Illusion trifft Illustration: Schreibwerkstatt besucht Deja Vu Museum & Literarisches Colloqium Berlin

Am 1. November fand ein besonderer Ausflug im Rahmen der Schreibwerkstatt statt: Statt gemeinsam zu schreiben, nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, das Deja Vu Museum in Berlin intensiv zu erkunden und Inspirationen zu sammeln.

Faszinierende Reise durch Illusionen

Das Museum im Herzen Berlins ist ein einzigartiger Ort, der sich ganz den optischen Täuschungen, physischen und digitalen Illusionen sowie zeitgenössischer Kunst widmet. Besucherinnen und Besucher tauchen in interaktive Welten ein, stehen unvermittelt scheinbar am Boden eines Abgrunds, im Zentrum des Weltalls oder bewegen sich durch fantasievolle Themenräume. Das Museum fordert und fördert Wahrnehmung und Kreativität – ein ideales Ziel für eine Schreibwerkstatt auf Inspirationssuche.

Inspiration für Kreativität

Auch wenn an diesem Tag nicht direkt geschrieben wurde, stand das Erlebnis des „staunenden Sehens“ im Mittelpunkt. Die unterschiedlichen Exponate regten zum Nachdenken an: Was ist echt, was Illusion? Wie verändern Perspektiven unsere Wahrnehmung von Kunst und Wirklichkeit? Diese Fragen sind nicht nur für das kreative Schreiben wertvoll, sondern auch für das bewusste Erleben von Kunst. Der Rundgang ermöglichte es den Workshopteilnehmern, neue Eindrücke zu sammeln und künstlerische Impulse mitzunehmen.

Danach war der Tag aber noch nicht zu Ende. Einige der Teilnehmerinnen tauchten ein in die vibrierende Atmosphäre des 24-Stunden-Comic-Marathons im Literarischen Colloquium Berlin. Das LCB, idyllisch am Wannsee gelegen, verwandelte sich für einen Tag und eine Nacht in ein kreatives Atelier voller Zeichenlust, Papierstapel und konzentrierter Gesichter.

Der Höhepunkt unseres Besuchs war die öffentliche Podiumsdiskussion um 20 Uhr, bei der vier beeindruckende Künstlerinnen ihre Perspektiven auf das Comiczeichnen teilten: Audrey Lefebvre, die das diesjährige Bildmotiv gestaltet hatte, Bestseller-Autorin Nora Krug, sowie die Illustratorinnen Tine Steen und Lias Sinram. Moderiert wurde das Gespräch von Augusto Paim, dem Initiator des Comicmarathons, der mit klugen Fragen und spürbarer Begeisterung durch den Abend führte.

Die Diskussion kreiste um die Frage, wie Geschichten in Bildern entstehen, welche Rolle Zeitdruck für den kreativen Prozess spielt und wie sich persönliche Themen in gezeichnete Erzählungen übersetzen lassen. Besonders inspirierend war Audrey Lefebvres Einblick in die Entstehung ihres Motivs – ein Balanceakt zwischen künstlerischer Intuition und kollektiver Symbolik.

Vor und nach dem Gespräch hatten wir Gelegenheit, durch die offenen Ateliers zu schlendern und den Zeichnenden bei der Arbeit zuzusehen. Der stündlich ertönende Gong erinnerte daran: Die Uhr tickt, die Seiten füllen sich. Es war eine Mischung aus konzentrierter Stille, spontaner Skizzenfreude und echtem Teamgeist.

Für unsere Schreibgruppe war dieser Besuch nicht nur ein Ausflug in die Welt der Comics, sondern auch eine Einladung, eigene Geschichten anders zu denken – visuell, spontan und mit einem Hauch von Marathon-Energie.

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