Schreibnacht 2017

Samstag-Nachmittag, 17. Juni 2017. Letzte Vorbereitungen für die diesjährige Schreibnacht müssen getroffen werden. Einkaufen für das Sonntagsfrühstück, alles in der Küche verstauen, den Tisch vorbereiten für das gemeinsame Abendessen und 19 Sitzplätze drumrum anordnen.

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Licht einschalten, Fenster aufreißen. Sogar kehren ist notwendig, weil offenbar jemand Spaß daran hatte, Blumenerde durch die Gegend zu werfen.

Ich gehe nochmal im Geiste das Programm durch und überlege, ob damit alle gut beschäftigt sein und Spaß haben werden und keine Langeweile aufkommt.

Ab 19 Uhr ist Einlass, aber natürlich stehen die ersten schon 18.30 Uhr vor der Tür. Dieses Mal bin ich knallhart und öffne die Tore wirklich erst kurz vorher.

So nach und nach trudeln alle ein. Die alten Hasen nehmen ihre gewohnten Plätze im Jugendbereich ein, irgendwie herrscht schon eine gewisse Routiniertheit. Manche wandern zielstrebig gleich durch nach ganz oben und verkrümeln sich in den Loggien. Diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, suchen sich ungewöhnlichere Schlafplätze. Zwei Mädchen wählen voller Begeisterung einen Gang zwischen den Sachbuchregalen, weil dort die Mathebücher stehen. Da ruht es sich wohl am besten, kann ich nur vermuten.

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Unser zehnjähriges Küken zieht sich in die Kinderbibliothek zurück und ist sehr zufrieden mit dem dortigen Platzangebot.

Natürlich gibt es auch wieder die chronischen Zuspätkommer, aber irgendwann sitzen dann doch alle in der Küche und vertilgen ihr mitgebrachtes Abendbrot. Eine Mutti hat einen ganzen Berg leckerer Wraps beigesteuert, die ziemlich schnell fast vollständig vertilgt sind.

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Wir besprechen das Programm für den Abend und die Nacht. Tim wird als Spielleiter mit einer Gruppe von sechs Personen das Fantasy-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ ausprobieren. Für alle, die mehr darüber wissen möchten, füge ich hier mal eine Beschreibung ein:

„Das Schwarze Auge ist ein Fantasy-Rollenspiel, in dem du und deine Freunde die Hauptrollen übernehmt: Bestehe als tapferer Ritter, elfische Waldläuferin oder gelehrter Magier Heldentaten und entdecke mit deinen Gefährten das von vielen Kriegen geschwächte Mittelreich, die exotischen Länder der Tulamiden, die dampfenden Dschungel des Südens oder die finsteren Schattenlande. Gemeinsam könnt ihr unschuldige Opfer aus den Händen namenloser Kultisten befreien, Intrigen am Hof der Kaiserin erleben oder bedrohten Städten gegen Heerscharen von Orks beistehen. Was immer ihr für Abenteuer erleben wollt: In Aventurien gibt es für mutige Helden mehr als genug zu tun!
Mit der gewonnen Erfahrung kannst du deine Abenteurer mit zusätzlichen Fähigkeiten, neuen Zaubern oder besonderen Kampfstilen auszustatten, um dich noch größeren Herausforderungen zu stellen. Um dich mit deinen Freunden ins Abenteuer zu stürzen, brauchst du nur ein paar Stifte, Würfel und dieses Buch. In diesem Regelwerk erfährst du alles über die Regeln des Spiels und über die Hintergrundwelt des Schwarzen Auges, den Kontinent Aventurien. Erschaffe einen Helden nach deinen Vorstellungen und führe ihn durch die phantastische Welt von Das Schwarze Auge oder wähle deinen Helden aus einem der 12 spielfertigen Archetypen aus. Das Abenteuer erwartet dich!“

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Die anderen wollen einem Vorschlag von Benjamin folgen und beißen sich die Zähne aus an der Entwicklung einer neuen Version des Werwolf-Spiels. Ein Schauplatz ist schnell gefunden – eine psychiatrische Anstalt. Nun kommt der schwierige Part: Rollen neu besetzen. Das ist gar nicht so einfach um diese Uhrzeit, denn man muss genau überlegen, welche Rolle welche Eigenschaften besitzen soll, die dann auch noch im Spiel funktionieren würden.

Hier ist das Ergebnis dokumentiert.

Um 23 Uhr setzen gewisse Ermüdungserscheinungen ein, auch bei der Schwarze-Augen-Truppe, weswegen wir mehrere Runden Versteckspielen einlegen.

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Ich bin gleich in der ersten mit Suchen dran und versage kläglich. Zunächst bin ich stolz wie Bolle, weil ich mir einbilde, in kürzester Zeit alle gefunden zu haben. Schließlich kenne ich jeden Winkel der Bibliothek! Aber beim Durchzählen wird schnell klar, dass ich mindestens 3 oder 4 Leute nicht entdeckt habe, schlimmer noch, dass ich in der 2. Etage gar nicht gesucht habe! In der nächsten Runde folgt wieder eine Blamage. Mein von mir als unentdeckbar gewähltes Versteck wird in Windeseile gefunden und somit auch ich. Jetzt schmolle ich und spiele nicht mehr mit, ätsch.

Stattdessen trommle ich die Meute um 24 Uhr zur Mitternachtslesung zusammen. Schnell sind im Foyer Stühle aufgestellt und schon kanns losgehen. Erst lesen einige ihre Kakerlakengeschichten vor. Zur Erklärung: beim letzten Treffen der Schreibwerkstatt sollten alle folgenden Satz mit einer kleinen Geschichte fortsetzen:

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Danach kann, wer möchte, eigene Texte zum besten geben, bevor die Storytausch-Beiträge verlesen werden.

Das zieht sich hin und fordert dem Publikum so Einiges an Aufmerksamkeit ab. Ich befürchte das Aufkommen von Langeweile, doch Oliver schreibt dann später in der WhatsApp-Gruppe:

Geht es nur mir so, oder haben wir gestern mit die besten Texte gehört?“

Damit ist dann um 1.30 Uhr das offizielle Programm beendet und der spaßige Teil kann beginnen. Das heißt – was sonst – Werwolf spielen bis zum Abwinken.

So nach und nach verabschieden sich die Kandidaten zur Nachtruhe und verkrümeln sich in ihre Schlafsäcke.

Ich ziehe mich an meinen Computer zurück. Für viele ist aber noch lange nicht Schlafenszeit, es wird rege, aber erstaunlich leise diskutiert, gequatscht und gelacht, später dann geschnarcht, das allerdings etwas lauter. Ich beobachte das alles von meinem Kommandostand aus und denke: „Mein Gott, das ging hier aber auch schon mal lebhafter zu.“ Sind jetzt plötzlich alle vernünftig geworden? Ich jedenfalls nicht, ich mache die Nacht durch (Kerstin, meine personelle Unterstützung für die Nacht ebenso), bereite das Frühstück vor und foltere Punkt 8 Uhr alle wie jedes Jahr mit den ohrenbetäubenden Klängen von Nana Mouskouris „Guten Morgen Sonnenschein“ und Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“, so dass auch die letzte Schlafmütze mit kleinen Äuglein angeschlurft kommt.

Wir frühstücken gemeinsam, danach wird gepackt und ab geht’s nach Hause.

Als die letzten raus sind, beseitigen Kerstin und ich die letzten Spuren, damit alles so aussieht, als wäre nichts gewesen. Das gelingt uns offensichtlich sehr gut, sonst hätte mich bestimmt jemand von meinen Kolleginnen und Kollegen am Montag gefragt, wie es denn gelaufen ist.

Fazit:

  • Es ging beunruhigend ruhig zu.
  • Es wurde konzentriert und hart gearbeitet.
  • Niemand hat sich danebenbenommen.

Fragen:

  • Hatten alle Spaß?
  • War es vielleicht doch langweilig?
  • Kommen nächstes Jahr alle wieder?

Über Renate Zimmermann

Leidenschaftliche Fußgängerin, Bibliothekarin, Leiterin der Schreibwerkstatt Marzahn und Organisatorin von Reisen und Projekten, hier dokumentiert.
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