„Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee geht über alles.“ (Theodor Fontane) – Kalenderspruch des Tages
Audio-Zusammenfassung des Textes mittels KI:

Zum Glück kam ich angesichts des Wetterberichts auf die Idee, die für Donnerstag geplante Tour auf den Mittwoch vorzuverlegen. So kann ich heute nochmal bei strahlendem Sonnenschein auf Entdeckungsreise gehen durch ein sehr spannendes Stück West-Staaken. Ich beginne am Wiesenweg, der so unscheinbar ist, dass ich zweimal daran vorbeilaufe, auch wegen des fehlenden Straßenschildes an der Heerstraße. Aber die Schule, die dort ganz neu gebaut wurde, ist nicht zu übersehen und verspricht, ein Meilenstein der Spandauer Schullandschaft zu werden.
Es handelt sich um die 33. Grundschule, die noch keinen Namen hat. Laut Bauschild hätte sie 2025 fertig sein sollen und sieht so aus, als wäre sie es bis heute nicht, aber die Schule wurde im September mit dem neuen Schuljahr und 125 Kindern eröffnet, 400 sollen es zukünftig werden. Es handelt sich um eine sogenannte Compartmentschule, die folgendem Prinzip folgt: „Statt langer Flure mit geschlossenen Klassenräumen gibt es „Compartments“ – überschaubare Lernbereiche, die jeweils wie eine kleine Schule in der Schule funktionieren. Im Mittelpunkt jedes Compartments steht ein offenes Forum, das als Treffpunkt, Arbeits- und Bewegungsraum genutzt werden kann. Darum gruppieren sich Klassen- und Teilungsräume, ein Ruheraum sowie ein Teamraum für das pädagogische Personal.“ (Quelle: Webseite der Schule)
Diese Art zu lernen wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren in Skandinavien entwickelt und ist in Deutschland noch relativ neu. Es klingt auf jeden Fall vielversprechend!
Der Wiesenweg und auch der parallele Weidenweg sind zwei der kleinen Neben- und Verbindungsstraßen von der Heerstraße zum Nennhauser Damm.
Ich werfe noch einen sehnsüchtigen Blick über die Heerstraße hinüber zu meinem Freund, den Hahneberg, der mich die Großstadt im Rücken kurz vergessen lässt.

Dann durchquere ich ein überschaubares Siedlungsgebiet, in dem alle Häuser von einem kleinen Park aus durch Pfade verbunden sind.
Ich erreiche die heutige Hauptschlagader – den Nennhauser Damm, der mich mit einem Preußischen Chausseemeilenstein von 1832 überrascht. Er wurde beim Bau der Neuen Hamburger Chaussee – heute B5 aufgestellt, allerdings zunächst in der Nähe von Dallgow. Grund dafür war die Entfernungsangabe in Meilen. Später, mit Einführung des metrischen Systems wurden 1875 in Deutschland die Meilensteine in Abständen von zehn Kilometern umgesetzt, so dass dieser hier an der heutigen Position landete.
Immer wieder begeistert mich, was ich alles so nebenbei lerne. Gerade hatte ich mich auf der Webseite der Forschungsgruppe Meilensteine verloren und stand schon kurz davor, Vereinsmitglied zu werden. Das geht mir oft so, wenn ich auf Gruppen und Initiativen stoße, bei denen ich auch gerne mitmachen würde. Zum Glück ist bisher die Vernunft dann doch noch rechtzeitig zum Leben erwacht.
Ich beschließe, die Straße komplett in beide Richtungen abzulaufen, wobei sich mir ganz unterschiedliche Szenarien bieten. In westlicher Richtung hat sie zunächst noch Siedlungscharakter, der abgelöst wird durch Firmen, die zu einem Gewerbepark gehören, der sich nach Norden ausdehnt.
Interessant ist es hier nur, wenn man am Rad der Geschichte dreht, aber bevor ich das versuche, muss ich allen Fans von Speiseeis noch den Mund wässrig machen, denn hier befindet sich die Niederlassung von Florida-Eis – mit Werksverkauf! Ich bin nicht so verrückt nach Eis wie manch andere, aber die Gelegenheit lasse ich mir natürlich nicht entgehen und genieße die Kugel Schokoeis in vollen Zügen.
Und nun zur bewegten Nutzungsgeschichte des Geländes. Sie begann 1915 mit der Errichtung des Flugplatzes Staaken, als die Luftschiffbau Zeppelin GmbH auf Anordnung des Kriegsministeriums in Staaken eine Werft für den Bau militärischer Zeppeline errichtete. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs entstanden dort zwölf Luftschiffe sowie mehrere der berühmten „Staaken-Riesenflugzeuge“, die zu den größten damals gebauten Doppeldeckern der Welt zählten. Nach Kriegsende wurde die militärische Produktion durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags zwar beendet, aber bereits 1919 begann ein ziviler Zeppelin-Linienverkehr zwischen Berlin-Staaken und Friedrichshafen. 1922 startete von Staaken sogar einer der ersten deutschen Linienflüge nach London. Doch mit dem Ausbau des Flughafens Tempelhof verlor Staaken ziemlich schnell seine Rolle als Verkehrsflughafen.
In den 1920er Jahren erhielten die riesigen Zeppelinhallen eine neue Nutzung: Sie wurden zu den Filmwerken Staaken umgebaut. Hier entstanden zahlreiche bekannte Stummfilme, darunter große Teile von Fritz Langs Klassiker Metropolis. Zeitweise wurden hier etwa ein Drittel aller deutschen Filme produziert, was ich bisher auch nicht wusste.
Gleichzeitig entwickelte sich der Flugplatz zu einem wichtigen Ausbildungs- und Werftstandort der deutschen Luftfahrt. Nach 1933 wurde er offiziell von der Luftwaffe genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten tausende Zwangsarbeiter auf der dortigen Hauptwerft der Lufthansa und setzten Flugzeuge und Motoren instand. Nach der Eroberung Berlins 1945 übernahm die Sowjetarmee den Flugplatz. Durch die Teilung Staakens verlief die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR später direkt über das Flugfeld, weswegen der Flugbetrieb 1953 eingestellt wurde.
Heute ist das Gelände wie gesagt weitestgehend Gewerbepark. Nur wenige Gebäude blieben erhalten und stehen unter Denkmalschutz, darunter der markante Zeppelin-Tower aus den 1920er Jahren sowie Reste der ehemaligen Industrieanlagen.
Am Wochenende war ich übrigens zu Gast beim Tag der Regionalgeschichte im Bezirklichen Informationszentrum Marzahn-Hellersdorf. Einer der Vorträge, gehalten von Marco Schott, trug den Titel „Flugzeuge und Luftschiffe über Karlshorst“. Das passte insofern perfekt, weil es auch da um den Bau der Zeppeline ging, eben nur am anderen Ende der Stadt im Biesenhorster Sand. Bereits 1909 entstand dort eine riesige Luftschiffhalle für die Entwicklung der Siemens-Schuckert-Luftschiffe. Die drehbare Halle galt als technische Sensation ihrer Zeit. Später wurde beim Bau des Berliner Außenrings der Bahn die Landschaft stark verändert. Tausende Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mussten unter katastrophalen Bedingungen arbeiten; viele überlebten die Einsätze nicht – eine sehr traurige Parallele zu Staaken.
Wo der Nennhauser Damm auf die Heerstraße trifft, kann ich die andere Hälfte der früheren Flieger-Siedlung betrachten, die der Volksmund in „Neu-Jerusalem“ umgetauft hatte. Sie setzt sich auf der südlichen Seite der Heerstraße fort, worüber ich im letzten Beitrag schon geschrieben hatte.
Kurz danach endet Berlin und die Heerstraße setzt sich als Hamburger Chaussee auf Brandenburger Gebiet fort. Doch eine Straße wartet hier noch auf mich: An der Spitze.
1970 wurde sie als Zugang zu Klinkerbauten der 1930er und Plattenhäusern der 1950er Jahre angelegt, ist heute eine Stichstraße und verband früher den Nennhauser Damm mit der Heerstraße. Sie mutet an wie ein vormals in sich geschlossenes Gelände, sogar ein Einmann-Spitzbunker steht einfach so rum. Das ist nicht verwunderlich, denn die Straße gehört zum historischen Ensemble des ehemaligen Fliegerhorsts bzw. Flugplatzes Staaken. Solche Splitterschutzzellen wurden im Zweiten Weltkrieg für das dort tätige Personal aufgestellt. Irgendwie habe ich das Gefühl, mich auf privatem Boden zu bewegen und schleiche verstohlen umher, auch auf der Suche nach einem Weg zum nahegelegenen Bullengrabenweg, doch ich komme nicht weiter. Ein zweiter Versuch direkt an der Stadtgrenze scheitert ebenfalls, weil ich mich nicht auf das Fabrikgelände der Capital Baustoffe GmbH traue, das mir den Weg abschneidet. Dafür werde ich mit einem Fund belohnt, der mir sonst entgangen wäre:


Also trabe ich zurück und widme mich dem Teil des Nennhauser Damms, der zum Bahnhof Staaken führt und früher Staats- und Stadtgrenze war, heute meine Gebietsgrenze des Tages.

Dieser Abschnitt der Straße tangiert nun wieder eine ganz andere Epoche, nämlich die Alt-Staakener Hauptstraße mit Dorfkirche, Gemeindehaus, Dorfschule und alten Gehöften. Meine Aufmerksamkeit richtet sich zuerst auf ein sowjetisches Ehrenmal, das auf einem sternförmigen Platz vor der Kirche steht und an die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee am 25. April 1945 erinnert.
Auf diesem Sockel stand ursprünglich ein Obelisk, der 1901 zum 200. Jahrestag der Gründung des Königreichs Preußen errichtet wurde. In seinem Fundament vergrub man einen Zinkkasten mit den Daten zur Erinnerung. Obenauf war eine vergoldete Krone angebracht, unter der sich folgende Inschrift befand: „Zur Erinnerung an die Erhebung Preußens zum Königreich. 18. Januar 1701 – 1901“, geschmückt mit Eichen- und Lorbeerzweigen. Ganz unten am Sockel war zu lesen: „Gestiftet vom BezirksVerein Alt-Staaken“. Auch eine Kaisereiche wurde gepflanzt, die es immer noch gibt. Obelisk und Eiche waren von einem Zaun umgeben. Vorher befand sich an der Stelle der Dorfteich, der zugeschüttet wurde. Nach 1945 wurde der Obelisk halbiert, auf den Kopf gestellt und zu dem heutigen sowjetischen Ehrenmal umgestaltet. 2002 erfolgte eine Instandsetzung und Wieder-Einweihung im Beisein von Vertretern der Russischen Botschaft.
Eine ungewöhnliche Geschichte, über die ich noch nachdenke, als ich den Kirchhof betrete, dort aber von bunten Fäden mit daran befestigten Wimpeln, Kullern und kleinen, liebevollen Bastelarbeiten abgelenkt werde. Die Fäden laufen alle auf den Dach des Kirchturms zusammen und verteilen sich über den gesamten Kirchhof. Auf der Wiese steht ein Tischchen, darauf ein Kochtopf, unter dessen Deckel sich weitere kleine Dinge verstecken. Ich vermute, dass das die Ergebnisse der Aktion „Kirche Kunterbunt“ sind, die unter dem Motto „Dinge, die ich liebe“ stand. Der Kirchhof lädt mit alten Grabsteinen und -kreuzen, dem Baum der Versöhnung, Erinnerungstafeln, Kriegerdenkmal, einem Gedenkkreuz an das geteilte Staaken und dem „biblischen Gärtlein“ ein zu einer Entdeckungsreise quer durch die Staakener Geschichte.
Die Kirche selbst ist eines der ältesten Bauwerke in Staaken und prägt den historischen Dorfkern bis heute. Bereits 1308 wird Staaken als Pfarrdorf erwähnt. Die heutige Kirche entstand nach einem Dorfbrand zwischen 1436 und 1442 als schlichte Feldsteinkirche im gotischen Stil. Von 1962 bis 1999 gehörte sie zum Kirchenkreis Falkensee, dann wieder zu Spandau. In dieser Zeit konnten evangelische Gläubige aus Ost-Staaken die Kirche nicht besuchen, weswegen man am Brunsbütteler Damm 312 die Kirche der Zuversicht baute und 1966 einweihte. Mittlerweile wurde sie wieder abgerissen, um dort ein Begegnungszentrum Zuversicht für alle Religionen entstehen zu lassen.
Nun möchte ich natürlich auch gerne noch hineinschauen in dieses Kleinod, doch die Tür ist abgeschlossen. Noch bevor sich Enttäuschung in mir breitmachen kann, kommt ein junger Mann aus einem Nebengebäude auf mich zugelaufen. „Der Herr bat mich, Ihnen die Tür zu öffnen!“, begrüßt er mich freundlich und bittet mich hinein in die heiligen Hallen. „Wohnen Sie hier in Staaken?“, fragt er, vielleicht in der Hoffnung, ein neues Gemeindemitglied gewinnen zu können. „Nein, ich komme aus Hellersdorf“, eröffne ich meine Erklärung, warum es mich bis hierher verschlagen hat, nicht, ohne ihm mein Kärtchen aufzunötigen. „Oh ha“, staunt er höflich und lässt mich dann allein, damit ich mich in Ruhe umschauen kann. Mein Blick wird von einem monumentalen Wandgemälde in seinen Bann gezogen, das den Titel „Versöhnte Einheit“ trägt und 2002 im Zuge der Neugestaltung des Kirchenraums entstand. Die Umsetzung übernahm der Berliner Künstler Joachim Bayer auf Grundlage von Ideen des italienischen Malers Gabriele Mucchi sowie eines theologischen Konzepts von Pfarrer Norbert Rauer. Das Werk setzt sich mit den religiösen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 16. Jahrhunderts auseinander. Im Mittelpunkt steht der gekreuzigte Christus. Um ihn gruppieren sich bedeutende Persönlichkeiten der Reformationszeit und des Humanismus, darunter Martin Luther, Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer, Johannes Calvin, Ulrich Zwingli, Ignatius von Loyola, Erasmus von Rotterdam und Katharina von Bora. Auch Gelehrte und Künstler wie Nikolaus Kopernikus und Lucas Cranach sind dargestellt.

Der geschnitzte Altar aus dem 16. Jahrhundert wurde 1896 an das Märkische Museum verkauft, vielleicht aus finanzieller Not. Deswegen mutet der Altarraum etwas merkwürdig an.

Auch die seitlichen Emporen, die Kanzel und die Orgel wurden zu DDR-Zeiten entfernt, so dass ich mich frage, was damals dann eigentlich noch an eine Kirche erinnert hat. Doch nach der Wende erhielt das Gotteshaus wieder eine kleine Orgel und auch eine Kanzel.
Ein Gemälde über den hinteren Sitzreihen zeigt, wie schön die Inneneinrichtung früher mal war:

In der Schulstraße, unweit der Kirche steht die ehemalige Dorfschule. Nach der Wende wurde das Gebäude als „Klubhaus Erich Meier“ sowie später als Streetworker-Station für den Problembezirk Heerstraße Nord genutzt. Doch Kostengründe bewogen das Bezirksamt, die Einrichtung zu schließen. 2006 wurde das Haus als Jona’s Haus in privater Initiative übernommen, umgebaut und renoviert. Parallel dazu erfolgte die Gründung der gemeinnützigen Stiftung Jona.
Auch andere Gebäude in Alt-Staaken lassen das ehemalige Dorf noch vage erahnen:
Weiter gehts auf dem Nennhauser Damm, der nun das Mühlenviertel passiert. Von einer Mühle ist weit und breit nichts mehr zu sehen, nur der Name erinnert daran. Die Staakener Feldstraße führt dorthin – einer neuen Siedlung mit drei Parallelstraßen.
Auf historischen Fotos sind noch Häuser an der Ecke Feldstraße / Nennhauser Damm zu sehen, die nach der Abspaltung von West-Staaken leergezogen und später abgerissen wurden. Jetzt sieht man freies Feld, das sich bis hinter das Mühlenviertel erstreckt und die Linden-Grundschule. In unmittelbarer Nähe verläuft die Bahnstrecke mit dem Regionalbahnhof Staaken. Auch hier sah es bis 1990 völlig anders aus. Das Naturgelände gehörte zum Rangierbahnhof und die Bahngleise waren eine Sackgasse. Erst nach der Wende wurden sie auf den schon existierenden Bahndamm höhergelegt.
Ich laufe weiter bis zur Brücke, die die Gleise überquert und den Nennhauser Damm mit dem Finkenkruger Weg verbindet.
Vor der Brücke führt links eine Treppe hinunter auf die große Grünfläche, die ich schräg durchquere, an der Lindenschule vorbei bis zum Brunsbütteler Damm.
Nach Westen hin gleicht die vierspurige Straße einer versiegenden Hauptverkehrsader. An der Stelle, wo ich sie betrete, ist die Bebauung schon ziemlich überschaubar und mäßig befahren, hat aber mit der Schule am Staakener Kleeblatt und diversen Firmenniederlassungen noch wichtige Anrainer, ehe sie sich weiter westwärts zunehmend in das offene Stadtrandgebiet hinein verliert und vor Brandenburgs Solarfeldern abrupt endet.
Gerne hätte ich von diesem merkwürdigen Stadtende ein Foto gemacht, doch der Akku meines Handys röchelt nur noch schwach. Zu meinem Entsetzen habe ich das Ladekabel zu Hause vergessen, so dass jetzt nur noch eine Sache wichtig ist für mich – einen Laden zu finden, der technisches Zubehör verkauft. Nichts wäre schlimmer als das Aussetzen der Tracking App! Ich empfehle aber, auf Google Maps in der Geländeansicht dem Brunsbütteler Damm bis zum westlichen Ende zu folgen, wo er in einer Sackgasse endet und besonders die Verlängerung auf Brandenburger Gebiet anzuschauen. Man sieht dort eine breite Schneise, die sich durch den Solarpark zieht, die für eine eventuelle Verlängerung der Straße freigehalten wird. Sinnvoll wäre es auf jeden Fall und würde die Heerstraße enorm entlasten.
Nun beginnt für mich ein Wettlauf mit der Zeit. Das Handy schweigt beleidigt und verweigert jegliche Kommunikation, ich kann nur hoffen, dass es sich nur tot stellt und vielleicht doch noch mit 2-3% Akku die Bewegungen aufzeichnet. Auf flinken Füßen eile ich zurück zur Straße Am Zeppelinpark und diese hinunter, denn dort muss sich ein Action-Markt befinden. Zielstrebig rausche ich durch die Regale, finde das richtige und inspiziere das Kabelangebot. Einmal. Zweimal. Von rechts nach links, von oben nach unten und retour. Viele Sorten warten hier auf Käufer, aber nicht die mit USB-C-Anschluss an beiden Enden. Wo sie hängen müssten, herrscht gähnende Leere. Nochmal von vorne. Vielleicht habe ich es übersehen. Aber es wird nicht besser, im Gegenteil – die Situation spitzt sich zu. Schließlich kaufe ich eine magnetische Ladestation für Handys, die neben vielem anderen Zubehör auch das gesuchte Kabel enthält. Egal, Hauptsache Kabel. Wie eine Verdurstende reiße ich die Verpackung auf, verbinde Powerbank und Handy, das jetzt widerwillig anzeigt: 0%. Immerhin ein Lebenszeichen! Nun muss ich Geduld haben, denn ich kann erst weiterlaufen, wenn es bereit ist, seinen Dienst zu tun – aufzeichnen und Fotos machen. Also lungere ich vor dem Laden rum und tue so, als wäre das der perfekte Ort für eine gemütliche Pause. Bei 2% ist das Rechteck, wie meine ehemalige Chefin immer sagte, einverstanden, eingeschaltet zu werden. Zuerst schaue ich nach, ob die Tracking App weitergearbeitet hat. Zu meiner großen Erleichterung: Ja! Sonst müsste ich jetzt eine nicht unbeträchtliche Teilstrecke nochmal abklappern. Puh! Das ist ja nochmal gutgegangen.
Ich mache mich auf den Weg zum letzten Abschnitt für heute – dem Gelände des Metropolitan Park, das auf der Karte schon durch die halbkreisförmige Straßenführung neugierig macht. Um dorthin zu kommen, folge ich ab der Schulstraße einem Fußweg in Richtung Sportplatz und Sommerbad Staaken.
Schon von dieser Seite sieht man die maroden Gebäude der ehemaligen Fliegerhorstkaserne Staaken aus den 1930er Jahren, zu DDR-Zeiten und sogar bis 1997 als Doktor-Georg-Benjamin-Krankenhaus genutzt, eine Außenstelle des Krankenhauses Nauen. Nach fast zwei Jahrzehnten Leerstand und Vandalismus wird das denkmalgeschützte Areal saniert und durch ein neues, gerade entstehendes Wohnquartier ergänzt. Einige Häuser der ursprünglichen Kaserne sind schon modernisiert, sie stehen in großzügigen Abständen im Halbrund der Straße Metropolitan Park und wirken sehr ansprechend. Andere warten noch auf ihre Runderneuerung. An manchen Gebäuden findet man Fragmente der Beschriftung aus Krankenhaus-Zeiten. Mittendrin die Freie Georgschule – eine private Waldorfschule, was mich zu der Überlegung führt, ob mein Sohn Georg nicht hier die Schulbank hätte drücken sollen.
Es gibt auf jeden Fall viel zu tun hier und es bleibt spannend, wie sich später das fertige neue Quartier in den Altbestand einfügt oder auch nicht. Bis es soweit ist, wird es noch ein Weilchen dauern.
Und auch bis zu meiner nächsten Wanderung werden noch ein paar Tage vergehen. Am Montag setze ich nämlich aus, weil mich Prof. Eisentraut und seine Frau zum Kaffeetrinken eingeladen haben. Das geht vor! Am Donnerstag werde ich die Obstallee und Umgebung auskundschaften und bei der Gelegenheit der Stadtteilbibliothek Heerstraße einen Besuch abstatten. Dort arbeitet Tim, ein langjähriges Mitglied meiner Schreibwerkstatt, auf den ich mich schon sehr freue!
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