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Kann man Humor lernen?

Witze-Workshop mit Peter Wittkamp

Exklusiv für die Bezirkszentralbibliothek Mark Twain

Mit großer Spannung erwarteten wir den Gag-Schreiber Peter Wittkamp zu unserem Treffen am 01.03.2025.

Peter erzählte von sich selbst, dass er früher der Klassenclown war. Nach einem Soziologie-Studium jobbte er als DJ, arbeitete bei Universal Music und TLGG, einer Agentur für digitale Markenentwicklung. Er entwickelte die BVG-Kampagne #weilwirdichlieben und schreibt jetzt für die heute-show, Jan Böhmermann und Late Night Berlin. Außerdem schreibt er Bücher.

Er hatte eine Präsentation mitgebracht, mit deren Hilfe er uns die Techniken des Humors erklärte. Man denkt ja eigentlich, dass das nicht so schwer sein dürfte, etwas Lustiges von sich zu geben, aber auch hier gibt es Regeln, deren Kenntnis sehr hilfreich sein kann. Wenn man etwas Witziges kreieren möchte, geht es vor allem darum, etwas Unerwartetes zu sagen oder zu schreiben, dem Geschehen eine überraschende Wendung zu geben.

Eine bekannte Technik ist der Running Gag. Damit kann man Unsicherheiten verbergen oder etwas kaschieren. Auch Witze über sich selbst kommen meistens gut an.

Was ist eigentlich Humor? Es ist die Fähigkeit und die Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren. Und was ist ein Witz? Der Versuch des Erzählers, den Zuhörer oder Leser durch etwas Unerwartetes zum Lachen zu bringen und die Erwartungshaltung nach und nach zu steigern.

Wie wird man Gag-Schreiber? Peter meint, wenn man gut ist, wird man durch die sozialen Medien relativ schnell bekannt. Und warum sollte man das überhaupt machen? Weil man in dieser Funktion eine wichtige Rolle erfüllt: In erster Linie dienen die Gags natürlich der Unterhaltung, aber auch, um Sorgen für einen Moment vergessen zu machen, Kritik zu entschärfen, aufzuklären und Botschaften zu vermitteln. Spontane Einfälle sind oft die besten, aber sinnvoll ist es, sich über einen längeren Zeitraum mehrere Scherze zu einem Setup aufzuschreiben.

ÜBUNG: Nun waren wir gefragt. Wir sollten drei Setups finden und aufschreiben:

  • Zur aktuellen Weltlage
  • Aus dem schulischen / beruflichen Kontext
  • Aus dem Privaten oder dem Alltag

Hier beispielhaft ein paar Ergebnisse:

  • Alice Weidel spricht mit ihrer Frau
  • SPD und FDP bilden eine Koalition
  • Die Ukraine und Russland treffen sich auf dem Spielplatz
  • Kommt ein Mann in die Bibliothek

Nun kann man mit verschiedenen Techniken in einem Setup einen Gag ansiedeln. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Überraschung
  • In einen anderen Kontext setzen
  • Beobachten
  • Realität wiedergeben
  • Wortspiele (z.B. „Weine nicht, wenn der Regen fällt, TRAM TRAM…“
  • Übertreibung
  • Ironie / Selbstironie
  • Vergleiche
  • Verbildlichen
  • Running Gag
  • Parodie
  • Frech / spontan sein
  • Kopieren
  • Umkehren (z.B. Monaco wird Supermacht, Kind wird Firmenchef)
  • Was wäre, wenn…

Und schon kam Peter mit der nächsten ÜBUNG um die Ecke: Drei Dinge sollten in einen anderen Kontext gesetzt werden.

Auch hier habe ich ein paar Ergebnisse notiert:

  • Was wäre ein Zoo ohne Tiere?
  • Was wäre, wenn Cindy aus Marzahn die Schreibwerkstatt leiten würde?
  • Was wäre, wenn sich Tiere Menschenköpfe tätowieren lassen würden?
  • Was wäre, wenn Dinos leben würden?
  • Was wäre, wenn es in der Steinzeit Wahlen gegeben hätte?

Die nächste ÜBUNG galt dem Beobachten der Realität:

Warum ist das eigentlich so?

  • Warum gibt es in Werbeagenturen immer Macs?
  • Warum sind Mitarbeiter in Baumärkten immer unauffindbar?
  • Warum nieselt es immer in Hamburg?
  • Warum reden wir immer von weißer Weihnacht?
  • Warum hat man Angst im Dunkeln?
  • Warum sagen Politiker nicht die Wahrheit?

Zur Technik der Übertreibung / Untertreibung stellt uns Peter folgende Aufgabe:

„Du warst neulich in einer kleinen Stadt. Du wirst gefragt, wie klein die Stadt war. Was sagst du?“

  • Die Stadtführung bestand darin, einmal nach links und nach rechts zu schauen.
  • Ich hätte meine Lupe gern gegen ein Mikroskop getauscht.
  • Der Bürgermeister war sein einziger Wähler.
  • Selbst EINE Buslinie wäre übertrieben gewesen.

Danach gabs eine ÜBUNG zur Technik des Vergleichs.

  • Die Schreibwerkstatt ist wie eine U-Bahn im Feierabendverkehr: Total überfüllt.
  • Was ist der Unterschied zwischen Hitler und Höcke? Der Bart.

Auch zu den weiteren Techniken sagte Peter noch ein paar Worte. Die einfachste, aber zugleich auch schwerste Art des Humors ist der freche und spontane Gag.

Tatsächlich waren dann auch schon vier Stunden vergangen und bei allen die Luft raus. Niemand hätte gedacht, dass lustig sein so anstrengend sein kann! Die Kraft reichte noch nicht einmal zum Werwolf spielen.

Wir haben jedenfalls viel gelernt und hoffen, dass Peter genauso viel Spaß hatte mit uns wie wir mit ihm. Nochmal an ihn ein dickes