13. Januar 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Wannsee) | Westufer des Wannsees, Heckeshorn, Flensburger Löwe

„Der Sommer macht mir heiße Plage, Die Herbstluft ist veränderlich; Drum stimmt die Liebe mit mir ein: Der Winter soll mein Frühling sein.“ (Johann Christian Günther) – Kalenderspruch des Tages

Heute – einen Tag später am 14. Januar, war ich in der Mark-Twain-Bibliothek und habe mir Infomaterial geholt über Wannsee und Steglitz-Zehlendorf, denn viele Eindrücke von gestern muss ich noch recherchieren und geschichtlichen Fakten zuordnen, bevor ich hier mit laienhaftem Halbwissen auftrumpfe. Es ufert langsam aus, wie ich merke, ich muss mich beschränken, sonst komme ich nicht hinterher. Jetzt liegen sieben Bücher vor mir, in denen ich auch zu den beiden Tagen vorher noch so viele Fakten entdecke, die mir entgangen waren, dass mich das Gefühl der Oberflächlichkeit beschleicht und mich Ärger und Selbstvorwürfe überrumpeln: „Wieso habe ich das übersehen? Hätte ich das doch vorher gewusst! Muss ich da jetzt nochmal hin? Soll ich meine Beschreibungen überarbeiten?“ Andererseits will ich ja keine Dissertation schreiben! Ich einige mich mit mir selbst, dass ich mich bei meinen Aufzeichnungen auf meine ganz persönlichen Eindrücke beschränken werde, die bestimmt manchmal nicht mit dem Wissen anderer übereinstimmen werden, aber gerade durch ihre Subjektivität und vielleicht auch Naivität einen Anreiz zum Lesen bieten. Dazu passen die beiden Yogi-Tee-Sprüche doch perfekt, oder?

Bevor es losgeht mit der Etappenbeschreibung, muss ich noch drei Begebenheiten loswerden. Am Montag stieg ich aus dem U-Bhf. Samariterstraße die Treppen hinauf, als hinter mir ein älterer Mann zu seiner Frau sagte: „Das ist doch die, die alle Straßen von Berlin abläuft!“ Ui, dachte ich, so schnell geht das mit dem Berühmtwerden? Die zweite Neuigkeit: Ende Januar wird mich ein Journalist begleiten und dann darüber schreiben. Ich bin begeistert! Drittens habe ich heute dieses Schild geschenkt bekommen, was passender nicht sein kann:

So, jetzt gehts aber endlich weiter mit der Fortsetzung:

Waren die letzten Tage von klirrendem Frost gezeichnet, sind nun die Temperaturen enorm in die Höhe geklettert, so dass der Niederschlag als Regen fällt und tückisches Glatteis alle ins Schlingern bringt. In den Medien wird vehement vor den Gefahren gewarnt, in NRW werden sogar die Schulen geschlossen. Natürlich stimmt das Teufelchen auf meiner Schulter ein in den Kanon und flüstert mir verschwörerisch ins Ohr: „Heute musst du nicht wandern gehen! Du hast einen guten Grund, zu Hause zu bleiben!“ Auf dem Bild (Blick von der Wannsee-Brücke) sieht man ganz gut, wie die Stimmung draußen ist. Aber mein Tatendrang auf der anderen Schulter drängelt: „Du hast gesagt, dass du bei jedem Wetter losziehen willst! Also halte dich nun auch daran!“ Gesagt, getan – Punkt 8 Uhr verlasse ich meine Wohnung in Hellersdorf und bin tatsächlich schon 9:20 Uhr in Wannsee. Vorsichtig tipple ich über den Bodenbelag aus Schneematsch, Eis, Wasser, Sand und Split. Es ist abzusehen, dass ich nicht alles schaffe, was heute auf meinen Karteikarten steht, aber ich stehe schließlich in keinem Wettbewerb. Mein Weg führt mich entlang der viel befahrenen Königstraße zunächst vorbei an der Abbiegung zu „Am Großen Wannsee“ bis zur Hugo-Vogel-Straße. Sie ist benannt nach dem Maler, der Historien- und Freskenbilder gemalt hat und Mitglied der Akademie der Künste war. Mir fällt sofort ein großes Gebäude auf, über dessen Eingang „Haus Moltke“ steht. Leider konnte direkt dazu nichts rausfinden, außer, dass die Straße früher Moltkestraße hieß und dass Moltke 1891 in seiner Dienstwohnung im Alsenviertel starb. Da die Straßen, die ich heute vor mir habe, ebenfalls zum Alsenviertel zählen, wie auch eine Stele hinter der Wannseebrücke zeigt, könnte man ableiten, dass der Generalfeldmarschall in diesem Haus das Zeitliche segnete.

Immer auf der Suche nach geeigneten Werbeflächen für meine Aufkleber, entdecke ich natürlich auch die Hinterlassenschaften anderer, wie z.B. hier:

Man muss sich mich so vorstellen: Auf dem Rücken ein Rucksack, darin ein Buch (für das Gefühl ganz wichtig, ansonsten unnützer Ballast), Powerbank, Trinkflasche mit heißem Tee, Butterbrot, Sitzkissen (auch noch nie benutzt), Drogerieprodukte unterschiedlichster Art, Geld, Taschenlampe. In einer Bauchtasche vorne griffbereit Handy, Karteikarten, Stadtplan, Taschentücher, Notizbuch, Stift, Brille, Halsbonbons, Aufkleber. In den Manteltaschen rechts Müll und links Nüsse oder anderes Naschwerk. Wanderschuhe, Stulpen für warme Beine, bequeme Hose, Fleecejacke mit dickem Kragen, Mantel, Schal, Handschuhe. Die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, irgendwas aus der Bauchtasche rauszuholen oder reinzustopfen. Handschuhe aus oder an, Reißverschluss der Tasche auf oder zu. Heute kommt noch hinzu: Kapuze auf oder ab, denn nicht die Glätte ist lästig, sondern der tauende und von den Bäumen tropfende Schnee. Den Blick wegen der Bodenbeschaffenheit gesenkt, verpasse ich vermutlich so einiges an Sehenswertem, aber die das Gesichtsfeld stark einschränkende Kapuze nervt unglaublich. Ich reiße sie mir immer wieder vom Kopf, aber die kalte Dusche von oben ist auf Dauer auch unangenehm. So husche ich wie ein Strauchdieb im Zickzack durch die Straßen und muss wie immer viele Dopplungen in Kauf nehmen. Im Geiste habe ich die Gesamtkilometerzahl schon mal um ein Drittel erhöht. Aus den Tiefen meiner Kapuze nehme ich wie an den vorherigen Tagen wahr, dass sich noble, blütenweiße Villen mit schmutzigen Betonfassaden abwechseln, die so überhaupt nicht hierher passen wollen:

Manche stellen in meinen Augen einen regelrechten Stilbruch dar. Ab und zu pappe ich so heimlich wie möglich einen meiner vielen Sticker an Stromkästen oder Masten, fühle mich dabei aber irgendwie aus vielen Augen beobachtet. Hier arbeitet man vermutlich überwiegend im Homeoffice, denn überall brennt Licht, und hier und da wackelt eine Gardine. Wenn ich zum zweiten Mal an einem Sand oder Split streuenden Bewohner vorbeischlittere, werde ich schon auch mal ein bisschen misstrauisch beäugt und kann die Gedanken fast lesen: „Was ist denn das für eine merkwürdige Person? Mit schwarzer Kapuze! Was hat die hier verloren? Wieso kommt die jetzt schon wieder? Und wieso fotografiert die mein Haus?“

Ich nähere mich dem neuen Friedhof Wannsee in der Lindenstraße, dem die 1896 eingeweihte Andreaskirche vorgestellt ist. Während ich noch überlege, ob sie wohl offen ist, kommen ein Mann und eine Frau raus, blicken sich um und verschwinden wieder in der Kirche. Ich traue mich nicht, ihnen zu folgen, was sehr schade ist. Denn in meinen vielen Büchern habe ich gerade gelesen, dass in der Vorhalle eine Büste von Wilhelm Conrad steht, dem Begründer der Kolonie Alsen. Man merkt, diese lässt mich nicht los und ploppt allerorten wieder auf. Wilhelm Conrad hat die Kirche anlässlich seiner Goldenen Hochzeit gestiftet, woran man ermessen kann, über welche finanziellen Mittel er verfügt hat. Conrad ist sowieso eine interessante Figur, die mir spätestens in der Jägerstraße wieder begegnen wird. Er war Direktor der Berliner Handelsgesellschaft und Mitglied des „Club von Berlin“ (Gesellschaft mit dem Zweck „der geselligen Vereinigung und Unterhaltung ihrer Mitglieder“), den es im Übrigen immer noch gibt, sogar an derselben Adresse!

Auf dem Friedhof sind u.a. Ernst Ferdinand Sauerbruch, Carl Georg Felix Langenscheidt, die Familien von Helmholtz, von Siemens und natürlich Wilhelm Conrad begraben, aber keines der genannten Gräber habe ich gefunden, dafür andere beeindruckende Grabmale.

Auch hier stößt man immer wieder an die Waldgrenze, was mich hoch erfreut und erleichtert. Mein Weg führt direkt auf ein Gebäude zu, das ins Auge sticht und mich neugierig macht. Leider gibt es hier nur Trauriges zu finden:

Ich patroulliere die Straße zum Löwen hoch und runter, die früher – wie es der Name vermuten lässt, direkt zum Flensburger Löwen geführt hat. Entlang einer modernen, aber monotonen Häuserzeile in der Kaiserstraße komme ich zum Löwentor, in dessen Nähe sich ein kleiner, nicht einsehbarer Tümpel namens Löwensee befinden muss.

Plötzlich befinde ich mich gefühlt in Franken, jedenfalls erinnert mich das Eingangstor und die dahinterliegende, steil nach oben zu einem schlossähnlichen Gebäude führende Straße an eine völlig andere Welt. Ich tapse den Berg hoch, am Schloss vorbei und schon ist die Illusion dahin. Eine moderne Wohnsiedlung (Wannseegärten) zieht sich fast quadratisch bis zum Waldrand, an dem alle Straßen enden. Irgendetwas ist merkwürdig hier, so isoliert, abgeschnitten von den anderen Vierteln und gekünstelt. Mittendrin eine Allee wie Unter den Linden, nur viel kürzer, die nirgendwohin führt. Links ein therapeutischer Reiterhof. Ich fühle mich extrem unwohl und würde hier um nichts in der Welt wohnen wollen.

Doch was hat es mit dem Eingangstor, dem Haus daneben und dem Schloss auf dem Berg auf sich? Das Gelände war bis 2004 ein Heim für Jugendliche. „1955 eröffnete der Orden der Salesianer das Don Bosco-Heim an der Straße zum Löwen 11 in Wannsee. Die Kinder und Jugendlichen, die in dem Heim lebten, wurden in Wohngruppen untergebracht. Sie wurden nicht nur betreut und erzogen, sondern fanden auch zahlreiche Freizeiteinrichtungen sowie Sportmöglichkeiten vor. Darunter ein Streichelzoo, das heute noch bestehende Reittherapiezentrum, aber auch eine Mehrzweckhalle und eine beleuchtete Sportanlage. Auch eine Berufsausbildung konnte hier absolviert werden. Anfangs wurden nur Jungen aufgenommen, ab 1989 fanden hier auch Mädchen ein Zuhause. 2005 wurde die Anlage aufgrund von fehlendem Nachwuchs an Ordensleuten und wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben und das Grundstück verkauft. Heute befinden sich Wohnhäuser auf dem Gelände.“ (Quelle: Berlin: Nach dem Scheitern ein neuer Anfang – Don Bosco) Später haben sie ihre Tätigkeit in Marzahn (S-Bhf. Raoul-Wallenberg-Str.) fortgesetzt.

Ich habe auch folgende Aussage bezüglich in Wannsee stattgefundenem Missbrauch gefunden: Don-Bosco-Heim

Das Tor mit Pförtnerhaus und das von mir als Schloss bezeichnete Gebäude deuten darauf hin, dass das Gelände vor 1955 im Privatbesitz war. In der Deutschen Digitalen Bibliothek habe ich folgenden Eintrag gefunden: „Verfahren Alfredo Salomon (*25.08.1941), Straße zum Löwen 11, Don Bosko Heim, Berlin-Wannsee, gegen das Deutsche Reich“. Man könnte sich jetzt was zusammenreimen oder weiterforschen, aber ich erinnere mich daran, was ich eingangs geschrieben habe. Also setze ich hier einen Punkt.

Doch es geht mit Rätseln weiter. Ich bewege mich nun auf der Straße Zum Heckeshorn weiter Richtung Norden und passiere linkerhand ein riesiges Gelände mit leerstehenden Häusern. Und wieder gibt es ein Tor, das zwar offensteht, aber ich bin artig und nehme den Hinweis „Betreten verboten“ ernst. Ein ausgehängter Lageplan lässt die Größe der Anlage erahnen. Gegenüber sind die Wannsee-Schulen für Gesundheitsberufe und Wohnhäuser, die ebenfalls keinen einladenden Eindruck machen.

Das Wetter tut sicher sein Übriges, dass die hier herrschende Depristimmung nicht von mir ablässt. Schließlich sehe ich in greifbarer Nähe den Flensburger Löwen auf einer Anhöhe über dem Wannsee, biege aber vorher links in „Am Großen Wannsee“ ab und folge der Straße, bis sie am Eingang zur ehemaligen Reichsluftschutzschule endet.

Dieses verlassene Areal muss zu dem Gelände auf dem Lageplan gehören. Die Schule wurde 1939 von Hermann Göring eingeweiht, der Architekt war Eduard Jobst Siedler. Auf dem 490.000 m² großen Gelände gab es zweigeschossige Unterkünfte, Schul- und Hörsäle, Verwaltung und Garagen. Wer mehr darüber wissen will, dem empfehle ich Wikipedia. Später wurde hier eine Lungenklinik untergebracht (in der 2002 Hildegard Knef starb) und zuletzt das DRK-Blutspendezentrum.

Jetzt ist es ein Lost Place und wird von einer Wachschutzfirma behütet. Ich habe mich dann doch mal ein paar Schritte vorgewagt und den Hochbunker entdeckt. Er wurde zunächst für die Ausbildung der Luftschutzwarte genutzt und sollte Prominenten Schutz bieten. 1948 errichtete die Post während der Blockade einen Sendemast auf dem Bunker. Beide dienten als Funkleitstelle während der Luftbrücke. Ab 1982 wurde der Bunker zu einem Hilfskrankenhaus im Atomschutzbunker umgebaut und 1999 in eine Zivilschutzanlage für ca. 500 Menschen. Hochinteressant, wie ich finde, aber trotzdem bin ich froh, als ich unbehelligt wieder normales Terrain betreten kann und wende mich dem Löwen zu. Auf dem Weg dorthin komme ich am Haus Sanssouci vorbei. Es besteht aus einem Fertighaus aus Holz, das ein russischer Kaufmann auf der Pariser Weltausstellung erwarb und 1889 dort aufstellte. Nach dem 2. Weltkrieg brachte man Flüchtlinge darin unter. 1954 eröffnete Familie Bolle dort ein Gasthaus. Ich folge dem Blick des Löwen auf den Wannsee. Viel ist nicht zu sehen außer verschneiten Booten und Nebel, aber immer noch besser als ein türkischer Imbiss direkt neben dem Denkmal. Nichts gegen Döner, doch an dieser Stelle finde ich das unpassend.

Nun wende ich mich der Straße „Am Großen Wannsee“ zu und laufe zurück Richtung Wannseebrücke. Drei Häuser seien hier natürlich noch benannt, die viele kennen werden. Erstens die Villa des Fabrikanten Ernst Marlier, die als Haus der Wannsee-Konferenz zweifelhaften Ruhm erlangte. Marlier war wohl ein Unsympath, er kam mehrere Male mit dem Gesetz in Konflikt wegen Hausfriedensbruch, schwerer Körperverletzung, unrechtmäßigem Handeln mit Arzneien und Giften, Widerstand gegen die Staatsgewalt und verprügelte auch seine Frau, die sich 1922 scheiden ließ. 1921 verkaufte Marlier die Villa für 2.300.000 Mark an den früheren Generaldirektor im Stinnes-Konzern Friedrich Minoux. Dieser war glühender Nationalsozialist, geriet aber mit den Gesetzen in Konflikt und wurde inhaftiert. Aus dem Gefängnis heraus verkaufte er die Villa und Grundstück für 1.950.000 Reichsmark an die von Heydrich geründete SS-Stiftung „Nordhav“. Nun diente die Villa als Gäste- und Tagungshaus. Am 20. Januar 1942 fand dort die „Staatssekretärsbesprechung mit anschließendem Frühstück“ statt zur „Endlösung der Judenfrage“. Es ist unbedingt zu empfehlen, die dortige Ausstellung zu besuchen und viel Zeit mitzubringen. Da ich im letzten Sommer schon hier war, schaue ich mich im verschneiten, wunderschönen Park um und betrachte alles ausgiebig. Über allem breitet sich durch den Nebel eine mystische Stimmung aus.

Nebenan entdecke ich ein neues Gebäude und pirsche mich auf leisen Sohlen heran. Warmes Licht im Inneren lockt mich an und ich treffe auf einen Mitarbeiter, der sich draußen gerade eine Zigarette anzündet und mir bereitwillig sehr viel erzählt über dieses 2024 eröffnete Seminarhaus und die Staab Architekten. Ich darf auch mal reingehen und mir alles anschauen. Wir kommen ins Schwatzen und schweifen schließlich ab zum Nationalsozialismus, zur Banalität des Bösen und wie es dazu kommen konnte, bis ihn die Kälte und die Pflicht wieder ins Gebäude treiben. Das ist aber auch die einzige Unterhaltung, die ich heute geführt habe.

Weiter gehts zur Colomierstraße, eine ganz kurze Sackgasse, in der sich die Liebermannvilla und die Langenscheidt-Villa befinden.

Meinen Plan, hier einzukehren in das Café Max muss ich leider verwerfen, da das Museum dienstags geschlossen hat. Auch diesem Ort hatte ich im letzten Jahr schon einen Besuch abgestattet, so dass ich nicht in Verzweiflung ausbreche, sondern weiterhumple, denn inzwischen fordert mich mein Fersensporn wieder mal zum Kampf heraus. Soll er doch – ich mache, was ich will und ignoriere ihn hocherhobenen Hauptes. Es gäbe bestimmt noch viel zu sagen zu der einen oder anderen Villa, aber ich wiederhole meine Leseempfehlung „Villencolonie Alsen am Großen Wannsee“. Stattdessen sei hier kess geäußert, dass ich es als befremdlich empfinde, dass gefühlt fast jedes zweite Grundstück an der Wasserseite der Straße einem Segel-, Ruder- oder Yachtclub gehört. Meinem Empfinden nach stört das die Harmonie der Gesamtanlage.

Wieder an der Königstraße angekommen, wende ich mich kurzentschlossen in Richtung Glienicker Brücke, also weg vom Bahnhof Wannsee und laufe bis zum Meilenstein gegenüber vom Rathaus. Die Königstraße zählt zu den frühesten modernen Chausseen im Raum Potsdam–Berlin. Den Bau der sogenannten „Berlin‑Potsdamer Chaussee“ veranlasste König Friedrich Wilhelm II., nachdem ihn die bequeme Reise über die schlesischen Kunststraßen überzeugt hatte. Ein noch sichtbares Relikt aus jener Zeit ist der Meilenstein gegenüber dem Rathaus Wannsee; er weist darauf hin, dass bis nach Berlin noch drei preußische Meilen (etwa 22,5 km) zu bewältigen waren — die Nullmeile lag damals am Leipziger Tor am damaligen Dönhoffplatz.

Ein paar Meter weiter biege ich rechts in eine klitzekleine Siedlung ein, die noch zu erlaufen ist nördlich der Königstraße. Im Schuchardweg strahlt mich das evangelische Gemeindehaus in recht ungewöhnlicher Farbgebung an. Hier sind auch ein Kindergarten und ein Jugendkeller untergebracht.

Die restlichen Straßen dort sind schnell abgelaufen. Merkwürdig ist die recht isolierte Lage mitten im Düppelner Forst. Wieder auf der Königstraße, beende ich meine Wanderung nach 12 Kilometern, gut durchfeuchtet und froh, nicht auf das Teufelchen gehört zu haben! Die nächste Tour erfolgt wegen eines Termins erst am Freitag. Dann gehts zur Pfaueninsel.

2 Gedanken zu „13. Januar 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Wannsee) | Westufer des Wannsees, Heckeshorn, Flensburger Löwe

  1. Birgitt Eltzel

    Voller Bewunderung lese ich Ihre Schilderungen! Ich wandere ja auch des Öfteren durch die Stadt, aber nicht ganz so geplant. Meist lege ich einen (analogen!) Stadtplan auf den Tisch, schaue mir an, wo ich noch nicht war und wo ich hin möchte – und los geht‘s. Bei Ihnen werde ich bestimmt auch neue Anregungen finden. Allerdings- zweimal pro Woche wäre mir zu viel. Zudem die doch aufwändige Nachbereitung. Ich würde auf einmal pro Woche reduzieren.
    Liebe Grüße, Birgitt Eltzerl

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    1. Renate Zimmermann Beitragsautor

      Liebe Frau Eltzel,
      genau so habe ich das sonst auch gemacht. Manchmal bin ich auch einfach losgefahren und an einer Zufallsstation ausgestiegen, wo ich noch nie war. Das funktioniert jetzt aber nicht so gut, ich verliere sonst die Übersicht. Ich habe festgestellt, dass die Idee, sich auf einen Stadtbezirk zu konzentrieren, sehr gut funktioniert. Ich kann mir so auch besser mit Büchern Wissen aneignen, also z.B. „Wannsee – An den Ufern deutscher Geschichte“ oder „Geschichte von Steglitz-Zehlendorf“. Wenn ich mal hier und mal da unterwegs wäre, funktioniert meine Strategie nicht. Ich verwende auch überwiegend analoge Karten. So sehr ich Technik liebe, aber es geht nichts über eine Papierkarte. Einmal pro Woche ginge auch, aber dann brauche ich 15 Jahre! Deswegen habe ich 2x gewählt, finde das aber ok. Noch macht es mir Spaß!
      Viele Grüße
      Renate Zimmermann

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