Abschied und Aufbruch in ein neues Leben als Stadtwanderin

Die letzten Wochen des Jahres und meines Berufslebens waren geprägt vom Abschiednehmen und letzten Malen. Stück für Stück habe ich mich auf den Tag vorbereitet, an dem ich den Bibliotheksschlüssel abgegeben habe. Es fing damit an, die über Jahre gehorteten Schätze in den Regalen zu begutachten, zu verteilen, zu entsorgen. Noch wichtiger war aber, mein Wissen, Dateien und Kontakte weiterzugeben an meine Nachfolger und dann wiederum meine Kontakte über meine Nachfolger zu informieren und alle miteinander zu vernetzen. Es gab letzte Beratungen, letzte Veranstaltungen, den letzten Storytausch, die letzte Schreibwerkstatt, die letzte Mail. Es galt, den Schreibtisch quasi besenrein zu hinterlassen, den realen und den virtuellen. Die vielen kleinen Abschiede kulminierten schließlich in zwei großen Events, die mich in einen Zustand versetzten, den ich nur behelfsmäßig beschreiben kann mit „randvoll mit Emotionen“, „Gefühlsstau“, „Schweben auf Wolke 7“. Hinzu kamen so viele Geschenke, dass ich nur nach und nach in der Lage war, diese auszupacken und die herzerwärmenden Worte auf den beiliegenden Karten zu verarbeiten.

Am 6. Dezember war die letzte Schreibwerkstatt und ich war monatelang in dem Glauben, dass wir diese mit einem Krimidinner begehen würden. Doch ich wurde überrascht mit einer überwältigenden Abschiedsveranstaltung, die den Titel „Projekt Renate“ trug. Mehr als ein Jahr lang arbeiteten die jungen Leute an einem Buch, das nur für mich geschrieben und gedruckt wurde. Es trägt den Titel „Weltensammler: Zwischen Regalen aus Raum und Zeit“:

Eigentlich war es die perfekte Buchpromotion – es gab eine Videodokumentation des Entstehungsprozesses und sogar Musik mit einem eigens für mich komponierten und getexteten Song und zum Schluss ganz viele überwältigend liebe, persönliche Dankesworte:

Außerdem erhielt ich ca. vierzig persönliche Botschaften und ganz viele Aufkleber für meine Stadtwanderungen, mit denen ich die Straßen markieren kann, durch die ich gelaufen bin.

Auch ein total niedlicher Trickfilm mit mir in der Hauptrolle wurde erstellt:

Doch damit nicht genug, wurde am Abend in der rbb-Abendschau noch ein Beitrag über mich gezeigt. Arndt Breitfeld selbst ernannte mich zur Lieblingsberlinerin für den Adventskalender des Senders:

Mir blieben nun knapp zwei Wochen, um mich von all dem zu erholen, bis meine Abschiedsfeier von meinem Team und Partnern anstand und zudem auch mein letzter Arbeitstag. Gleichzeitig wurde auch meine Kollegin Kerstin Kolditz verabschiedet und es wurden sehr wertschätzende Reden gehalten von Prof. Eisentraut und Literaturagent Thomas Böhm, das Papiertheater an der Oppermann führte ein kleines Stück auf, Danuta Schmidt veranstaltete mit uns ein Quiz, in dem ich kläglich versagte. Sehr viele Gäste waren unserer Einladung gefolgt und es wurde ein schöner, aufregender und aufwühlender Abend. Unser Fotograf hat ihn in treffsicheren Schnappschüssen festgehalten, anzuschauen HIER in diesem Fotoalbum. Besonders überrascht und beeindruckt war ich von den vielen persönlichen Gesprächen, in denen vor allem junge Kolleginnen und Kollegen so viele wunderbare Worte an mich richteten, die deutlich machten, wie sehr sie mich achteten und schätzten. Das hat mich unglaublich berührt und geehrt und ich möchte mich bei allen noch persönlich bedanken.

Nun bin ich dabei, alles zu verarbeiten, neu zu sortieren und mich vorzubereiten auf meinen neuen Job – als Straßenwanderin oder auch Street-Influenzerin. Das erfordert gute Vorbereitung. Ich muss genau überlegen:

  • Was möchte ich alles erkunden in den Straßen?
  • Welches Wissen kann ich mir vorher schon aneignen?
  • Welche Straßen wähle ich aus für die nächste Tour?
  • Welche Route nehme ich?
  • Erstelle ich einen Monatsplan, damit sich interessierte Kenner der Gegend anschließen können?
  • Wer aus meinem Bekanntenkreis wohnt dort, wo ich langlaufe? Melde ich mich vorher?
  • Auf welchen Social-Media-Kanälen berichte ich darüber?
  • Wird sich ein Podcast lohnen?
  • Was genau und wie werde ich alles dokumentieren?
  • Wird daraus ein Buch entstehen?

Ich möchte so schnell wie möglich starten, aber auch nicht überstürzt. Dienstags und donnerstags werden meine Wandertage, der Montag, Mittwoch und Freitag dienen der Vor- und Nachbereitung. Dieser Blog wird zur Projektdokumentation.

Wenn ihr wissen wollt, was ich alles erleben werde in den nächsten, geschätzt 7-8 Jahren, dann abonniert den Blog und folgt mir auf Facebook, Instagram, Bluesky und Reddit. Es gibt also viel zu tun, und ich freue mich schon sehr auf mein neues, großes Abenteuer.

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