Meteopoetologie

Wieder was dazugelernt! Meteopoetologie ist die Beschäftigung mit Wetterbeschreibungen in der Lyrik, erfuhr ich aus dem letzten Marzahn-Hellersdorfer Tagespiegel-Newsletter von Ingo Salmen. Dort berichtete er von einem Wettergedicht seines Steglitz-Zehlendorfer Kollegen, das Marzahn-Hellersdorf symbolisch in tiefe Finsternis stürzt und rief zum Protest auf. Am besten natürlich mit einem Gegengedicht. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und machten uns heute im Schreibzirkel gleich an die Arbeit. Da es alle nicht so gut fanden, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, wurde beschlossen, komplett alle Stadtbezirke mit ihren Klischees zu beschreiben. Also legten wir los und waren auch ganz schnell mit den 11 anderen fertig. Komischerweise fiel uns bei Marzahn-Hellersdorf partout nichts Schlechtes ein! 😉 Deswegen war es der einzige Stadtbezirk, der gut dabei wegkam. Doch lesen Sie selbst:

Meteopoetologie

Gedanken der Schreibwerkstatt Marzahn zum Wetter in Berlin

Charlottenburg-Wilmersdorf
Die Gegend lässt jeden zittern und zagen,
weil ihn dort Verbrecher jagen.

Friedrichshain-Kreuzberg
Kälte setzt die Leute fest,
Häuser werden drum besetzt.

Lichtenberg
Lichtenberg? Wo ist das Licht?
Durch den Regen sieht man ́s nicht.

Mitte
In Mitte weht exotischer Wind,
weil dort die ganzen Touris sind.

Neukölln
Die Sicht ist trüb, am Wetter liegt ́s nicht,
der Nebel aus der Shishabar kriecht.

Pankow
Wir schauen noch oben, der Himmel ist klar,
doch wir sehen nur die Helikopter-Mama.

Reinickendorf
In Reinickendorf hört man oft Donner,
leider ist dort niemals Sommer.

Spandau
Willst du anderes Wetter sehen,
musst du auf Reise nach Spandau gehen.

Steglitz-Zehlendorf
Ob der Himmel blau ist oder nicht,
Gucci-Sonnenbrillen sind Pflicht.

Tempelhof-Schöneberg
Das Tempelhofer Feld ist kahl,
dort braucht jeder einen Schal.

Treptow-Köpenick
Wenn die erste Schneeflocke fällt,
ist Köpenick abgeschnitten von der Welt.

Marzahn-Hellersdorf
Die Sonne scheint, das Herze lacht,
da hab ́ ich an Marzahn gedacht.

Vorher allerdings trafen wir uns, um für die bevorstehende Storytauschlesung zu proben. Wer muss wo stehen, welches Gesicht machen, was vorlesen, wann die Position an welche Stelle wechseln usw. Am meisten gespannt bin wahrscheinlich ich selbst, ob alles so funktioniert wie geplant. Auch weitere zukünftige Projekte wurden besprochen. Wir wollen uns auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder beim Jugendbeteiligungsfonds um Fördermittel bewerben und eventuell Lost Places zum Forschungsgegenstand machen. Auch der Aufruf zur Beteiligung von denk!mal ’18 des Abgeordnetenhauses Berlin reizt uns zur Teilnahme und ist in Planung.

Eine weitere Schreibaufgabe bestand darin, zwei Gegenstände im Raum unsterblich miteinander zu verlieben. Einer davon schreibt einen schmachtenden Liebesbrief an seine / seinen Angebeteten, ohne Namen zu nennen. Die Briefe wurden anschließend vorgelesen und die anderen mussten erraten, wer in wen verliebt ist. Lustig war, dass sich drei Teilnehmer zufälligerweise dieselbe Figur ausgewählt hatten.

Wie immer folgte als krönender Abschluss das Werwolfspiel, das den Spielleiterinnen alles abverlangte, da die Dorfbewohner und auch die Wölfe sich ziemlich aufsässig verhielten.

Nun freuen wir uns auf den 15.12. – die Storytauschlesung, das Highlight des Jahres!

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