Hilfe!

Mittlerweile bin ich gut vorbereitet auf die vielen jungen Leute, die am ersten Samstag des Monats nach Schließung der Bibliothek die Treppen nach oben in die Artothek strömen. In den letzten Monaten hatte sich das auf ca. 25 Schreibinteressierte eingepegelt. Wohlweislich hatte ich schon mit zusätzlichen Tischen die Tafel erweitert. Doch was sich dieses Mal abspielte, übertraf alles Gewesene. Kaum waren neue Stühle rangeschafft, kam wieder ein Schwung neuer Teilnehmer in den Raum. Obwohl einige vom harten Kern krank waren, saßen letztendlich 34 Jugendliche am Tisch. Wären die treuen Seelen gesund gewesen, hätte sich die Zahl auf 38 erhöht. Das ist für eine Schreibwerkstatt eigentlich viel zu viel und kaum noch vernünftig zu händeln. Aber ich kann doch niemanden wegschicken! Ich freue mich über jede und jeden, die zu uns finden. Was wäre die Alternative? Hat jemand eine Idee? Die Gruppe teilen geht nicht, wir haben keinen weiteren Raum mit vielen Tischen. 2x im Monat ist aus mehreren Gründen keine Option und wer garantiert, dass dann nicht alle 2x erscheinen? Ich habe keine Lösung, und irgendwie hat es ja dann auch funktioniert. Nur die Vorleserunden dauerten eben etwas länger und es war Geduld und Disziplin von allen gefordert.

Geschichten erfinden

Bei diesem Schreibspiel bekommt jeder Mitspieler ein Blatt Papier und einen Stift. Dann stellt der Spielleiter Fragen:

1.       Schreibe auf, wie eine weibliche Figur heißt.

2.       Schreibe auf, wie eine männliche Figur heißt.

3.       Wo treffen sich die beiden?

4.       Was sagt sie zu ihm?

5.       Was sagt er zu ihr?

6.       Wohin gehen die beiden?

7.       Was machen sie dort?

8.       Wer beobachtet sie?

9.       Wie endet die Szene?

Die Spieler schreiben den Antwortsatz auf. Dann knickt jeder Spieler sein Blatt so nach hinten um, dass sein Satz nicht mehr zu sehen ist, und gibt das Blatt an seinen Nachbarn weiter. Der Spielleiter stellt die nächste Frage. Die Spieler schreiben wieder ihre Antworten auf, knicken die Blätter um und reichen sie weiter. Sind alle Fragen beantwortet, werden die teils sehr witzigen Geschichten nacheinander vorgelesen. Hier ein paar Beispiele:

Ivy und der Hausmeister Krause treffen sich im Museum. Dort sagt sie zu ihm: „Du bist so glänzend wie ein Tontopf!“ Er antwortet: „Das können Sie mitessen, das sind Blasen.“ Danach gehen sie in den Märchenwald und teilen sich eine Flasche harten Alkohol. Ein Fuchs beobachtet sie dabei. Sie schauen sich verliebt an, doch plötzlich unterbricht sie eine laute Baustelle.

Maria und Dagobert Duck treffen sich in einer dunklen Gasse. „Deine Haare sind grässlich“, wirft sie ihm an den Kopf. Er erwidert: „Selber, selber, lachen alle Kälber! Lacht der ganze Hof und du bist doof.“ Gemeinsam gehen sie bis ans Ende der Welt und weinen dort zusammen. Die Polizei beobachtet sie, doch alles war nur ein Traum.

Persephone und Lyssander treffen sich am Tümpel. „Ich bin nicht schwanger“, offenbart sie ihm. Er weiß nichts anderes zu erwidern als „Lange nicht gesehen!“ Sie gehen zum Strand und feiern den Geburtstag mit einem Möhrenkuchen. Hades, der Herrscher der Unterwelt beobachtet sie dabei, bis sie alle drei sterben.

Vorgaben zu einer Geschichte komponieren

Die Teilnehmer wählten aus aus mehreren Angeboten aus: Alter, Ort, einen Gegenstand, ein Geheimnis. Eine Figur sollte situativ beschrieben werden mit einem Gegenstand, den sie immer bei sich trägt und mit einem Geheimnis, das sie bisher noch niemandem erzählt hatte. Hier zwei Beispiele:

Nach diesen Schreibimpulsen und dem Vorlesen der Ergebnisse war es dann schon 17 Uhr und die Luft raus. Aber für Werwolf hat sie noch gereicht:

Am meisten mag ich die Gespräche danach. Viele sind dann schon gegangen, aber es bleiben immer noch welche zum quatschen, untereinander oder mit mir. Es geht oft um ganz Persönliches, Probleme, Berufliches (viele sind ja schon erwachsen) oder um die Frage: Was wird aus der Schreibwerkstatt, wenn ich in den Ruhestand gehe? Doch bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit, vielleicht wir es eine Lösung geben.

Nun freuen wir uns auf unser Juni-Projektwochenende in Dessau, das wir mit Mitteln aus dem Jugenddemokratiefonds teilfinanzieren wollen. Inhaltlich bereitet sich die Gruppe darauf zum Literanauten-Wochenende Anfang Mai in Bad Hersfeld vor. Es bleibt spannend in jeder Hinsicht!

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