„Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele. Der Himmel war weiß gefleckt; wenn man von der Sonne recht schön angebraten war, kam eine Wolke, ein leichter Wind lief daher…“ (Kurt Tucholsky) – Kalenderspruch des Tages
Audiozusammenfassung des Textes mittels KI:
Die Einteilung meiner Touren richte ich in der Regel an Hauptstraßen, Ortsteilgrenzen oder Bahnlinien aus und es ist immer schwer vorauszusagen, wie viele Kilometer es sein werden. Doch mittlerweile habe ich genug Erfahrungen gesammelt, um beurteilen zu können, dass wir heute etwas länger unterwegs sein werden. Zu meiner großen Freude begleitet mich Benita Hanke, Fachbereichsleiterin der Marzahn-Hellersdorfer Bibliotheken. Wir sind für 10 Uhr am S-Bahnhof Lichterfelde Ost verabredet, doch noch in Kaulsdorf weilend, weiß ich schon, dass ich nicht pünktlich sein werde. Offenbar haben alle Kitas und Schulen beschlossen, heute mit den Kindern Ausflüge zu machen, Busse, Bahnhöfe und Züge sind hoffnungslos überfüllt. Erschwerend kommt hinzu, dass Busse ausfallen, die S-Bahn wegen einem der üblichen Gründe nur im 20-Minuten-Takt fährt und dann nur im Schritttempo. Doch irgendwann habe ich mich durchgekämpft, so dass wir voller Elan und hochmotiviert das Dreieck zwischen Brauerstraße, Hildburghauser Straße und Luisenstraße in Angriff nehmen. Benita ist auch nicht gerade von der langsamen Sorte und wir kommen gut voran. Wir stecken zunächst die Außengrenzen der Tour ab, die uns an dem ehemaligen Coca-Cola-Verwaltungsgebäude vorbeiführt, von dem mir am Dienstag schon die Meyers berichtet hatten.

Die Coca‑Cola‑Niederlassung war von 1936 bis 1992 die Berliner Zentrale des Unternehmens und entstand zunächst in einem ehemaligen Brauereigebäude, das 1945 wiederaufgebaut und 1957 durch einen modernen Neubau ersetzt wurde. Nach der Stilllegung und dem Umzug der Produktion nach Hohenschönhausen verfiel das Gelände, wurde 2012 geteilt und das denkmalgeschützte Verwaltungs- und Fabrikgebäude schließlich saniert und neu genutzt, während der Rest für Wohnbebauung vorgesehen ist. Das Gebäude wurde auch zu einem kleinen Stück Filmgeschichte: Billy Wilder nutzte das Verwaltungsgebäude im Sommer 1961 als authentischen Schauplatz für seine Komödie Eins, zwei, drei, in der es tatsächlich die Berliner Coca‑Cola‑Zentrale darstellt . Jahrzehnte später tauchte das inzwischen leerstehende Gebäude erneut im Kino auf – in Good Bye, Lenin! von 2003, wo es als Kulisse für eine fiktive Verhandlung zwischen Coca‑Cola und der DDR diente.
Die Hildburghauser Straße selbst ist eine Hauptverkehrsader, der man nur mit viel Wohlwollen freundliche Seiten abgewinnen kann.
Natürlich gibt es von meiner Seite Pluspunkte für den Straßennamen, denn Hildburghausen liegt in der Nähe meiner Heimatstadt Meiningen und auch weitere Straßen wie Oberhofer Weg, Geraer Straße, Salzunger Pfad deuten auf einen thüringenfreundlichen Namensgeber hin, so dass sich fast ein bisschen Heimatgefühl einstellt. Trotzdem sind wir froh, von dieser lauten und heißen Straße in die Zerbster und später Luisenstraße abbiegen zu können, die Lichterfelde von Lankwitz trennen. Hier geht es etwas beschaulicher zu, wir finden Schatten und schöne Häuser ganz nach unserem Geschmack.
Ein Eckhaus Luisen- / Jägerstraße fasziniert uns besonders. Der Bau wurde 1903-1904 von Architekt und Bauherr Adalbert Scheer entworfen und ausgeführt. Das Besondere ist der Fassadenmix. Sockel und Teile des Erdgeschosses bestehen aus rotem Backstein, während die oberen Etagen hell verputzt sind. Ein vertikaler Streifen aus Naturstein ist besonders auffällig. Hinzu kommen ganz besondere Reliefs. Leider sind die Figuren über dem Eingang Jägerstraße mit blauen Netzen verhüllt, aber insgesamt ist es eine imposante Erscheinung:
Nachdem die Luisenstraße zwei Haken geschlagen hat, führt sie uns auf die Lankwitzer Straße mit der neulich schon erwähnten und leerstehenden Telekom-Ausbildungsstätte und zurück zum S-Bahnhof Lichterfelde Ost. Nun gehts darum, die eben gelaufenen Straßen wie ein Stopfmuster kreuz und quer zu verbinden. Strategisch wird das eine Herausforderung, denn das Straßennetz folgt einer nicht gleich erkennbaren Logik und mutet zunächst völlig wirr an. Viele Plätze sind Knotenpunkt für bis zu jeweils sechs Straßen, die sich in merkwürdigen Richtungen verteilen und selten strahlenförmig. Einerseits ist das einem Entwässerungssystem geschuldet, das Friedrich II. anlegen ließ, weil die Felder der Bauern oft überschwemmt waren. Es gab einen Vorfluter, den Königsgraben, der neben der Kiesstraße in Richtung Grabenstraße floss. Heute ist er kanalisiert und fließt in den Teltowkanal. Jedenfalls musste diesen Gräben Rechnung getragen werden, außerdem schuf Stadtplaner, Architekturtheoretiker und Hochschullehrer Johannes Otzen im Auftrag von Johann Anton Wilhelm von Carstenn (hier ist er wieder) das Straßennetz mit wichtigen Platzanlagen, die im Stadtplan geometrischen Figuren ähneln. Einer davon ist der ovale Oberhofer Platz, der eingebettet ist in den Ring der Grabenstraße und andere auf ihn kreuz und quer zulaufende Straßen. Dieser Bereich gehörte zum erstbebauten Teil Lichterfeldes. Das lag vor allem an der Bahnstation (Lichterfelde Ost) am Kranoldplatz. Einer der ersten Bewohner war Herman Grimm, der Sohn von Wilhelm Grimm.
Wir geben unser Bestes, um nicht vermeidbare Dopplungen zu reduzieren und biegen ab in die Lorenzstraße. Sie erhielt 1879 diesen Namen, der Anlass ist nicht eindeutig belegt. Angeblich erfolgte die Benennung nach einem Familienmitglied Johann Anton Wilhelms von Carstenn, was ich mir sehr gut vorstellen könnte. Die Straße ist durch kleine Cafés angenehm belebt, stattliche Mehrfamilienhäuser lassen ein gutbürgerliches Milieu vermuten.
Ein riesiges Fachwerkhaus übertrifft alle unsere Erwartungen und wir stehen mit offenen Mündern davor. Das mehrgeschossige, schlossähnliche Wohnhaus wurde 1902 – 1903 nach Plänen von Reinhard Herold errichtet und verbindet Elemente des Historismus mit dem damals sehr beliebten, vom Landhausstil inspirierten Fachwerk. Fast könnte man denken, dass oben nochmal spitzgiebelige Häuser draufgesetzt wurden.
Wir schauen, staunen und versuchen, der Denkmaldatenbank Informationen zu entlocken, als uns ein Mann mit gefüllter Einkaufstasche ernst blickend anspricht: „Kann ich Ihnen helfen?“ Es stellt sich heraus, dass er schon lange hier wohnt und dadurch über Detailwissen verfügt, das man sonst nirgendwo nachschlagen kann. Als ich mich als die Straßenwanderin oute, geht eine Wandlung mit ihm vor, denn er kann sich noch gut an die Sendung in der Abendschau erinnern. Er fand schon damals die Idee großartig und hatte den Entschluss gefasst, sich mit mir in Verbindung zu setzen, um mich durch sein Viertel zu begleiten. Aber wie das eben immer so ist – man verliert das auch schnell wieder aus den Augen. „Und jetzt sind Sie schon hier! Nun ist es zu spät!“ „Keineswegs!“, beteuere ich und gebe ihm meine Visitenkarte, „Sie können jederzeit noch mitkommen!“ Nun ergibt eins das andere und schließlich bietet er uns an, einen Blick auf die Rückseite des Hauses und den Garten zu werfen. Wunderbar, jubiliere ich, denn solch eine Chance bietet sich mir natürlich nur sehr selten. Auch Benita ist sehr angetan, vor unseren Augen eröffnet sich eine gemütliche Oase mit Sitzgelegenheiten und Swimmingpool. Wir fachsimpeln über Baujahr, Architekt und andere Details, bis uns Dirk (wir sind mittlerweile beim „Du“ angelangt) zu Infotafeln im Treppenhaus führt, auf denen alte Grundrisse und eine Parzellierungs-Übersicht mit Namen von 1902 zu sehen sind, außerdem Briefe aus den Jahren zwischen 1901 und 1961, die mit dem Bau- und später Bezirksamt ausgetauscht wurden, in nicht immer freundlichem Ton. Es ist eine richtige kleine Geschichtsausstellung, die dem Haus ein Gesicht gibt. Da wir nun schon so weit ins Innere vorgedrungen sind, lässt Dirk unsere Zufallsbekanntschaft entschlossen in einer Einladung auf eine Tasse Kaffee gipfeln, die wir gerne annehmen. Ist das nicht großartig? Solche Begegnungen sind auf meinen Wanderungen das Salz in der Suppe. Konsequenterweise verabreden wir uns auch gleich noch zum gemeinsamen Wandern gleich nächste Woche zu meiner letzten Tour durch Lichterfelde.
Nach dieser Überraschungspause gehts wieder hinaus in die Hitze und ins Stopfmuster der Straßen, das wir gewissenhaft abarbeiten, immer mit dem analogen und digitalen Kontrollblick.
Fast vor Dirks Gartentor sind zwei Stolpersteine verlegt. Zu meiner Überraschung habe ich herausgefunden, dass Frieda Salomon 1899 in Meiningen geboren wurde, meiner Heimatstadt. Sie wuchs als Tochter einer dort ansässigen Likör‑ und Essigfabrikantenfamilie auf. Nach ihrer Heirat zog sie nach Berlin, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann Theodor lebte. Tatsache ist, dass Frieda und Irene dort unter der bereits mindestens seit 1935 bestehenden Geschäftsadresse „G. Salomon“ lebten. Vielleicht führte Frieda von dort aus zunächst noch einen Teil der Handelsgeschäfte weiter. Das Geschäft wurde schließlich im Jahr 1940 „aufgelöst“. Zusammen mit ihrer Tochter Irene wurde sie am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Lorenzstraße geht in die Mariannenstraße über, der wir bis zur Hildburghauser Straße folgen.
Die nächsten Wege detailliert zu beschreiben, ist schlichtweg nicht möglich, denn wir folgen aus Effektivitätsgründen dem Verlauf der Straßen nicht jeweils von Anfang bis Ende, sondern abschnittsweise, um das Innere des Dreiecks stückchenweise zu absolvieren.

Letztendlich spült es uns immer wieder auf den Oberhofer Platz, der bis 1939 noch Wilhelmplatz hieß. Er bildet das spürbare Zentrum dieses Planungsabschnittes. Am Oberhofer Weg / Ecke Grabenstraße werden wir durch den Schriftzug ER-LEBE-K / K-UNST auf das Japanische Haus LEBEK aufmerksam. Der Eigentümer hat dort über Jahrzehnte einen originalgetreuen japanischen Teegarten sowie ein Haus im japanischen Stil erschaffen. Ab und zu öffnen die Besitzer das Gelände für private Führungen oder kleine Kiez-Kunstausstellungen. Heute ist geschlossen, so dass ich durch den Zaun versuche, ein Motiv zu erhaschen.
Uns begegnen auch hier Bücherschränke in verschiedenen Formen, aus denen man sich bedienen kann, auch ein Hasenstall wurde dafür umfunktioniert.



Allerdings findet man nicht nur Bücher zum Mitnehmen, sondern auch andere merkwürdige Dinge, bei denen ich den Gedanken dahinter, andere könnten das noch brauchen, nicht nachvollziehen kann. Oft ist es einfach nur Ramsch und Schrott.
Wie schon auf der letzten Tour fallen uns die Landhäuser mit Klinkerfassade (hier überwiegend gelb) und dekorativen Ziegelmustern auf, die sich vor allem in der Parallel-, Graben- und Heinersdorfer Straße häufen. Sie gehörten nicht direkt zu einem Areal, sind aber alle im Zuge der Bebauung unter dem Gründervater der Villenkolonie Lichterfelde – dem von mir bewunderten Johann Wilhelm von Carstenn entstanden. Im Gegensatz zu Lichterfelde West durfte hier individuell auf besonders großen Grundstücken gebaut werden, was man auch „Frühe Lichterfelder Einzelbauweise“ nannte. Ich mag diesen Baustil und wechsle die Straßenseiten wie eine Springmaus, um die Häuser möglichst komplett aufs Bild zu bekommen.
In der Auguststraße fällt mir auf, dass die Straße zweierlei Pflasterungen hat mit einer Art Radweg rechts und links. Leider reicht mein Wissen über Straßenbau nicht aus, um den Grund dafür zu nennen oder ob diese Randstreifen neueren Datums sind. Ich konnte das in keiner anderen Straße beobachten und würde zu gerne wissen, was es damit auf sich hat. Handelt es sich wirklich um Radwege? Oder sollte damit Handkarren ein leichteres Fortkommen ermöglicht werden? Das Internet spricht von einer Pflasterrinne zur Wasserableitung und von der Randeinfassung, die den Druck der durchfahrenden Wagen oder Autos stabilisieren sollte. Aber wären dann nicht auch die anderen Straßen so angelegt worden? Wenn jemand aus der Leserschaft die Lösung kennt, freue ich mich über die Schließung meiner Wissenslücke!

Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen – ein weiteres beeindruckendes Fachwerkhaus des Baumeisters Herold und Bauherr Bruno Peglau von 1901-1903, eine stattliche Grundschule in der Kastanienstraße, abwechslungsreiche Bebauung in der Parallelstraße, Jugendstil- und Handwerksszenen-Reliefs, von Efeu eroberte Fassaden, eine riesige Chilenische Schmucktanne mit Früchten, Totholzhecken, merkwürdige Dächer usw.
Der Oberhofer Platz ist durch den hohen, spitzen Turm der Petruskirche nicht zu verfehlen. macht auf uns aber leider einen sehr ungepflegten Eindruck. Dass Grünflächen seltener gemäht werden, finde ich sehr in Ordnung, aber hier hat offensichtlich schon lange niemand mehr Hand angelegt. Das ist sehr schade, weil dadurch irgendwie auch die Kirche optisch in Mitleidenschaft gezogen wird. Sie ist umwuchert von ausuferndem Heckenwuchs und es gibt nichts, was zum Verweilen animiert. Hinzu kommt der Verkehr, der rastlos um den Platz tobt. Vielleicht nehmen sich die Stadtplaner irgendwann auch mal dieses Platzes an, er könnte nur gewinnen!
Der Blick ins Innere der Kirche bleibt uns ebenfalls verwehrt, aber ich bin sehr beeindruckt von dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm, über das man sich mittels Flyer bis in den September hinein informieren kann, natürlich auch auf der Kultur-Webseite der Kirche. Auf der letzten Tour schenkte mir Gisela Meyer u.a. auch eine Broschüre mit Informationen über die beiden Giesensdorfer Kirchen, die sich wie ein spannender Roman lesen. Sehr bildhaft wird dort beschrieben, wie festlich im Mai 1897 die Grundsteinlegung für die Petruskirche ablief. Straßen und Platz waren mit Blumengirlanden geschmückt, eine Kapelle der Kadettenanstalt führte einen Festzug an. Auf der mit rotem Stoff ausgekleideten Tribüne standen die Ehrengäste, dreihundert Festteilnehmer waren geladen. Nach Reden, Gottesdienst und Gesängen wurde die Urkunde in einer Hülse verlötet und von Baumeister Böhm im ausgehöhlten Grundstein versenkt. Im Juli begannen die Bauarbeiten und im Dezember 1898 konnte schon die Einweihung stattfinden, zu der eigentlich die Kaiserin kommen wollte, dann aber Vertreter schickte. Eine Anekdote muss ich hier unbedingt zitieren: „Ein kleines Missgeschick ereignete sich, als feierlich die Kirchentür das erste Mal geöffnet werden sollte. Der Schlüssel, den der Regierungsbaumeister Goldbach dem Bürgermeister Schulz, dieser dem Vertreter der Kaiserin gereicht hatte und von diesem an Dr. Faber weitergegeben wurde und schließlich von Pfarrer Stolte in Empfang genommen wurde, ließ sich nicht im Schloss bewegen. Der Schlüssel war schon ganz verbogen, da stellte sich heraus, dass die Tür gar nicht verschlossen war.“ Herrlich! Ich kann mir das richtig bildhaft vorstellen.
Im Ersten Weltkrieg musste die Kirche ihre großen Glocken hergeben für die Rüstungsindustrie, im Zweiten Weltkrieg diente sie als Möbellager und wurde 1944 durch Bombentreffer schwer beschädigt, sodass Dach und Bleiglasfenster verloren gingen. Nach 1945 begann der Wiederaufbau mit deutlichen Vereinfachungen im Innenraum, darunter übertünchte Wandmalereien, veränderte Pfeilerkapitelle und eine neue Kanzel; 1955 wurde die Kirche erneut eingeweiht. 1981 folgte ein Umbau und sie wird seitdem als Offene Kirche kulturell ausgiebig genutzt.
Das Gemeindehaus der Kirche aus roten Klinkern ist etwas abseits gelegen Am Pfarracker / Parallelstraße und besticht durch seinen sachlichen und klaren Stil der späten 1920er Jahre.
Über der roten Eingangstür befindet sich die steinerne Skulptur des Apostel Petrus. Schön sind auch die dunkelgrünen Fensterläden im Obergeschoss. Hier machen wir eine kleine Pause und planen den Weg durch die letzten Straßen, die noch nicht abgestrichen sind – noch ahnungslos, welche Bilderbuchidylle uns gleich in der gartenstadtähnlichen Siedlung Am Pfarracker, dem Salzunger und Wienroder Pfad erwarten wird. Das ist wieder so ein Moment, in dem ich meine Laufidee feiere. Niemals sonst hätte es mich in diese abgelegenen Sträßchen verschlagen und ein weiterer Augen- und Seelenschmaus wäre mir entgangen:
Die kleine Siedlung wirkt bis heute wie ein ländlicher Ruhepunkt. Schmale Gehwege mit Bernburger Mosaikpflaster, alte Gaslaternen und einheitlich gestaltete Häuser mit hohen Dächern und warmen Fassadenfarben erfreuen das Auge. Entstanden ist das Quartier 1929/30 auf dem früheren Pfarracker der Petrusgemeinde, der zuvor landwirtschaftlich genutzt wurde. In Zeiten großer Wohnungsnot ließ die Baugenossenschaft des Deutschen Evangelischen Volksbundes hier 58 Einfamilien‑, Doppel- und Reihenhäuser errichten, ergänzt durch Maisonette‑Wohnungen, die für den Siedlungsbau jener Zeit ungewöhnlich großzügig waren. Städtebaulich orientiert sich die Siedlung an der Gartenstadtidee: viel Grün, kleine Gärten zur Selbstversorgung und ein Knick im Straßenverlauf, der einen kleinen Platz entstehen lässt. Ich bin sofort schockverliebt in den Anblick und meine Sammlung der Lieblingsorte erweitert sich wieder um einen Punkt.
Mit dem Rückweg zum Bahnhof haben wir heute trotz Hitze 24 Km zurückgelegt und sind erfüllt mit neuen Eindrücken, Erkenntnissen, Bekanntschaften und auch ein bisschen Stolz.
Am 23. Juni erkunde ich in Gesellschaft von Dirk das letzte Stück von Lichterfelde, zu dem die Thermometersiedlung und der Fliegeberg gehören, aber auch die US-Army Parks Range, der Reiterpfuhl und Neulichterfelde. Eventuell ist das auch gar nicht an einem Tag zu schaffen. Ich bin gespannt!
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Hallo Frau Zimmermann,
müsste es nicht 1898 heißen?
„Nach Reden, Gottesdienst und Gesängen wurde die Urkunde in einer Hülse verlötet und von Baumeister Böhm im ausgehöhlten Grundstein versenkt. Im Juli begannen die Bauarbeiten und im Dezember 1998 konnte schon die Einweihung stattfinden“
Ansonsten ist es interessant, was Sie so alles in einer mir bekannten Gegend entdecken.
Lieben Gruß
Joachim Hentschke
Lieber Herr Hentschke, natürlich haben Sie recht! Das war ein Tippfehler, der die Bauzeit mal ganz schnell um 100 Jahre verlängert hat. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie so aufmerksam lesen und ich dadurch Fehler ausbügeln kann.
Herzliche Grüße
Renate Zimmermann