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11. August 2026 | Spandau (Kladow) | Finnenhaussiedlung, Flug-, Golfplatz- und Kasernengrenzen, Gutspark Neukladow, viele neue Häuser

„Schau nach innen. Bei keiner Sache soll dir ihre eigene Besonderheit und ihr Wert entgehen.“ (Marc Aurel) – Kalenderspruch des Tages

Audiozusammenfassung des Textes mittels KI:

Bevor ich loslege, möchte ich bekanntgeben, dass ich ab 31.08.2026 den Dienstag-Wandertag auf Montag verlege. So bleibt mir zwischen den beiden Tagen mehr Zeit für meinen Bericht. Die Vorschau für die September-Touren folgt in Kürze. Und noch etwas: Ich habe die 1000-Kilometer-Marke geknackt! Ich staune selbst über diese beeindruckende Zahl und freue mich natürlich riesig!

Auf der zweiten Tour durch Kladow begleitet mich Doris Hacker, die über Instagram auf mich aufmerksam geworden ist. Sie ist in Baden-Württemberg zuhause und hat einen Sohn, der in Berlin lebt. Sie selbst ist Berlin-Fan und nutzt jeden Besuch bei ihrem Sohn, die Stadt besser kennenzulernen, weswegen sie mich fragte, ob sie einmal mitlaufen könne. Na klar! Ich freue mich immer über neue Kontakte und liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir treffen uns in Wannsee und laufen hinunter zur Fähre, auf die außer uns unzählige Kitagruppen, Ferienkinder, Urlauber und vielleicht auch ein paar ganz normale Pendler warten. Entsprechend ist der Lautstärkepegel auf dem Schiff während der Überfahrt. Wir müssen uns regelrecht anschreien, um die Worte des anderen zu verstehen, vom genüsslichen übers Wasser schippern kann nicht die Rede sein. Als wir in Kladow ankommen, kratzt es in meiner Kehle, als hätte ich einen zweistündigen Vortrag gehalten.

Auf dem Plan steht heute das Gebiet östlich des Ritterfelddamms, das auf der Karte von vielen unbebauten Flächen geprägt ist. Meine Überlegung geht dahin, zuerst zu ackern und dann am Gutshaus Neukladow eine Kaffeepause einzulegen. Ackern im wahrsten Sinn des Wortes, denn der Eichelmatenweg mutet wie eine Landstraße an und führt uns durch Äcker und Felder.

Am Ende der Straße stehen wir vor dem Gartenbaubetrieb Hans-Georg Guyot, die einen sehr guten Ruf hat und in den Google-Rezensionen geradezu Begeisterungsstürme entfacht hat. Das Besondere ist, dass diese Gärtnerei völlig neue Wege geht und ihr Gewächshaus zeitweise zur Eventlocation werden lässt. Man kann es für Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern mieten oder die angebotenen Veranstaltungen wie Comedy oder Oktoberfest besuchen. Ich finde das großartig!

Gegenüber gibts das Kontrastprogramm – verfallene Gewächshäuser und ein Haus, das nicht erkennen lässt, ob da noch jemand wohnt.

Und wer hätte gedacht, dass das DRK auch Gärtner ausbildet!

Wir folgen der Straße Am Ritterholz weiter in der Hoffnung, von dort aus den Weg zu erreichen, der am Golfplatz entlang zur Siedlung Am Bauern-Berg führt und kommen zu einem Reiterhof. Laut Karte müsste sich durch das Gehöft ein Weg dorthin ziehen, aber wir stehen schon auf privatem Grund und können da ja nicht einfach durch. Die Alternative wäre, wieder bis zum Start zurückzulaufen, denn hier gibts nichts weiter außer Feldern. Ich entdecke einen älteren Herrn, der sich hinter einem Strauch zu schaffen macht und spreche ihn an: „Entschuldigung, kommen wir hier weiter zur nächsten Straße?“ Keine Reaktion, stattdessen schaut er mich stumm mit flehendem Blick an. Ich verstehe das nicht und hake nach, breche aber mitten im Satz ab, als ich verstehe. Er pinkelt gerade! Oh je – Erde tu dich auf! Wie peinlich ist das denn – und zwar für uns beide. Er ist in seinem Garten und kann dort natürlich tun und lassen, was er will. Vermutlich kommen hier am Ende der Straße niemals Spaziergänger vorbei, so dass er sich nicht großartig versteckt hat. Ausgerechnet in dem Moment tauchen wir auf und sprechen ihn auch noch an! Schnell machen wir kehrt und versuchen in der Ausbildungsgärtnerei unser Glück. Tatsächlich ist dort gerade ein junger Mann am Werkeln und lässt uns durch ein Tor auf einen Fußweg, der zum Golfplatz führt.

Hier kommen wir nicht weiter, folgen also der gepflegten Zufahrtsstraße zum Golfplatz in umgekehrter Richtung. Es ist die einzige Möglichkeit, aber leider nicht die erwünschte Richtung.

Somit landen wir wieder in der Nähe vom Ritterfelddamm und ich versuche verzweifelt mit Navi und Karte, auf die August-Parseval-Straße zu gelangen. Keine Chance. Auch Umwege über Stock und Stein und große Bögen um die uns ständig im Weg stehenden Zäune des Flugplatzes schlagend stiften nur Verwirrung. Es ist einfach nicht möglich, in östliche Richtung zu laufen, stattdessen sind wir schon weit außerhalb des heutigen Gebietes. Wenn wir nun schon mal hier sind, denken wir uns, können wir auch die paar Straßen des „Alte Schanze“ genannten Areals ablaufen.

Da wir nicht wie geplant die große Runde drehen konnten, müssen wir in Ermangelung weiterer Straßen wieder zurück zum Start in Alt-Kladow und uns von dort entlang des Kladower Damms nach Osten hangeln. Doris hat eine Freundin, die in Kladow wohnt und uns gerne zu einer Kaffeepause in ein Café einladen würde. Deswegen verabreden wir uns im alten Dorf auf ein Schwätzchen.

Frisch gestärkt, brechen wir auf in Richtung Finnenhaussiedlung, vorbei an einem sehr schönen Gebäude der Kladower Feuerwehr. Es verfügt über ein sehr markantes Wandrelief mit drei Feuerwehrleuten und wurde 1988 nach einem Entwurf von Rainer G. Rümmler erbaut.

Die Finnenhaussiedlung, die wir kurz darauf erreichen, entstand Ende der 1950er Jahre als Teil eines großen Hilfs- und Wohnungsbauprogramms der USA, das Berlin nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den hohen Flüchtlingszahlen entlasten sollte. 1957 wurde vereinbart, insgesamt 600 Holzhäuser für anerkannte politische Flüchtlinge mit C‑Ausweis zu finanzieren; 379 davon wurden auf landwirtschaftlichen und kirchlichen Flächen in Kladow errichtet. Die Fertigbauteile lieferte die finnische Firma Puutalo Oy, die Baupläne stammten vom Architekten Scheibe der GEHAG, und die USA übernahmen die Finanzierung. Das Richtfest fand am 11. August 1958 am Kladower Damm statt, geleitet von Eleonore Dulles, der Schwester des amerikanischen Politikers John Foster Dulles.

Auch die Straßen wurden nach finnischen Persönlichkeiten benannt. 1958 und 1960/61 entstanden Krohnweg, Lönnrotweg, Topeliusweg, Runebergweg, Porthanweg und Sibeliusweg, während der Kladower Damm als einzige Straße bereits zuvor existierte.

Die Häuser selbst sind typische Holzfertigbauten: Nur Keller und Brandmauern bestehen aus Stein, alle übrigen Wände aus Holzbauteilen aus Finnland. Charakteristisch sind große Fensterfronten zum Garten, Einbauschränke und eine Durchreiche zur Küche. Drei Haustypen wurden errichtet, die zwischen 80 und 90 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Die Typen A1 und A2 ähneln sich stark, während Typ D eine andere Raumaufteilung besitzt, bei der die Treppe mitten im Wohnzimmer steht und den Raum teilt. Zu gerne würde ich mal reinschauen in solch ein Haus! Auffällig ist auch die Farbgebung, jedes Haus hat ein anderes Aussehen, wodurch die Siedlung sehr lebendig wirkt.

Es gibt sogar einen Verein Finnenhaussiedlung e.V., der schon 1959 gegründet wurde. Er versteht sich als Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung und unterstützt sie vor allem in der Kommunikation mit der Verwaltung. Außerdem fördert er das nachbarschaftliche Miteinander durch gelegentliche Veranstaltungen und regelmäßige Informationsabende. Insgesamt ein überzeugendes Konzept!

Immer wieder laufen wir durch Straßen, die zur einen Seite bebaut und zur anderen den Blick auf Felder und Wiesen freigeben. Oft sind in den Grünflächen Spielplätze integriert.

Wir bestaunen die unterschiedlichsten Wohnformen, die Fassade eines Hauses wurde sogar zur Gemäldegalerie umgestaltet:

Am Kladower Damm / Ecke Friedrich-Hanisch-Straße fallen uns mehrere markante Gebäude auf, die ein großes Gelände bevölkern und auf Sanierung warten. Es handelt sich um eine zukünftige Jugendfreizeitstätte mit betreutem Wohnen für Jugendliche sowie Wohnraum für Landesbeschäftigte: Kladower Damm 333: | BGG – Berlinovo Grundstückentwicklungs GmbH Hier befand sich früher das Ella‑Kay‑Heim, eine Jugendbildungsstätte, die bis 2010 dem Bezirk Neukölln gehörte. Seit mehr als zehn Jahren steht das Gelände leer, die Gebäude verwildern hinter dichtem Gestrüpp und wirken wie eine Ruine. Nun haben sich der Bezirk und die landeseigene Entwicklungsgesellschaft Berlinovo auf Eckpunkte für eine Neugestaltung geeinigt. Die drei vorderen Gebäude an der Straße sollen saniert werden. Am Waldrand sind weitere Neubauten vorgesehen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Wir folgen der Friedrich-Hanisch-Straße und landen an einem Standort der Berliner Wasserbetriebe mitten im Wald und staunen, das hier ein Waldweg durch ein Schild zur Straße geadelt wird. Das eben beschriebene Baugelände zieht sich bis hierher und gibt den Blick auf eine Ruine frei, die mit Sicherheit demnächst weichen muss.

Über den Straßen-Waldweg erreichen wir die Imchenallee, benannt nach der kleinen vorgelagerten Insel, die unter Naturschutz steht und nicht betreten werden darf. Sie ist für ihren Vogelreichtum bekannt. Graureiher und Kormorane haben hier Brutkolonien, was deutlich sichtbar ist. Trotzdem ist es ist erstaunlich, dass viele der Bäume noch grün sind. Auch der seltene Schwarzmilan und selbst Seeadler wurden schon gesichtet. Ich liebe diesen Namen – Imchen. Man kann ihn gar nicht aussprechen, ohne dabei zu lächeln. Nun aber zurück zur Imchenallee, die den ältesten Zugang zum Gelände des Gutsparks und eine direkte Verbindung zum alten Dorfkern von Kladow sowie zum Landhausgarten Dr. Max Fraenkel bildet. Sie wird auf diesem Abschnitt gesäumt von stattlichen Linden und man läuft nicht, sondern man schreitet auf ihr dahin. Auch die Grundstücke und Häuser an dieser Adresse sind entsprechend herrschaftlich bis auf eine sympathische Ausnahme am Ende:

Der Hafen ist nicht weit, wir besuchen den Buddy-Bär, der mit Kladower Motiven bemalt ist und winkend die Schiffe begrüßt und verabschiedet.

Mit Blick auf die Uhr gehts weiter. Doris ist um 18 Uhr mit ihrem Sohn in Kreuzberg verabredet, aber ein Stückchen kann sie noch mitkommen. Es gibt immer Straßen, die aus strategischen Gründen erst einmal ausgelassen werden und uns dann manchmal doch zwingen, einige Strecken zum wiederholten Male zu begehen. Hier ist das jetzt der Fall und wir versuchen, die Lücken zu schließen. Auf diesen verschlungenen Pfaden gelangen wir zum Gutspark Neukladow, den wir durch die historische Toranlage betreten. Die markanten, geschwungenen Torhäuser flankieren den Eingang. Sie werden unter anderem vom Kladower Forum für Ausstellungen genutzt.

Das ehemalige Lehnschulzengut Neu‑Kladow besitzt ein Herrenhaus im Stil des Baumeisters Friedrich Gilly, errichtet um 1800 durch Anastasius Ludwig Mencken. Seine Tochter Luise Wilhelmine Mencken war Mutter des späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck und verbrachte hier ihre Jugend. Über die frühe Entwicklung des Gutes ist wenig bekannt, bis Robert Guthmann das Anwesen 1887 erwarb. Dieser wollte den Park ursprünglich parzellieren und Landhausvillen verkaufen, scheiterte jedoch an der schlechten Verkehrsanbindung Kladows an Berlin. 1909 übergab er das Gut seinem Sohn Johannes Guthmann, der das Herrenhaus durch Paul Schultze‑Naumburg umbauen ließ. Der Umbau passte das Gebäude dem modernen Wohnkomfort an, ohne die Grundstruktur wesentlich zu verändern; lediglich eine halbrunde Veranda entstand an der Ostseite.

Bekannte Künstler wirkten an der Gestaltung des Anwesens mit: Alfred Grenander entwarf die Innenausstattung, Max Slevogt bemalte die Loggia, August Gaul schuf Tierplastiken, und Karl Foerster verwandelte Steilhänge in Blütenkaskaden. 1921 übernahm Mary Guthmann das Gut und verkaufte es 1928 an die Stadt Berlin, die es den Stadtgütern zuordnete. Ab 1935 begann mit dem Bau von Baracken zur Unterbringung einer Flugstaffel die militärische Nutzung des Geländes. Nach dem Krieg diente es der Arbeiterwohlfahrt als Erholungsheim bis 1993. Dann wurden die Baracken abgerissen.

Nach längerem Leerstand wird das Anwesen seit 2006 wieder kulturell genutzt und bietet einen der schönsten Ausblicke über die Havel bis zum Wannsee. Das Bezirksamt Spandau plant weitere Aufwertungen des Parks, darunter Besucherparkplatz, Wiederherstellung des Naturtheaters sowie eines Schmuck‑ und Rosengartens, wovon allerdings außer einem Bauzaun noch nichts zu sehen ist.

Ich finde, jetzt ist eine gute Zeit für eine Aperol-Pause. Wir holen uns zwei Gläser und machen es in einem Doppel-Liegestuhl bequem. Unsere Gesprächsthemen reichen vom Wandern am Bodensee und durch den Schwarzwald, über Dialekte, Verwandtschaftsbesuche im Westen zu DDR-Zeiten, meinen beruflichen Werdegang bis hin zu Lebensmittelversorgung im Osten und es besteht kein Grund zur Sorge, dass uns der Gesprächsstoff ausgeht.

Im Gegenteil, wir müssen aufpassen, uns hier nicht festzuquatschen, weswegen wir uns wieder auf den Weg machen. Doris muss nun zur Fähre, ich habe noch einiges zu erledigen und verabschiede ich mich in der Imchenallee von ihr mit dem Versprechen, ihr meinen Bericht von der gruseligen Schluchtensteig-Wanderung zu schicken, die ich in so schlechter Erinnerung habe. Später, als sie ihn gelesen hat, schreibt sie mir: „Die Wutachschlucht kenne ich auch und will da nie mehr laufen, alles so düster und wild. Dazu das langweilige Blumberg und noch schlimmer Stühlingen. Da kann ich euch voll verstehen. Gib dem Süden mal wieder eine Chance und laufe in der Freiburger Gegend und Hinterzarten.“ Das mache ich, liebe Doris, versprochen!

Meine Füße tragen mich nun durch Straßen mit relativ neu errichteten Wohnhäusern, denen es doch oft an Individualität mangelt. Fast alle sind einfach nur langweilig weiß, wodurch ganze Straßenzüge beliebig und austauschbar sind. Es gibt ein paar Ausnahmen und fast alle geben sich große Mühe, wenigstens in ihre Gärten etwas Farbe zu bringen, aber es fehlt eben etwas ganz Entscheidendes. Im Auge des Betrachters haben die Häuser irgendwie keine Seele.

Nun komme ich zu einer Art Tor für das Wohngebiet namens Parkviertel, das sich bis zum Bauern-Berg-Gelände hinzieht. Hier stehen Mehrfamilienhäuser unterschiedlicher Wertigkeit, aber in großem Abstand zueinander mit vielen Wiesen, Spielflächen und bepflanzten Grünanlagen dazwischen.

Am Ende der Amberbaumallee sitzt ein Mann mit Hund auf der Schwelle seines Hauses und ruft mir freundlich zu: „Hier kommen Sie nicht weiter!“ Fast habe ich es schon geahnt, denn das viele Gras, das zwischen den Gehwegplatten hervorlugt, lässt genau diesen Schluss zu: Hier gibt es keine häufige Begehung. Wieder stehe ich vor einem Zaun, der militärisches Sperrgebiet auf der anderen Seite verkündet. Warum aber ist davon im Stadtplan nichts zu erkennen? Auch nicht auf Google Maps? Der junge Mann kann sich das auch nicht erklären und erzählt mir, dass öfter mal Spaziergänger genau wie ich vorm Zaun stoppen und irritiert ihre Pläne studieren. Für mich bedeutet das jetzt jedenfalls, die ganze lange Amberbaumallee wieder zurücklaufen zu müssen, natürlich nicht, ohne vorher noch meine Visitenkarte zu übergeben.

Wenn man sich hier aufmerksam umschaut, fällt einem die Mischung aus Neubauten in Weiß und Häusern älteren Datums auf, die alle einen ockergelben Anstrich haben zu dem Ensemble der Kasernengebäude zu gehören scheinen, nur eben vor deren Zaun stehend. Was hat es damit auf sich? Gehörten sie früher zum militärischen Gelände? Oder gab es früher die Kaserne gar nicht und die gelben Häuser bildeten eine zusammenhängende Siedlung? Letzteres ist höchst unwahrscheinlich. Ich habe einen Hinweis gefunden, dass hier in den Jahren 1935/36 eine Kriegsschule der Luftwaffe errichtet wurde, nach dem Krieg als „Gatow Barracks“ der britischen Streitkräfte genutzt wurde und dass die Liegenschaft heute zweigeteilt ist. Erstens wird es unübersehbar von der Bundeswehr militärisch genutzt als General-Steinhoff-Kaserne, zweitens wurden einige Gebäude der zivilen Nutzung zugeführt und denkmalgerecht saniert. Sie dienen heute als moderne Wohnanlagen mit Eigentumswohnungen im Dachgeschoss.

Verwirrend finde ich, dass der Flugplatz Gatow zu Kladow gehört. Auch der Campingplatz Gatow liegt auf Kladower Territorium. Jedenfalls sagen das die Ortsteilgrenzen, die im Übersichtsplan für Spandau eingezeichnet sind. Ich bitte im Korrektur, falls ich hier etwas Falsches behaupte.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Kladower Damms finden sich infrastrukturelle Einrichtungen, die neben Wohngebieten natürlich essentiell wichtig sind. So z.B. die Freie Waldorfschule Havelhöhe.

Die Geschichte der Waldorfpädagogik Havelhöhe beginnt Ende der 1990er-Jahre, als Familien in Kladow einen Ort suchten, an dem ihre Kinder in einer lebendigen und ganzheitlichen Umgebung aufwachsen können. Aus Gesprächen zwischen Eltern, Pädagogen und Menschen aus dem Umfeld des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe entstand eine Initiative, die schließlich zum gemeinnützigen Verein Waldorfpädagogik Havelhöhe führte. 1997 öffnete zunächst ein Waldorfkindergarten, getragen von einer engagierten Elterninitiative. So entstand im Jahr 2000 die Freie Waldorfschule Havelhöhe – Eugen Kolisko. Mit den Jahren wuchs die Schulgemeinschaft, neue Klassen kamen hinzu, Räume wurden erweitert und schließlich konnte ein eigenes Schulgelände entwickelt werden. Heute gehören Kindergarten, Schule (Klassen 1 bis 13) und Hort zu einem gemeinsamen Bildungsort, an dem Kinder vom frühen Alter bis zum Schulabschluss begleitet werden. Aktuell wächst der Campus weiter. Ein bedeutender Schritt ist der Bau einer Sport- und Mehrzweckhalle.

Auf gleicher Höhe befindet sich die christophorus-pflege.de. Auf deren Webseite heißt es, dass die stationäre Pflegeeinrichtung Christophorus Pflege Havelhöhe in Kladow älteren und pflegebedürftigen Menschen ein ruhiges Zuhause auf dem grünen Campus Havelhöhe bietet. Die Einrichtung verbindet eine familiäre Atmosphäre mit einer ganzheitlichen, anthroposophisch orientierten Pflege, die Körper, Geist und Seele gleichermaßen berücksichtigt. Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von der Nähe zur Havel, einer großen Parkanlage und dem lebendigen Umfeld aus Waldorfschule und Kindergarten, das regelmäßige Begegnungen zwischen den Generationen ermöglicht. Die Pflegeeinrichtung umfasst 46 Einzelzimmer auf drei Etagen, jeweils mit eigenem Sanitärbereich und der Möglichkeit, persönliche Möbel mitzubringen. Die Zimmer sind in kleine Wohngruppen eingebettet, ergänzt durch Gemeinschafts- und Aufenthaltsräume. Zum Team gehören Pflegefachkräfte, Therapeutinnen und Therapeuten, Betreuungskräfte und Hauswirtschaft. Für medizinische Versorgung stehen eine kooperierende Arztpraxis, externe Ergotherapie, eine Physiotherapiepraxis im Haus sowie das nahegelegene Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe zur Verfügung. Obwohl kaum jemand freiwillig in ein Pflegeheim zieht, klingt das geradezu paradiesisch.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe reiht sich perfekt in diesen ganzheitlichen Reigen ein, es hat sich ebenfalls der Anthroposophie verschrieben und verfügt über einen ausgezeichneten Ruf. Es verbindet moderne Medizin mit einem erweiterten Blick auf den Menschen und bietet ein breites Spektrum an Fachabteilungen, darunter Innere Medizin, Chirurgie, Plastische Chirurgie, verschiedene therapeutische Angebote und weitere spezialisierte Bereiche. Das Haus verfügt über rund 380 bis 400 Betten und ist zugleich akademisches Lehrkrankenhaus.

Der Campus liegt ruhig im Grünen und ganz nahe der Havel. Er ist Teil eines größeren Gesundheits- und Bildungsstandorts, zu dem auch Pflegeeinrichtungen, therapeutische Praxen und die Waldorfschule Havelhöhe gleicher Ausrichtung gehören. Patientinnen und Patienten schätzen die persönliche Atmosphäre, die Kombination aus konventioneller und anthroposophischer Medizin sowie die gute Anbindung an ärztliche Versorgung, Therapien und Apotheken im direkten Umfeld. Also wenn ich mal ins Krankenhaus muss, dann hierher!

Die letzte Adresse am Kladower Damm auf Kladower Gebiet ist der Campingplatz, danach folgt ein großes Waldgebiet, die Natur- und Parklandschaft westliches Havelufer mit vielen Wanderwegen. Es schmerzt schon ein bisschen, diesen jetzt nicht folgen zu können, aber sie kommen auf meine Liste der Ziele für spätere Zeiten. Der Campingplatz liegt eingebettet zwischen der historischen Mauerlinie und der Havel. Er gehört zum Deutschen Camping-Club und ist ein familiär geführter Platz, der ganzjährig geöffnet ist. Rund 100 Stellplätze stehen zur Verfügung, teils parzelliert, teils frei wählbar. Die Atmosphäre ist ruhig und naturnah, geprägt von alten Bäumen, kurzen Wegen zur Havel und der Nähe zu Kladow und Gatow. Interessant sind auch die Bewertungen. Sie beschreiben den Platz als freundlich, sauber und bodenständig – kein Luxuscamping, sondern ein klassischer Berliner Stadtrandplatz mit viel Grün und direktem Zugang zu Ausflugszielen wie Havelufer, Gutspark Neukladow und den historischen Flächen rund um den Flugplatz Gatow.

Jetzt wende ich mich dem letzten Abschnitt für heute vor und muss dafür wieder auf die gegenüberliegende Seite des Kladower Damms wechseln. Ich nenne es Entdeckerviertel, denn dort gibt es Straßen, die nach Christoph Kolumbus, Marco Polo und Ferdinand Magellan benannt sind. Auch hier werde ich an zwei Stellen ausgebremst. Weder die Marco-Polo-Straße noch die Christoph-Kolumbus-Straße sind vollständig begehbar. Mitten über die Fahrbahn ziehen sich Absperrungen. Dahinter gehen die Straßen weiter, aber nicht für mich. Ok, denke ich, eigentlich kann ich der Bundeswehr dankbar sein, sonst müsste ich ja noch mehr laufen heute.

Zum Schluss noch drei Fotos, die übriggeblieben sind, aber zeigenswert, wie ich finde:

Mit dem Bus fahre ich zurück nach Alt-Kladow. Auf der Fähre schickt mir die Sonne einen goldenen Gruß hinterher. Kladow – ich komme wieder!