: Das Wort „Spekte“ wird heute noch sehr oft auftauchen. Es spektet nämlich sehr in dieser Gegend und zwar auf angenehmste Art und Weise! Der See entstand nicht auf natürliche Weise, sondern durch den Abbau von Kies und Sand. Aus den ehemaligen Grabungen entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Kiessee als beliebter Erholungs- und Naturraum, gemeinsam mit den umliegenden Grünflächen und der Spektelake eines der wichtigsten Naherholungsgebiete im Berliner Westen. Im Volksmund ist es immer noch der Kiessee, der auch als Badesee dient. Eine weitere der vielen Gemeinsamkeiten mit Marzahn-Hellersdorf, denn die Kaulsdorfer Seen sind genauso entstanden und werden heute zum Baden aufgesucht.

Bevor wir aber zum Ufer kommen, stürzen wir uns in das Einfamilienhaus-Viertel (in Marzahn-Hellersdorf ebenfalls um die Seen herum zu finden) und finden uns in einer weiteren Siemens-Siedlung wieder – der SIEMENS Siedlergemeinschaft Spekte-Spandau e.V. Vor einer Woche erst bin ich durch die Staakener Siemens-Siedlung gelaufen, jetzt findet sich hier eine zweite, zu deren Errichtung sich die Firma aufgrund der starken Nachfrage entschlossen hatte. Auf der Webseite des Vereins habe ich mehrere spannende Dokumente dazu gefunden, so z.B. das Konzept von 1933. Bitte mal reinlesen, das ist so interessant! Bis hin zu den Kosten, die auf die Siedler zukamen, ist alles detailliert und fast unterhaltsam dargelegt:

Auch eine Ausstattungsliste ist beigefügt. Vom Huhn über Obstbäume, Sämereien bis hin zu Spaten, Gießkanne und Abort-Eimer war an alles gedacht.

Die Pächter erhielten 900 m² Land zur Selbstversorgung, mussten aber ihre Fähigkeit dazu vier Jahre unter Beweis stellen. Erst wenn klar war, dass sie in der Lage waren, dieses fast geschenkte Gehöft angemessen zu bewirtschaften, durften sie bleiben, mussten aber der Siedlergenossenschaft beitreten, welcher das Erbbaurecht für 30 Jahre zugesprochen war. Die Häuser wurden in unterschiedlichen Größen gebaut und je nach Anzahl der Kinder bezogen. Es mutet fast fürsorglich an, wie sehr Carl Friedrich von Siemens auf das Wohlergehen seiner Belegschaft bedacht war. Auch hier empfehle ich einen Blick auf seine Biografie, die seine sozialen und unternehmerischen Leistungen deutlich macht.

Wir sind uns einig – eine solche Identifikation mit dem Arbeitsplatz, an dem man ja früher meist sein ganzes Berufsleben tätig war, gibt es heute nicht mehr. Man war stolz, Siemensianer zu sein! In der DDR gab es diese Verbundenheit auch, viele haben nicht nur wegen der drohenden Arbeitslosigkeit geweint, wenn ihre Betriebe nach der Wende abgewickelt wurden.

Hier nun ein paar Eindrücke von der heutigen Siedlung:

Am Hüllepfuhl, Am Kirchenland und Hochhausweg schließen sich zwar nahtlos an, aber man sieht selbst ohne Kenntnis der Siemens-Siedlung, dass diese Häuser einem anderen, nämlich sehr individuellen und nicht genossenschaftlichen Zweck dienen:

Nun sind wir in das Herzstück vorgedrungen – die Hochhäuser des Spektefeldes ragen stolz hinauf in den blauen Himmel und im goldenen Schimmer der Herbstsonne regelrecht leuchtend und umfasst von der Stadtrandstraße und Am Bogen. Doch nicht nur die Sonne mit ihrer Spot-ähnlichen Beleuchtung rückt die Bauten in den Mittelpunkt, sondern haushohe Gemälde an den Stirnseiten der 10-17-Geschosser mit christlichen Motiven und Bibelversen, eins davon sogar noch in Arbeit.

Die komplette Fassade ist so gestaltet worden, dass die Illusion von Mauervorsprüngen entsteht. An einigen Balkonen findet man das Motiv der wundertätigen Medaille, eine katholische Marienprägung. Über den Fenstern sind rote Zierelemente angebracht und am Giebel eine zinnenähnliche Bemalung.

Wir sind hin und weg von dieser aufwändigen Veredelung des Gebäudes. Während ein Wandbild die Friedensbotschaft der Bergpredigt in eine zeitgenössische Szenerie mit Kindern, Familien und Hochhäusern überträgt, erinnert ein weiteres an die traditionelle Marienverehrung der katholischen Kirche. Besonders bemerkenswert ist die Darstellung Jesu am Seeufer: Zwischen Menschen verschiedener Generationen und Herkunft erscheinen die Hochhäuser des Falkenhagener Feldes als Teil der Bildwelt. So wird die biblische Friedensbotschaft unmittelbar in den heutigen Stadtraum übertragen. Das benachbarte Marienbild knüpft an die Tradition katholischer Andachtsbilder an und verleiht dem Ort eine unverwechselbare Identität. Durch ihre Größe sind sie weithin sichtbar und setzen einen starken spirituellen Akzent inmitten der Wohnhochhäuser. Doch wer steckt hinter dieser Aktion? Die nahe Markus-Kirche? Ist es nicht fast ein bisschen provokant, das konservative katholische Christentum dermaßen präsent vor aller Augen zu präsentieren? Und das in einem Viertel mit dem Ruf eines sozialen Brennpunkts, in dem der Migrationsanteil mit 55-60% deutlich über dem Berliner Durchschnitt liegt?

Das Mural-Werk wurde von der Künstlerin Csilla Kudor im Sommer 2025 im Auftrag des Hauseigentümers an der Fassade realisiert und sorgte für große mediale Aufmerksamkeit. Der Tagesspiegel z.B. berichtete am 01.07.2025 über das auffällige, mehrere Stockwerke hohe Marienbild und Spekulationen unter den Anwohnern: Handelte es sich um eine Aktion der Kirche, einer Wohnungsbaugesellschaft oder gar einer „religiösen Streetart-Gang“? Die Auflösung lieferte schließlich das Bezirksamt: Das Wandgemälde wurde nicht von der Kirche oder der Gewobag in Auftrag gegeben, sondern von dem privaten Eigentümer initiiert.

Das rund 15 Meter hohe Bild an der Stadtrandstraße 458 versteht sich als öffentlich sichtbares Glaubensbekenntnis und soll Passanten zum Nachdenken über den christlichen Glauben anregen. Im Bezirk wurde das Werk kontrovers diskutiert. Während einige Menschen die religiöse Botschaft ungewöhnlich oder irritierend fanden, sehen die Initiatoren Militia Immaculatae darin ein sichtbares Zeichen des Glaubens im Stadtbild. Erlaubt ist das auf jeden Fall, sofern keine strafbaren oder ordnungswidrigen Inhalte gezeigt werden. Die religiöse Darstellung fällt unter die Kunst- und Meinungsfreiheit. Es gibt direkt eine Webseite „Heilige Maria Spandau“ dazu, auf der man unter „Presseartikel“ einen Beitrag des Radiosenders 88,8 findet, in dem die Anwohner zu Wort kommen. Das Bild wurde im September 2025 sogar durch Pater Thorsten Daum gesegnet und im November das neue Fassadenbild „Jesus predigt“. Nebenan, wo sich die katholische Kita befindet, kann man in einem Pilgerladen Broschüren, gesegnete Medaillen und Bilder erwerben.

Überhaupt ist dieses Viertel erstaunlich christlich geprägt, so befindet sich in unmittelbarer Nähe seit 2006 die Immanuel-Grundschule des Christburg Campus – eine staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft, die staatliche Lehrziele erfüllt und diese um christliche Perspektiven ergänzt. Zum Namensgeber steht auf der Webseite: „Geboren wurde Immanuel (hebräisch: „Gott ist mit uns“) auf einer Reise seiner Eltern zwecks Volkszählung. Immanuel, genannt Jesus, war das erste Kind von Maria, zusätzlich Gottes Sohn, und wurde von seinem irdischen Vater Josef adoptiert.“

Zur Martin-Buber-Oberschule sind es ebenfalls nur ein paar Schritte, die wir gehen, um uns den Campus etwas näher anzuschauen, auf dem sich außerdem die sportbetonte Grundschule im Beerwinkel befindet. Neben mehreren Schulgebäuden gehören riesige Sportanlagen dazu. Besonders begeistern uns die vielen Kunstwerke auf dem Gelände.

Zur Eröffnung der Schule im Jahr 1968 erschien im Tagesspiegel ein umfangreicher Bericht mit Fotos aus der damaligen Zeit. Spannend! Die Neugestaltung der Außenbereiche unter Einbeziehung von Künstlern und Schülern in den Jahren 2009-2013 ist HIER von Seiten des Berliner Senats ausführlich dokumentiert. Ein Gang über den Campus mit seiner Open-Air-Galerie lohnt sich in jedem Fall!

Machen wir doch gleich weiter mit der Religion und der Katholischen Gemeinde St. Markus. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Paul-Gerhardt-Ring vorbei. Der Namensgeber dürfte vielen bekannt sein, zumindest viele der wunderschönen Lieder wie z.B. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud„, deren Texte von ihm stammen. Paul Gerhardt (1607–1676) war ein evangelisch-lutherischer Theologe, Pfarrer und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.

Wir gelangen zur vielbefahrenen Straße Am Kiesteich (eigentlich der Große Spektesee), die sich mit den Hochhäusern ganz nah an den Park rund um den See schmiegt, was man ihr an der Stelle nicht auf den ersten Blick ansieht.

Und dann sehen wir sie – die Melitta-Filtertüte-Kirchenkuppel, weswegen die St.-Markus-Kirche im Volksmund zu St. Melitta geworden ist. Sie gehört zur Katholischen Pfarrei St. Johannes der Täufer und hat noch zwei architektonische Schwestern: St. Bernhard in Berlin-Dahlem (Königin-Luise-Straße) und St. Dominicus in Berlin-Gropiusstadt (Neukölln). Alle stehen unter Denkmalschutz, bis hin zum Pflaster im Außenbereich, das sich bis ins Innere der Kirche fortsetzt. Ihr markantestes Merkmal ist die große, aluminiumverkleidete Kegelkuppel. Die Kirche wurde 1977 nach Entwürfen von Hans Schädel und Hermann Jünemann errichtet und gehört zur Nachkriegsmoderne. Sogar ins Fernsehen hat es die Kirche geschafft, erst kürzlich berichtete der rbb in der Sendung DER TAG über das Falkenhagener Feld und stattete auch der Kirche und dem Pfarrer einen Besuch ab.

Im Beitrag betont der Pfarrer, dass die Kirche immer mindestens bis zur inneren Glastür geöffnet ist. Leider kann ich das nicht bestätigen, denn wir stehen vor verschlossenen Toren. Sehr schade, ich hätte sehr gerne das Lichtspiel im Inneren gesehen, das fantastisch sein muss.

Wenden wir uns also dem nächsten christlich geprägten Halt zu, denn wo es eine katholische Kirche gibt, kann ihr evangelisches Pendant nicht weit sein. Wir finden die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde in der Straße Im Spektefeld gegenüber des Schul-Campus und nahe des schon erwähnten Paul-Gerhardt-Rings. Die Besonderheit liegt darin, dass hier das „StadtTeilZentrum im Falkenhagener Feld West“, das „Café in Paul Gerhardt“ und die Kirchengemeinde gemeinsam in einem Gebäude agieren und die Kirche als Träger fungiert.

In unmittelbarer Reichweite finden wir ein Nahversorgungszentrum und den Jugendclub Spekte 32, der vom rbb ebenfalls vorgestellt wurde. Damit rücken wir ein bisschen ab von der beeindruckend religiösen Bandbreite in diesem Wohngebiet, doch allen ist das Ziel gemeinsam, Menschen aus der Isolation herauszuholen, sie in eine lebendige Nachbarschaft zu integrieren und ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl zu geben. Die Kirchen wissen, dass sie raus- und auf die Menschen zugehen müssen. Mit niedrigschwelligen und zeitgemäßen Angeboten gelingt das auch ganz gut. Der Jugendclub erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit, die dort tätigen Sozialarbeiter sind für ihr Klientel Vater, Mutter, Bruder, Lehrer und Therapeut in Personalunion.

So wandern wir weiter zwischen den Hochhausriesen und sind uns einig, dass die freundliche Farbgebung eine unglaublich positive Wirkung zeigt und bekommen auch den Vergleich mitgeliefert. Einige Wohnkomplexe warten nämlich noch schlechtgelaunt auf den Anstrich und übertragen diese bedrückende Stimmung direkt auf ihre Betrachter.

Über die Falkenseer Chaussee arbeiten wir uns vor zu einem Streifen Einfamilienhäuser, die sich entlang der Bötzow-Bahn aufreihen und durch einen herrlichen Park mit Kletterfelsen zum Großen Spektesee führen. Die Bahn entstand als Teil des Netzes der Osthavelländischen Kreisbahnen. 1908 wurde die Strecke zunächst für den Güterverkehr eröffnet. Ein Jahr später folgte der Personenverkehr zwischen Bötzow und dem Spandauer Johannesstift. Mit der Verlängerung bis zum Kleinbahnhof Spandau West im Jahr 1912 war die ca. 18 km lange Verbindung vollständig ausgebaut. Anschlussgleise verbanden unter anderem das Kraftwerk Oberhavel sowie zahlreiche Unternehmen in Hakenfelde mit dem Schienennetz.

Eine Besonderheit war die Mitbenutzung der Strecke durch die Berliner Straßenbahnlinie 120. Ab 1923 verkehrten zunächst Benzoltriebwagen, später elektrische Straßenbahnen auf Teilen der Bötzowbahn zwischen Spandau und Nieder Neuendorf beziehungsweise Hennigsdorf. Damit entstand eine ungewöhnliche Kombination aus Eisenbahn- und Straßenbahnbetrieb, dessen Aktivierung viele begrüßen würden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Strecke jedoch zunehmend an Bedeutung. Der Personenverkehr wurde zwischen 1950 und 1953 schrittweise eingestellt. Die Berliner Mauer erschwerte den Betrieb zusätzlich. Ab 1952 wurden die Streckenabschnitte nördlich von Berlin stillgelegt. Während auf dem südlichen Abschnitt noch viele Jahre Güterzüge fuhren, verschwanden die meisten Gleise der eigentlichen Bötzowbahn nach und nach. Heute wird lediglich der Bereich zwischen dem Bahnhof Spandau und dem Güterbahnhof Johannesstift noch genutzt.

Ein ewiges Thema im Falkenhagener Feld ist die schlechte Verkehrsanbindung. Seit den Bau der Großwohnsiedlungen in den 1960er und 1970er Jahren dreht sich die Diskussion um die mögliche und notwendige Verlängerung der U2 und U7 und S-Bahn-Anbindung über die Bötzow-Bahn. Was ist bisher verwirklicht worden? Nichts. Auf der Webseite „Unterwegs in Spandau“ wurde das ganze Dilemma sehr gut, sachlich und chronologisch aufgearbeitet. 1984 war die Geduld vieler Bewohner des Falkenhagener Felds erschöpft. Während die U-Bahn nach Spandau immer weiter ausgebaut wurde, blieb die Großsiedlung im Westen des Bezirks weiterhin auf Busse angewiesen. Aus Protest errichteten Anwohner einen symbolischen U-Bahnhof. Die ungewöhnliche Aktion machte deutlich, wie sehr sich die Menschen eine schnelle Schienenverbindung wünschten. Mehr als vier Jahrzehnte später ist die Forderung noch immer nicht erfüllt: Die U-Bahn ins Falkenhagener Feld bleibt eine der ältesten unerledigten Verkehrsideen Berlins.

Aber nochmal zurück zum Kletterfelsen im Park. Gibt es den nicht auch in Marzahn? Genau! Es ist wirklich bemerkenswert, welche Parallelen sich immer wieder auftun. Übrigens auch im negativen Sinn. Seit Kladow bin ich an keiner Buchhandlung mehr vorbeigekommen, was in Steglitz-Zehlendorf einfach undenkbar gewesen wäre. Wenn man durch Marzahn-Hellersdorf wandert, findet man noch ein kleines privat geführtes Bücherparadies in Kaulsdorf und Thalia im Eastgate, das wars. Zwei Buchhandlungen für mittlerweile 294.000 Einwohner! In Spandau scheint es ähnlich auszusehen.

Beseelt von den vielen gesammelten Eindrücken beenden wir diesen ersten Tag im Falkenhagener Feld, der mich unglaublich neugierig gemacht hat auf die nächsten Touren, zu denen dann auch das Waldkrankenhaus gehört mit seiner Vergangenheit als Arbeiterstadt „Große Halle“ und der riesige Friedhof in den Kisseln. Dani und Jeroen haben mich hoffentlich nicht zum letzten Mal begleitet!