Schlagwort-Archive: Lutherkirchhof

25. Juni 2026 | Steglitz-Zehlendorf (Lankwitz) | zwei Friedhöfe, zwei Kirchen, das Thüringer Viertel namens Kleinkleckersdorf und viele Schrebergärten

„Lieblich düftevoll lag die Sommernacht vor den Fenstern über dem alten Garten. dem rauschenden Flüsschen und den Wiesen und Feldern.“ (Wilhelm Raabe) – Kalenderspruch des Tages

Audiozusammenfassung des Textes mittels KI:

Bevor es losgeht, möchte ich noch einen Hinweis loswerden für alle, die meine Tourbeschreibungen als Mail lesen. Ich empfehle, auf „Im Blog weiterlesen“ zu klicken (in der Mail oben rechts). Dadurch öffnet sich der Beitrag auf meiner Webseite und ist viel besser zu lesen und anzuschauen.

Dieses Kreidegemälde vor meiner Haustür wirkt wie ein Gruß, der mir mit auf en Weg gegeben wird. Heute herrschen draußen im Vergleich zum kommenden Wochenende noch „angenehme“ 38 Grad, es gibt also keinen Grund, nicht loszulaufen! Immerhin betrete ich heute einen neuen Stadtteil, nachdem ich vorgestern Lichterfelde abgeschlossen habe.

Lankwitz ist größenmäßig vergleichsweise überschaubar, hat aber auch eine bewegte Geschichte vorzuweisen. Es ist das älteste der 1920 eingemeindeten Dörfer und wurde 1239 erstmals als Lancovica erwähnt. Der Ursprung liegt in einer slawischen Hufeisensiedlung am Lankegraben. Der Name geht auf das alt-slawische Lankowice zurück und bedeutet passenderweise Ort an der Uferaue. Die Lanke war ein Wiesenbach, prägte den Ort über Jahrhunderte, ist heute jedoch vollständig kanalisiert oder im Teltowkanal aufgegangen. Der mittelalterliche Dorfkern mit der Feldstein-Wehrkirche ist noch heute in sichtbar, die Kirche zählt zu den ältesten im Bezirk.

Über Jahrhunderte blieb Lankwitz ein bäuerlich geprägtes Angerdorf. Erst die Gründerzeit nach dem Krieg von 1870/71 brachte einen tiefen Wandel. Berlin expandierte, und auch Lankwitz wurde neu bebaut – mit Villen, großen Höfen, Scheunen und Ställen. Was für Wannsee Wilhelm Conrad und für Lichterfelde Johann Anton Wilhelm Carstenn waren, übernahm in Lankwitz der Kaufmann Felix Rosenthal. Er orientierte sich an dem Wirken Carstenns und kaufte zwischen 1869 und 1872 den Bauern Zietemann und Mertens 240 Morgen Land ab, das sind etwa 60 ha. Auch er erließ Bauschränkungen und legte Straßen an, die zunächst noch unbefestigt waren. Rudolf Beyendorff kam später als Gemeindevorsteher hinzu und unterstützte die Umwandlung von Lankwitz zum Villenvorort auf kommunaler Ebene, immer in Zusammenarbeit mit Gemeindebaurat Fritz Freymüller. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden mehrere neue Quartiere: das Rosenthalsche Viertel mit seinen Villenstraßen, das Zietemannsche Viertel, im Volksmund Klamottenviertel genannt, sowie das südlich anschließende Thüringer Viertel, das wegen seines stockenden Ausbaus Kleinkleckersdorf hieß und in dem ich heute unterwegs sein werde.

Mit dem Bau der Anhalter Bahn, der Eröffnung der Haltestelle Lankwitz-Viktoriastraße im Jahr 1895 und dem Bau der Dreifaltigkeitskirche im Jahr 1906 verschob sich das Zentrum des Gemeindelebens entlang der damaligen Viktoriastraße, heute Leonorenstraße. 1911 folgte das Rathaus Lankwitz, das bis heute als markantes Gebäude den Ort prägt.

Eine besondere Rolle spielte die militärische Präsenz im Ortsteil. An der Ecke Eiswaldtstraße und Gallwitzallee steht ein markantes Relikt der Lankwitzer Militärgeschichte – ein hoher Turm. Er gehört zu einer Kaserne, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde und deren Bau von den Einwohnern ausdrücklich begrüßt wurde. Die Hoffnung war, durch die Stationierung von Soldaten zusätzliche Einnahmen zu erzielen und zugleich das gesellschaftliche Leben im Ort zu beleben.

Zu den ersten Einheiten, die hier einzogen, gehörte die Garde‑Train‑Abteilung unter General Eiswaldt. Sie war zuvor in Tempelhof stationiert und übernahm in Lankwitz Aufgaben rund um Versorgung, Nachschub und Logistik der Armee mit Feldküchen, Bäckereien, Munitionsnachschub, Buchführung und der Bereitstellung von Ersatzpferden aus mobilen Depots. Nach dem Ersten Weltkrieg errichtete die Einheit ein Denkmal für ihre Gefallenen, das an die Jahre 1914 bis 1918 erinnert. Ich bin gespannt, ob ich das finde!

Mit der Aufrüstung ab 1935 erhielt der Standort eine neue Funktion. Das Flakregiment 12 wurde hier untergebracht, da die vorhandenen Gebäude gut ausgerüstet waren und das abgelegene Lankwitz als wenig gefährdet galt. Trotz dieser Einschätzung entstanden nach den ersten Luftangriffen zusätzliche Luftschutzbauten, darunter ein Hochbunker, der später als Mitropa‑Hotel genutzt wurde und bis heute erhalten ist. Zwölf Jahre nach Kriegsende errichteten ehemalige Flaksoldaten ein weiteres Denkmal, das an die Gefallenen des Regiments erinnert. Auch das gilt es noch zu entdecken.

Heute haben die früheren Kasernengebäude zivile Funktionen. Sie beherbergen die Polizeidirektion 4 und das Bürgeramt.

Der Turm aus den 1930er‑Jahren steht als Baudenkmal unter Schutz, ebenso der Hochbunker aus dem Jahr 1940. Der dunkelste Moment der Ortsgeschichte kam in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943. Ein fehlgeleiteter Luftangriff zerstörte Lankwitz zu rund 85 Prozent. Rathaus, Dreifaltigkeitskirche, Dorfkirche, Schloss, Villa Louise und zahlreiche Wohnhäuser wurden vernichtet. Die idyllische Gartenstadt Lankwitz gab es nicht mehr. Die Zerstörung traf einen Ortsteil ohne militärstrategische Bedeutung und hinterließ eine Landschaft aus Ruinen. Erst ab 1950 begann der systematische Wiederaufbau.

Trotz der Kriegszerstörungen bemühte sich Lankwitz, eine Gartenstadt zu bleiben oder wieder zu werden. Begrünte Straßen, Parks und zahlreiche Kleingartenkolonien bestimmen das Ortsbild. Der Gemeindepark, 1911 eröffnet, bildet eine zentrale Grünfläche. Auch der Teltowkanal, 1906 fertiggestellt, gehört zum Ortsteil und verbindet ihn mit den Wasserwegen Berlins.

Unbedingt erwähnt werden muss auch der Campus der Freien Universität Berlin. Auf dem Gelände der ehemaligen Pädagogischen Hochschule in der Malteserstraße befinden sich heute geowissenschaftliche Institute, die Verwaltung des Fachbereichs und die Geowissenschaftliche Bibliothek.

Nun bin ich aber schon ziemlich weit vorgeprescht und gehe zurück auf LOS, um den Tag von Beginn an zu beschreiben. Um 10 Uhr bin ich in der Nähe des Friedhofs Lankwitz verabredet mit Ulrich Conrad, dem Barfußläufer, der mich heute schon zum dritten Mal begleitet. Die Strecke führt durch die Straße, in der sein Bruder und dessen Frau wohnen – eine gute Gelegenheit für ihn, die beiden mal wieder zu besuchen. Wenn ich mir bei unseren früheren Begegnungen nicht vorstellen konnte, dass man bei sechs Grad am Morgen freiwillig ohne Schuhe das Haus verlässt, gehen meine Überlegungen heute in die andere Richtung: Verbrennt man sich bei diesen Temperaturen nicht die Füße? Noch geht es, aber mittags ist das Pflaster teilweise so aufgeheizt, dass Ulrich vermeidet, länger auf einer Stelle stehenzubleiben. Ich frage ihn, ob er auch bei Schnee und Eis barfuß läuft, aber da gibt es tatsächlich Grenzen, antwortet er. Erfrierungen oder Hautreizungen durch Streusalz gilt es zu vermeiden. Während des Gesprächs umrunden wir auf verschlungenen Pfaden den Friedhof, um schon mal so viel und effektiv wie möglich abhaken zu können. Es sind teils kleine, verwunschene Häuschen, an denen wir vorbeikommen, aber auch fast schmucklose Wohnblocks, die wie wir in der Sonne schmoren.

Wir sind heute im Thüringer Viertel unterwegs oder eben Kleinkleckersdorf, was erstaunlich gut passt zu dem, was wir zu sehen bekommen. Überraschend gibt der Weg den Blick frei auf die katholische Kirche Mater Dolorosa, die ihre Türen wenigstens so weit geöffnet hat, dass man durch ein Gitter das Kirchenschiff von innen betrachten und bei Bedarf auch beten kann.

Die katholische Gemeinde Mater Dolorosa entstand 1911, initiiert durch den Priester Maximilian Beyer, der als „Bettelkuratus“ deutschlandweit Spenden für den Kirchenbau sammelte. Noch im selben Jahr wurde Franz Nafe zum Kuratus ernannt und der Grundstein unter großer Beteiligung gelegt. Die Kirche, eine Kreuzbasilika nach Plänen von Carl Kühn und Christoph Hehl, wurde am 22. September 1912 geweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vollständig zerstört, nur Sakristei und Pfarrhaus blieben erhalten. Der Wiederaufbau begann 1950 mit Gottesdiensten im Querschiff. In den folgenden Jahrzehnten wurden Turm, Dach und Innenraum erneuert, 1983/84 die ursprüngliche Basilikaform weitgehend wiederhergestellt und 1999 das Turmkreuz gesetzt. Heute zählt die Gemeinde rund 4500 Mitglieder und gehört zur Pfarrei St. Maria im Berliner Süden. Eine eigene Stiftung sichert seit 2006 die Finanzierung des Gemeindelebens.

Den Friedhof müssen wir komplett umrunden, um zur Pforte zu gelangen und finden uns unfreiwillig inmitten einer Trauergemeinde wieder, die den Eingangsbereich bevölkert. Unschlüssig, wie man sich am diskretesten und möglichst unsichtbar daran vorbei drückt, schleichen wir auf leisen Sohlen schnell mitten hindurch und zu einem wunderschönen, üppig bepflanzten Bereich, der sich Memoriam-Garten nennt. Er wird durch die Friedhofsgärtnerei gepflegt und bietet mit Bänken die Möglichkeit, seine verstorbenen Angehörigen zu besuchen.

Auf einer sitzt eine ältere Dame, die ich frage, ob sie uns die Richtung zum Grab von Otto Lilienthal zeigen könne. Ich weiß, dass er hier seine letzte Ruhestätte hat, aber wir wollen auch nicht den kompletten Friedhof danach absuchen. Sie schüttelt bedauernd den Kopf, gibt mir aber den Ratschlag, doch im Internet nachzuschauen. Ich schlage mir an die Stirn – na klar! Wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen! Vielleicht kennen das manche auch: Auf das Naheliegendste kommt man oft nicht. Gesagt, getan, ich öffne Google Maps und siehe da – wir stehen schon fast davor! Es wirkt auf den ersten Blick unspektakulär und wird bestimmt von vielen übersehen, aber es ist berührend zu lesen: „Opfer müssen gebracht werden.“ Er ist für seine Mission gestorben, was auf der Grabplatte für die Ewigkeit festgehalten wurde. Bezeichnend aber ist auch, dass seiner Frau Agnes deutlich weniger Platz eingeräumt wurde. Das ist eine Diskrepanz, die ins Auge sticht.

Weiter gehts auf der Dessauerstraße, die übrigens nicht die Stadt meint, sondern Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau (genannt. der Alte Dessauer) die Ehre erweist. Davon geht eine kleine Ringstraße ab, die zu einer neuen Siedlung führt und nach dem schon erwähnten Bürgermeister Rudolf Beyendorff benannt ist. Sie wurde auf dem Gelände des Tierfriedhofes errichtet, nachdem das sich daran anschließende Tierheim Lankwitz nach Falkenberg umgezogen war.

Es folgt ein großes, neu bebautes Gebiet entlang der Belling- und Retzowstraße auf dem ehemaligen Tierheim-Areal, das trotz seiner im gleißenden Sonnenlicht noch reiner wirkenden weißen Fassaden eine gewisse Vornehmheit und Ruhe ausstrahlt.

Es schließt an eine etwas ältere Blockbebauung an, die bis zur Eisenbahnsiedlung an der Gallwitzallee reicht, die Übergänge sind nahtlos. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute die Deutsche Reichsbahn diese Siedlung für ihre Angestellten. Sie wurde 2019 saniert. Was mir auch hier auffällt, sind die vielen grünen Fußwege, die Querverbindungen zwischen den Blöcken möglich machen und die kleinen Gärten auf der Rückseite mit Obstgehölzen, Blühwiesen und Picknickplätzen. Meiner Meinung nach eine gelungene Symbiose von Alt und Neu.

Gleich gegenüber gibt es das Kontrastprogramm mit der niedlichsten Sackgasse, die ich bis jetzt gesehen habe.

Zurück zur Gallwitzallee, wo sich an der Ecke Eiswaldtstraße über eine große Fläche hinweg die Polizei befindet. Nun spaziert man natürlich nicht freiwillig dort herum, aber selbst wenn man wollte, wäre es nicht möglich. Die Mauern und Zäune sind stacheldrahtbewehrt und signalisieren unmissverständlich: STOPP! Wir laufen zügig weiter, aber in meinem nächsten Bericht wird das Gelände nochmal eine Rolle spielen.

Kurz vor dem St.-Marien-Krankenhaus fällt mir aus dem Augenwinkel ein Schild mit dem Wort „Kloster“ auf. Ein Kloster? Hier? Ein paar Treppen führen zu einem Gartentor, das nicht abgeschlossen ist. Noch unschlüssig, ob wir da reingehen dürfen, werden wir von einem Mann zwar nicht unfreundlich, aber in deutlichem Tonfall darauf hingewiesen, dass es hier nichts zu sehen gibt. Hier wäre nur ein Wohnheim für Nonnen. Ok, verstanden! Aber ich greife nun noch mal kurz vor, denn zwei Tage später gerate ich beim Ablaufen einer heute vergessenen Straße durch Zufall auf das Gelände des Krankenhauses, von dem aus man ohne Barriere direkt zum Kloster-Wohnhaus kommt und ich zu meinem Foto:

Das Krankenhaus sieht von der Straße aus ziemlich unscheinbar aus, hat aber nach hinten raus viel Platz, der teilweise wie eine Wiesenlandschaft aussieht.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis wir das Haus von Ulrichs Bruder und Schwägerin erreichen, wo wir sehr freundlich begrüßt werden und uns an einem Schattenplatz im üppig blühenden Garten vor der Sonne Reißaus nehmen können. Zur Erfrischung gibts Apfelsaft und Eis, wir werden sogar zum Mittagessen eingeladen. Das lehnen wir aber ab, denn sonst haben wir gar keine Lust mehr zum Weiterlaufen. Man merkt nämlich gar nicht, wie die Zeit vergeht, wenn man so nett zusammensitzt und plauscht.

Nach dieser willkommenen Pause wandern wir weiter, nicht immer jeweils eine Straße von Anfang bis Ende, sondern strategisch sinnvoll, um nicht so viel doppelt laufen zu müssen. So sind wir mal in Brotterode, Frankenhausen, Blankenhain oder Tennstedt, Arnstadt, Sondershausen. Sogar die kleinen Orte Wasungen und Wernshausen sind hier verewigt worden. Die Architektur ist sehr abwechslungsreich, alle möglichen Häusertypen sind vertreten, was man am Beispiel der Blankenhainer Straße gut erkennen kann. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, muss ich aber unbedingt erwähnen, dass mich die Konsequenz der Querverbindungen immer aufs Neue beeindruckt. Hier sind es Parkanlagen, manchmal schmal wie ein Schlauch, die Fahrradfahren und Fußgängern viele erholsame Abkürzungen bieten. Eine davon wird vom Okengraben begleitet, der zum Entwässerungssystem Friedrich des Großen gehörte und sich bis Giesensdorf in Lichterfelde zieht.

Jetzt ist es die evangelische Kirche der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, die uns mit offenen Türen empfängt und auf dem Platz davor mit bunten Mosaiken und dem Willkommensspruch: „Wunderbar geborgen“. Die Kirche ist ein Flachbau aus dem Jahr 1971 und wurde von dem Architekten Peter Lehrecke entworfen. Es gibt einen Mehrzweckraum, in dem sich gerade Kinder sportlich betätigen. Interessant finde ich auch, dass sich der Innenraum nach links und rechts erweitern lässt. Eine sehr moderne, helle und freundliche Kirche.

Es ist brütend heiß, weswegen wir noch zweimal eine Pause einlegen, Füße und Kopf kühlen und viel trinken. Eine zentimeterdicke Lindenblütenschicht hat sich symbiotisch mit meinen Schuhsohlen verbunden und verweigert sich allen Versuchen, sie zu entfernen. Zuhause konnte ich das Problem mit Einweichen lösen, wodurch aus dem Blütenbeton gallertartiges Gelee wurde. So was habe ich auch noch nie erlebt.

Und weiter gehts auf unserem Streifzug durch Thüringen mit viel Abwechslung und kleinen Details, mal witzig, mal anrührend, mal skurril. Es folgen jetzt sehr, sehr viele Fotos und ich weiß, dass das Anschauen bis zum Ende viel Durchhaltevermögen erfordert, aber ich finde sie in ihrer Gesamtheit sehr aussagekräftig zur Charakterisierung dieses Viertels.

Am entgegengesetzten Ende der Tagestour streifen wir den Luther- und Kreuzkirchhof, den ich mir das nächste Mal genauer anschauen werde. Wir nutzen einen Nebeneingang, um nochmal auf einer schattigen Bank eine Pause einzulegen.

Zum Schluss überschreiten wir ein kleines Stück die Bezirksgrenze auf der Tautenburger Straße, die dort in die Maximilian-Kaller-Straße übergeht. Ulrich, der über viel Spezialwissen zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Linienführungen verfügt, will mir dort eine Besonderheit zeigen, die einem sonst niemals auffallen würde. In der Blockbebauung der Straße gibt es eine große Lücke, hinter der sich ein Parkplatz befindet. Nie im Leben hätte ich mir Gedanken darüber gemacht, vermutlich wäre mir die Lücke noch nicht einmal aufgefallen. Der Grund für die Baulücke ist, dass es vor 1989 Planungen für die Verlängerung der U9 gab, also vom Rathaus Steglitz über Lankwitz nach Marienfelde, ich glaube sogar, als U10. Der Tunnel sollte genau dort entlangführen. Allerdings verbot die Deutsche Reichsbahn der DDR, einen Tunnel unter der S1 zu bauen. So habe ich es mir gemerkt, aber eventuell wird Ulrich den Kopf schütteln über meine fehlerhafte Wiedergabe. Man möge mir verzeihen! Aber wir haben dort noch eine interessante Sandsteinskulptur des Bildhauers Paul Brandenburg entdeckt mit dem Titel „Guter Hirte“. Sie zeigt eine Figur, die ein Schaf auf den Schultern trägt. Sie ist schon ziemlich verwittert, ebenso der Spruch am Sockel.

Zum Abschied bekomme ich wieder eine Geschichte überreicht, die Ulrich geschrieben hat, dieses Mal aus dem Genre Low Fantasy. Sie trägt den Titel „Die Burg an der Lahn“ und ist an eine Legende angelehnt, die sich dort abgespielt haben soll. Was macht man, wenn man einen Burgturm besteigt und die Treppe zusammenbricht, sobald man oben angelangt ist?

Das war die erste Tour durch Lankwitz, trotz Hitze wieder sehr horizonterweiternd und entdeckungsreich. Es müssen nicht immer Villen und historische Gebäude sein, um Freude an der Tour zu haben. In Kürze folgt die Beschreibung des östlichen Teils von Lankwitz.