Wir haben Besuch

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz – am ersten Samstag des Monats ist Schreibwerkstatt-Treffen, so auch am 03. Februar 2024.

Vorher heißt es dann – Einkaufen! Viel einkaufen! Denn 25 Jugendliche knabbern und trinken so einiges weg. Danach muss alles griffbereit auf der langen Tafel verteilt werden. Das kann schon mal ein bisschen dauern.

So nach und nach trudeln dann alle ein, bis dann wieder 25 Leute am Tisch sitzen. Und dabei fehlen heute etliche treue Seelen, die sonst immer erscheinen. Man darf es ja eigentlich nicht sagen, aber manchmal wird mir himmelangst! Wenn alle der regelmäßig Teilnehmenden komplett anwesend wären, würde der Raum nicht mehr ausreichen. Aber das wird nicht passieren, denn es kommt immer mal was dazwischen bei dem einen oder der anderen. Jedenfalls haben wir heute zwei Gäste: unsere Storytauschautorin Grit Poppe und der Zeitzeuge Detlef Jablonski. Er ist auch Liedermacher und hat seine Gitarre mitgebracht. Auf seiner Webseite findet sich sein Lebenslauf und eine Kurzbeschreibung seines Werdegangs HIER.
(Unter anderem war er auch in der Keibelstraße inhaftiert.)
Er hat auch ein Buch geschrieben. In diesem geht es hauptsächlich um seine Kindheit und Jugend sowie um die Fluchtversuche in den Westen (die er mit 15 und 18 unternommen hat, da er zu seiner Mutter wollte), um die Verhaftung und Knast-Geschichten.

Zunächst nutzen alle die Gelegenheit, Grit mit Fragen zum Storytausch zu überschütten. Denn es gibt immer wieder Unklarheiten, die hier ganz unkompliziert gelöst werden dank Grit. Es gilt: Jeder kann schreiben, was er möchte. Das einzig verbindende Element ist eine Burg, die in allen Geschichten vorkommen muss.

Danach erzählt Detlef seine bewegende Geschichte. Sie ist für alle interessant und neu, da im Geschichtsunterricht solche dramatischen Schicksale von Menschen in der DDR kaum bis gar keine Rolle spielen. Manche, die für den Storytausch den Zeitabschnitt DDR gewählt hatten, können das Gehörte gut in ihren Texten verarbeiten.

Da wir ja eine Schreibwerkstatt sind, gibts dann von Grit noch eine kleine Schreibanregung nach Raymond Queneau:

Die Angaben: „Eine junge Frau fährt mit einem Taxi zu einer Adresse, die ihr von einem Freund gegeben wurde, weil dort eine Party stattfinden soll. Als sie aussteigt, sieht sie jedoch nur eine alte Burg und keine Menschenseele. Der Fahrer, den sie schon bezahlt hat, fährt los, sie rennt ihm hinterher, aber er hält nicht an. Da bemerkt sie ein Kind in ärmlicher Kleidung, das auf sie zukommt. Es nimmt sie an die Hand und führt sie in die Burg, als würde sie dort erwartet werden.“

Die Teilnehmer sind nun aufgefordert, diese Grundgeschichte in verschiedensten Versionen wiederzugeben. Juliane entscheidet sich für eine Abwandlung aus der Sicht einer Adligen:

Mir fällt ein, dass wir die gleiche Übung schon mal vor acht Jahren gemacht haben. Wer möchte, kann die Ergebnisse von damals HIER nachlesen.

Bevor wir zum Abschluss die Werwölfe ihr Unwesen treiben lassen, wird noch ein Gruppenfoto gemacht:

Nachtrag vom 06.01.2024

Auch zum Jahresbeginn platzte zur Schreibwerkstatt die Artothek aus allen Nähten. Wir haben uns mit Berufen beschäftigt, die es (noch) nicht gibt und die Aufgabe bestand darin, eine Arbeitsplatzbeschreibung zu erstellen. Hier sind drei Beispiele zum Nachlesen:

Außerdem wurden folgende Berufe erfunden:

  • Ohrwurmwechsler
  • Radiergummi-Zerstörer
  • Problemlöser
  • professioneller Wasserschmecker
  • Frostblumenmaler
  • Stiftehaltbarkeitsprüferin
  • Umpalumpa
  • Weihnachtsbaumnadel-Auffänger
  • Schattenmaler
  • KI-Inspektor
  • professioneller Schlangensteher

Da bekommt man doch Lust, nochmal was Neues auszuprobieren, oder?

Es stand noch eine zweite Schreibaufgabe zur Wahl, für die sich Juliane entschied, nämlich einen Text mit möglichst vielen Lebensmittel-Wörtern zu verfassen. Es gibt unzählige davon, was vom hohen Stellenwert des Essens im Leben der Menschen zeugt:

Weitere Highlights im Januar

Direkt auf das Schreibwerkstatt-Wochenende folgten noch zwei Ereignisse: die Lesenacht an der M8, an der die Mark-Twain-Bibliothek als Leseort teilnahm mit sieben jungen Erwachsenen aus der Schreibwerkstatt und ein Lyrik-Workshop, organisiert und durchgeführt mit der Autorin Anna Hetzer und Asmus Trautsch in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation. Fotos folgen hier in der Diashow:

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